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Politik Euro-Staaten weiter unter Druck
Mehr Welt Politik Euro-Staaten weiter unter Druck
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18:04 22.04.2012
Von Stefan Koch
Foto: Auf der IWF-Frühjahrstagung gibt es starke Spannungen.
Auf der IWF-Frühjahrstagung gibt es starke Spannungen. Quelle: dpa
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Washington

Die europäische Schuldenkrise hält die internationale Gemeinschaft weiterhin in Atem. Zum Abschluss der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington wurden die Mitglieder der Euro-Zone aufgefordert, weitere Reformen einzuleiten, um ihre staatlichen Haushalte ins Gleichgewicht zu bringen. Deutliche Worte waren am Wochenende vor allem von US-Finanzminister Timothy Geithner zu hören: "Der Erfolg der nächsten Phase bei der Krisenbewältigung hängt vom Willen und der Fähigkeit Europas ab, kreativ, flexibel und aggressiv Reformen umzusetzen."

Die IWF-Mitglieder hatte sich am Freitagabend überraschend schnell auf eine Aufstockung der Kredite um 430 Milliarden Dollar (327 Milliarden Euro) geeinigt. Allerdings herrschen sehr unterschiedliche Auffassungen über die Verwendung des Geldes. Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble vor deutschen Journalisten betonte, dass diese Mittel in Krisensituationen weltweit eingesetzt werden können und die Finanzmärkte stabilisieren sollen, bezeichnete Geithner diese Summe als "Solidarität mit Europa". Eine Maßnahme, die von der US-Regierung grundsätzlich unterstützt werde, obwohl sie sich selbst nicht daran beteilige. Washington hoffe, so Geithner, dass nach Griechenland, Portugal und Irland nicht auch noch Spanien IWF-Kredite in Milliardenhöhe benötige.

Sowohl Schäuble als auch Bundesbankpräsident Jens Weidmann verwahrten sich allerdings gegen die Einschätzung, Europa sei das eigentliche Sorgenkind auf den internationalen Finanzmärkten: Mit dem Rettungsschirm in Höhe von einer Billion Euro besitze die Währungsunion genügend eigene Mittel. Die neuen IWF-Mittel könnten daher "global" verwendet werden.

Als eigentliche Gewinnerin der Frühjahrstagung gilt IWF-Chefin Christine Lagarde. Angesichts der Kreditzusagen sprach die Französin am Sonnabend von einem Zeichen kollektiver Entschlossenheit. Tatsächlich war es der 56-Jährigen gelungen, wiederstrebende Staaten wie Brasilien, China und Russland zu einer Beteiligung an dem Kreditprogramm zu bewegen. Dass sich die USA und Kanada dagegen weiterhin verweigern, stand für viele Beobachter von vornherein fest. Immerhin kann es Lagarde für sich verbuchen, dass die Finanzminister der beiden Staaten nicht versuchten, das Programm zu torpedieren.

Unter Fachleuten aufmerksam beobachtet wurde darüber hinaus die Rolle des deutschen Finanzministers. In den entscheidenden Gremiensitzungen am Freitag und Sonnabend habe Schäuble die Rolle eines inoffiziellen Sprechers der Vertreter der Euro-Staaten eingenommen, berichteten am Sonntag mehrere Teilnehmer übereinstimmend.

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