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12:03 19.10.2011
Foto: Die Skyline von Frankfurt
Die Skyline in Frankfurt am Main: Ein Verdacht auf ein Zinskartell bei europäischen Großbanken veranlasste die EU-Kommision zu einer Razzia in den Büros der Geldhäuser. Quelle: dpa
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Brüssel

Welche Banken in welchen Ländern betroffen sind, blieb zunächst unbekannt. Anlass für die Razzien ist der Verdacht, die Banken hätten den Euribor-Zinssatz zu ihren Gunsten manipuliert und dabei gegen die EU-Binnenmarktregeln verstoßen, teilte die Kommission mit. Das "Wall Street Journal" berichtete in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf Insider, die EU-Beamten hätten bei mehreren Banken gezielt Dokumente beschlagnahmt, die mit der Euribor-Festlegung im Zusammenhang stünden. Brüssel prüfe, ob die Zinssätze für Euro-Termingelder im Interbankengeschäft manipuliert werden.

Weltweite Ermittlungen

Die EU-Aktion ist dem Bericht zufolge Teil von weltweit laufenden Ermittlungen, mit denen Aufsichtsbehörden in den USA, Europa und Japan seit etwa einem Jahr die Finanzbranche überziehen. Dabei geht es um den weit verbreiteten Referenzzinssatz Libor, den die international tätigen Mitglieder der britischen Bankenvereinigung in London festlegen. Der Libor beeinflusst wichtige Finanzgeschäfte weltweit. Geprüft wird, ob die Banken den Satz durch Absprachen manipulieren.

Brüssel prüfe jetzt analog, ob auch der Euribor von den Finanzakteuren beeinflusst werde, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen der Zeitung. Die EU verspreche sich von den Dokumenten ein besseres Verständnis davon, wie die geschäftstäglich ermittelten Durchschnittssätze zustande kommen, zu denen rund 40 überwiegend europäische Bankhäuser ihre jeweiligen Angebotssätze übermitteln.

Angeblich auch deutsche Großbank betroffen

Am Euribor orientieren sich Euro-Anleihen und andere Kreditinstrumente; insgesamt handelt es sich um einen Billionen-Markt. Es ist unklar, welche Banken von der Europäischen Kommission am Dienstag durchsucht worden sind. Informierten Personen zufolge waren auch eine deutsche und eine französische Großbank Ziel der Durchsuchungen, wie die Zeitung schreibt.

Allerdings betonte die Kommission, dass bisher nur ein Anfangsverdacht vorliege und Durchsuchungen noch kein Beleg für die Schuld der Firmen seien. "Die Kommission hat den Verdacht, dass die Unternehmen EU-Recht verletzt haben, das Kartelle und unlautere Geschäftspraktiken verbietet", schrieben die Kartellwächter.

Zu den neun deutschen Banken, die dem Euribor-Panel angehören, zählen auch die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Helaba. EU-Vertreter können bei vermuteten Wettbewerbsverstößen Gebäude betroffener Firmen durchsuchen und Dokumente beschlagnahmen.

dapd/dpa/fh