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Politik Experte rechnet mit weiteren Kassen-Pleiten in 2013
Mehr Welt Politik Experte rechnet mit weiteren Kassen-Pleiten in 2013
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16:04 19.05.2011
Nach der City-BKK könnten im Jahr 2013 weitere gesetzliche Krankenkassen pleite gehen - befürchtet SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Quelle: dpa
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Ausgerechnet im Wahljahr 2013 müssen sich die gesetzlich Versicherten nach Prognosen der SPD auf eine Welle von Insolvenzen bei den Krankenkassen einstellen. „Genau in zwei Jahren werden wir die maximale Bewegung im Sinne der meisten Insolvenzen haben“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, am Donnerstag in Berlin.

Als Grund sieht Lauterbach die Kostensteigerung im Gesundheitswesen. Vorsichtig gerechnet kämen in den kommenden zwei Jahren jeweils fünf Milliarden Euro Mehrkosten auf die Kassen zu. Bei den Arzneimitteln griffen die erst in diesem Jahr gestarteten Regeln für Preisverhandlungen zwischen Kassen und Herstellern noch nicht. Ein Zwangsrabatt entfalle aber.

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Bei den Krankenhäusern drohten - angesichts von Kostensteigerungen von drei Prozent - ohne eine Budgetsteigerung flächendeckende Streiks. Das geplante Versorgungsgesetz für Ärzte koste Geld. Zudem komme es zu den normalen Steigerungen bei Ärzten und Heil- und Hilfsmitteln, sagte Lauterbach.

Die Folge seien Zusatzbeiträge von 16 Euro pro Jahr im Schnitt - einzelne Kassen kämen weiter ohne den Aufschlag für die Versicherten aus, andere müssten dann aber 30 Euro nehmen. „Dann haben wir die Situation, in der es massiven Kassenwechsel gibt“, sagte Lauterbach. Schwache Kassen gerieten weiter unter Druck - Insolvenzen nähmen zu.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) könne dem nur entgegenwirken, wenn er Gesetze der Koalition wieder zurücknehme. Zudem müsse im Finanzausgleich zwischen den Kassen anders als heute ausgeglichen werden, wenn Versicherte in Großstädten mit teuren Kliniken und Arztkosten höhere Ausgaben verursachen. „Er wird all diese Punkte nicht aufgreifen, sondern die Patienten aufhetzen, dass sie sich beschweren“, prognostizierte Lauterbach. „Wir werden ein erbärmliches Schwarze-Peter-Spiel erleben.“

Lauterbach unterstützte Vorstöße aus der Union, Kassenvorstände in Haftung zu nehmen, wenn Versicherte einer Kasse vor dem Aus wie bei der City BKK abgewiesen werden. „Das ist ein zentrales Managementversagen.“

dpa