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Politik Experten: Sicherheitslücken beim neuen Ausweis
Mehr Welt Politik Experten: Sicherheitslücken beim neuen Ausweis
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22:36 24.08.2010
Von Dirk Schmaler
„Sicherer als andere Verfahren im Internet“: Der neue Ausweis kann viel – aber wie schützt man sich vor Missbrauch? Quelle: dpa
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Der neue Ausweis im Scheckkartenformat hat erstmals einen elektronischen Funkchip eingebaut, mit dem persönliche Daten auch an einen Computer gesendet werden können. Damit sollen sich Bürger nicht nur in der richtigen Welt, sondern auch im Internet ausweisen können, um Internetgeschäfte oder Onlinebanking sicher durchzuführen. Auch Behördengänge sollen so online möglich werden.

Für die Verbindung von Personalausweis und Computer braucht man ein Lesegerät. Außerdem ist der neue Ausweis mit einer sechsstelligen PIN ausgestattet, die Internetnutzer wie bei Bankkarten eingeben müssen, um den Ausweis im Internet zu benutzen.

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Genau in dieser PIN-Eingabe hat der Chaos Computer Club (CCC) in einem Versuch für das ARD-Magazin „PlusMinus“ einen Schwachpunkt ausgemacht: Da die einfachen Lesegeräte, die das Innenministerium für 24 Millionen Euro gekauft hat, keine eigene Tastatur zur PIN-Eingabe haben, müssen die Nutzer ihre normale Computertastatur benutzen – und die ist leicht anzuzapfen.

Die CCC-Experten schleusten dazu über das Internet eine Spähsoftware in den Computer ein, die die eingegebene PIN speichert und heimlich übermittelt. Wer nun den Ausweis in seinen Besitz bringt oder mit einem weiteren Programm die Ausweisdaten aus der Ferne ausspioniert, kann beispielsweise mit der falschen Identität einkaufen. „Der Bürger denkt aber, es ist sicher, wenn es um seinen Ausweis geht“, sagte CCC-Sprecherin Constanze Kurz. Das Innenministerium habe auf Kosten der Sicherheit gespart. Datenschützer raten zum Kauf eines teureren Lesegerätes mit Tastatur.

Das Innenministerium wies die Kritik zurück. „Der neue Personalausweis ist sicher“, sagte ein Sprecher. Auch das Bundesamt für Sicherheitstechnik (BSI) nahm die neue Technik in Schutz. Das Dokument sei „sicherer als andere Verfahren im Internet“. Allerdings müsse der Bürger auch selbst für einen „sauberen Computer“ ohne Viren sorgen.

Der neue Ausweis kostet zwischen 22,80 und 28,80 Euro. Zusätzlich zum elektronischen Identitätsnachweis gibt es auch die Möglichkeit, ein digitales Zertifikat auf die Chipkarte zu laden, mit dem man rechtsverbindlich unterschreiben kann. Sicherheitsbehörden können zudem per Funk Daten und Passbild auslesen. Auch das Speichern von Fingerabdrücken auf dem Chip ist möglich, aber keine Pflicht.

Klaus von der Brelie 24.08.2010
24.08.2010