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Politik Pädophilie als Rücktrittsgrund
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08:57 12.08.2013
Von Margit Kautenburger
„Unreife Gedanken“: FDP-Politikerin Dagmar Döring. Quelle: dpa (Archiv)
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Berlin

Sexuelle Beziehungen zu Kindern: Dieses Thema ist in jüngster Zeit vor allem mit der Vorgeschichte der Grünen in Verbindung gebracht worden. Sechs Wochen vor der Bundestagswahl indessen ist nun eine Liberale über Pädophilie-Vorwürfe gestolpert. Die hessische FDP-Politikerin Dagmar Döring zog ihre Bundestagskandidatur am Wochenende zurück. Zum Verhängnis wurde ihr ein Text über sexuelle Beziehungen zu Kindern. Darin hatte Döring in den achtziger Jahren die Legalisierung einvernehmlicher Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern unterstützt. Heute nennt sie das einen großen Fehler. Der Text sei ihr „unvorstellbar peinlich“.

Den zweiseitigen Aufsatz hatte die damals parteilose Politikerin in dem 1980 erschienenen Buch „Pädophilie heute“ veröffentlicht. Ihre „damaligen unreifen Gedanken“ seien aus heutiger Sicht „völlig inakzeptabel“, schreibt Döring auf ihrer Homepage. „Ich distanziere mich in aller Deutlichkeit von allen Schriften und politischen Aktionen aus diesem frühen Kapitel meines Lebens.“

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Dörings Text ist Wissenschaftlern des Instituts für Demokratieforschung in Göttingen bei Recherchen aufgefallen. Dessen Leiter, der Politikwissenschaftler Franz Walter, untersucht im Auftrag der Grünen den Einfluss von Pädophilie­befürwortern in der Partei. Zu den  Ergebnissen gehört, dass die Forderung bei den Grünen verbreitet war und sogar im ersten Grundsatzprogramm auftauchte. Auch bei den FDP-nahen Jungdemokraten war die Position stark vertreten.

Die FDP-Politikerin Döring reagierte prompt auf die Enthüllung und legte ihre Bundestagskandidatur für einen Wiesbadener Wahlkreis nieder. Sie tue das, um Schaden von ihrer Familie und ihrer Partei abzuwenden, erklärte die Mutter von drei Kindern. Sie habe sich aber nichts zuschulden kommen lassen. Döring war 2007 in die FDP eingetreten. 

Ohne die Debatte um die Haltung der Grünen zur Pädophilie wäre Dörings Text vermutlich nie ans Licht gezerrt worden. Sie betont, ihr Aufsatz, in dem sie unter anderem eine längere, auch sexuell intensivere Beziehung zu einem Mädchen schildert, sei völlig fiktiv gewesen. Unter anderem heißt es: Sie habe erlebt, dass „kein Mann und keine Frau, sondern nur ein Kind, insbesondere ein Mädchen, meine Wünsche und Bedürfnisse (…) befriedigen kann“. An anderer Stelle schreibt Döring, sie habe „Angst vor den Gesetzen, die Liebe zwischen Erwachsenen und Kindern immer noch bestraft“.

Der Politologe Walter sagte dem „Spiegel“, es gehe um mehr als einen Buchaufsatz, „sondern um Organisationspolitik, die sie schon längerfristig betrieb“. Die hessische FDP erklärte zu dem Rückzug Dörings, man nehme den Verzicht auf die Kandidatur „als sehr persönliche Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis“. Döring übernehme damit Verantwortung für frühere Positionen.

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