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Politik Erstmals rollt ein Auto vollautomatisch durch die Stadt
Mehr Welt Politik Erstmals rollt ein Auto vollautomatisch durch die Stadt
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22:36 08.10.2010
Hände weg vom Steuer:  Der Testwagen „Leonie“ am Freitag in Braunschweig.
Hände weg vom Steuer: Der Testwagen „Leonie“ am Freitag in Braunschweig. Quelle: dpa
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Was Jörn Marten Wille macht, ist eigentlich streng verboten. Mitten auf Braunschweigs dicht befahrenem Stadtring nimmt der Ingenieur die Hände vom Lenkrad und die Füße von den Pedalen seines Autos. Der VW Passat bleibt dennoch in der Spur und passt das Tempo perfekt der Situation an – das Forschungsauto „Leonie“ hat am Freitag die weltweit erste vollautomatische Fahrt im normalen Straßenverkehr absolviert.

Das von der Technischen Universität (TU) Braunschweig und ihrem in Wolfsburg ansässigen Niedersächsischen Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) entwickelte Auto habe seine Praxistauglichkeit bewiesen, sagte Markus Maurer, Chef des TU-Instituts für Regelungstechnik. „Jetzt wissen wir, dass es auch in der Realität funktioniert.“

Äußerlich fällt das Versuchsauto vor allem durch einen auf dem Dach montierten Laserscanner auf. Er übermittelt Daten über Abstand und Bewegungen anderer Fahrzeuge sowie möglicher Hindernisse in Echtzeit an die Bordelektronik. Dadurch kann „Leonie“ ihr Tempo blitzschnell an die jeweilige Verkehrssituation anpassen. Ganz ohne Führer geht es aber noch nicht – das Auto kann nicht mit Ampeln kommunizieren.

Die Vorstellung, schon bald vollautomatische Serienautos auf die Straße zu schicken, haben der Fahrzeugexperte Maurer und seine Mitstreiter nicht. Ihnen geht es vielmehr darum, einzelne Komponenten auf ihre Tauglichkeit als sogenannte Fahrerassistenzsysteme zu prüfen. Als Beispiel nennt der Wissenschaftler selbsttätige Notfallbremsen und Abstandssyteme.

Eine große Rolle könnte die Mobilität im Alter spielen, sagte Professor Maurer: „Viele Senioren können eigentlich nicht mehr Auto fahren, wollen aber ihren Führerschein dennoch behalten. Wenn wir diesen Menschen eines Tages mit vollautomatischen Fahrzeugen ihre Flexibilität erhalten, haben wir schon ein großes Ziel erreicht.“

Rund 350.000 Euro hat die TU Braunschweig bislang in das Projekt „Stadtpilot“ investiert. Die Summe gilt angesichts der Ergebnisse unter Fachleuten als relativ bescheiden. Erheblich mehr Geld dürfte dort fließen, wo es um militärische Zwecke geht: Derzeit entwickelt auch die US-Armee automatische Fahrsysteme.

Jens Krone

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