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Politik Europa gedenkt zum 70. Jahrestag der Opfer des Zweiten Weltkrieges
Mehr Welt Politik Europa gedenkt zum 70. Jahrestag der Opfer des Zweiten Weltkrieges
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18:45 01.09.2009
Rund 20 europäische Staats- und Regierungschefs waren der polnischen Einladung zu der Gedenkfeier gefolgt und gedachten der Millionen Kriegsopfer.
Rund 20 europäische Staats- und Regierungschefs waren der polnischen Einladung zu der Gedenkfeier gefolgt und gedachten der Millionen Kriegsopfer. Quelle: AFP
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Polens Ministerpräsident Donald Tusk erinnerte an die deutsche Verantwortung für den Überfall.

Der von Deutschland entfesselte Krieg habe „unermessliches Leid“ über viele Völker und „Jahre der Entrechtung, der Erniedrigung und der Zerstörung“ gebracht, sagte Merkel. Europa habe sich von einem „Kontinent des Schreckens und der Gewalt“ in einen „Kontinent der Freiheit und des Friedens“ verwandelt, sagte Merkel. Dass das möglich geworden sei, sei „ein Wunder“. Sie gedachte zudem aller Polen, denen unter der deutschen Besatzung Leid zugefügt worden sei und der in den deutschen Konzentrationslagern ermordeten Menschen.

Im ARD-Morgenmagazin bezeichnete Merkel gleichwohl die „Vertreibung von weit über zwölf Millionen Menschen aus den Gebieten des ehemaligen Deutschlands und heutigen Polens“ als Unrecht. Deutschland werde Ursachen und Wirkungen jedoch „niemals verkehren“.

Die Gedenkzeremonie auf der Westerplatte begann ab 4.45 Uhr, zu dieser Zeit fielen vor 70 Jahren die ersten Schüsse des deutschen Kriegsschiffs Schleswig-Holstein. Polens Regierungschef Tusk sagte, „wir sind hier um zu erinnern, wer in diesem Krieg der Angreifer war und wer das Opfer.“ Ohne ein solches Gedenken könne weder Europa, noch Polen, noch die Welt wirklich in Frieden leben.

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin sagte, der Hitler-Stalin-Pakt 1939, in dem Deutschland und die Sowjetunion ihre Interessensgebiete aufteilten, sei nicht alleiniger Auslöser für den deutschen Überfall auf Polen gewesen, dem am 17. September der Angriff der Sowjetarmee folgte. Trotzdem seien sämtliche Verträge mit Nazi-Deutschland zwischen 1934 und 1939 „moralisch inakzeptabel“ und „politisch sinnlos“ gewesen. Insgesamt waren etwa 20 Regierungschefs zu den Feierlichkeiten eingeladen.

EU-Kommissionspräsident Manuel Barroso würdigte die Gedenkfeier. Dass gleichzeitig in diesem Jahr das Ende des Eisernen Vorhangs vor 20 und die EU-Osterweiterung vor fünf Jahren gefeiert werde, erinnere daran, dass das vor 70 Jahren begonnene „dunkle Kapitel“ für viele Länder erst damit wirklich geschlossen worden sei, schrieb Barroso an Tusk.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) gedachte der Folgen des deutschen Überfalls auf Polen. Kein Land habe bezogen auf seine Bevölkerung eine „so hohe Quote“ an Opfern zu beklagen gehabt wie Polen, sagte der EKD-Vorsitzende Bischof Wolfgang Huber im polnischen Jauer.

afp