Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Erstes positives Echo in China zur neuen Handelsstrategie der USA
Mehr Welt Politik Erstes positives Echo in China zur neuen Handelsstrategie der USA
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:37 05.10.2021
Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai während der Eröffnungssitzung am ersten Tag des Treffens des Handels- und Technologierates (TTC) zwischen den USA und der EU im Gebäude Hazelwood Green Mill. (Archivbild) Trotz der unverändert harten Linie im Umgang mit China ist die neue Strategie der USA im Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften auf ein erstes positives Echo chinesischer Experten gestoßen.
Die US-Handelsbeauftragte Katherine Tai während der Eröffnungssitzung am ersten Tag des Treffens des Handels- und Technologierates (TTC) zwischen den USA und der EU im Gebäude Hazelwood Green Mill. (Archivbild) Trotz der unverändert harten Linie im Umgang mit China ist die neue Strategie der USA im Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften auf ein erstes positives Echo chinesischer Experten gestoßen. Quelle: Rebecca Droke/AP/dpa
Anzeige
Peking

Trotz der unverändert harten Linie im Umgang mit China ist die neue Strategie der USA im Handelskrieg der beiden größten Volkswirtschaften auf ein erstes positives Echo chinesischer Experten gestoßen.

Die staatliche Zeitung „Global Times“, die der Führung in Peking häufig als englischsprachiges Sprachrohr dient, zitierte am Dienstag Fachleute, die ein „positives Signal“ dafür sähen, dass bald geplante Handelsgespräche konstruktiver verlaufen könnten.

Mehr zum Thema

„Pandora Papers“: Geleakte Papiere enthüllen Geschäfte mit Briefkastenfirmen – Datensatz mit Namen von Hunderten Politikern

Linke Demokraten revoltieren – Bidens Brücken droht der Einsturz

Stromengpässe belasten chinesische Industriebetriebe - Sorge vor Energiekrise

China will Differenzen durch „offenherzige Verhandlungen“ lösen

Die Pläne der US-Handelsbeauftragten Katherine Tai für „freimütige Gespräche“ mit China könnten darauf hindeuten, dass den USA klar geworden sei, dass sie die Handelsspannungen auf pragmatischere Weise lösen müssten, zitierte das Blatt Gao Lingyun von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften. Das stimme mit der Strategie Chinas überein, das immer gesagt habe, dass die Differenzen durch offenherzige Verhandlungen gelöst werden müssten.

Die US-Vorschläge zeigten auch, dass die Strafzölle nicht die geplanten Auswirkungen hätten, sagte Gao Lingyun. Die USA hätten weder Alternativen für chinesische Produkte gefunden noch seien industrielle Ketten gezwungen worden, China zu verlassen. Zölle im bilateralen Handel schädigten Verbraucher und Hersteller in den USA - und seien im Kampf der US-Regierung gegen Inflation nicht hilfreich. Auch habe China seine Verpflichtungen aus der Einigung über die Phase Eins in dem Handelskonflikt vom Januar 2020 „weitgehend erfüllt“.

Wenn China das vereinbarte Ziel, 2020 und 2021 für zusätzlich 200 Milliarden US-Dollar Güter einzukaufen, nicht erfüllen sollte, dann liege es an der Corona-Pandemie, zitierte das Blatt einen anderen Experten. Er warnte auch: „Eine Eskalation der Zwangsmaßnahmen im Handel durch die Biden-Regierung wird eine verschärfte Konfrontation auslösen und für die USA nach hinten losgehen.“

Mehr Ausnahmen von Strafzöllen für US-Wirtschaft

Wegen der laufenden Ferien der „Goldenen Woche“ zum chinesischen Nationalfeiertag gab es zunächst keine offizielle Reaktion auf die Strategie, die die US-Handelsbeauftragte Tai am Vortag in Washington vorgelegt hatte.

Danach wollen die USA vorerst an den gegen China verhängten Strafzöllen festhalten. Allerdings soll es künftig mehr Ausnahmen zugunsten der US-Wirtschaft geben. Tai will zudem sehr bald wieder Gespräche mit Peking aufnehmen, um durchzusetzen, dass sich China an seine Zusagen aus dem Abkommen von 2020 hält.

Mehr zum Thema

Nie wieder Hunger in China: Was der Staat dafür tut, dass alle genug zu essen haben

Wie Chinas Staatsführung auf die Bundestagswahl schaut

USA, Indien, Japan und Australien wollen stärker zusammenarbeiten

Die Handelsbeauftragte äußerte auch Kritik. China verstoße regelmäßig gegen internationale Handelsregeln und fairen Wettbewerb, was der US-Wirtschaft schade. Zudem sei klar, dass Peking keine „bedeutsamen Reformen“ plane, um die Bedenken der USA und der internationalen Gemeinschaft auszuräumen. Die Regierung von Präsident Joe Biden will nach eigenen Angaben insgesamt einen harten Kurs gegenüber Peking beibehalten, aber differenzierter und abgestimmter vorgehen als dies unter seinem Vorgänger Donald Trump der Fall gewesen war.

Handelskrieg schaukelte sich seit 2018 immer weiter hoch

Angefangen hatte der Handelskrieg im Juni 2018, als Trump Strafzölle auf Einfuhren aus China in einem Umfang von 50 Milliarden US-Dollar verhängte. Er wollte das Handelsdefizit mit China senken und warf Peking unfaire Handelsmethoden vor. Der Konflikt schaukelte sich hoch, bis Trump ein Jahr später auf fast alle Importe aus China im Wert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar Strafzölle verhängt hatte. Peking reagierte daraufhin ebenfalls mit neuen Abgaben.

Anfang 2020 kam es zu einer Art Waffenstillstand, mit dem zumindest neue oder höhere Zölle verhindert wurden. Ein Kernpunkt war das Versprechen Chinas, bis Ende 2021 für 200 Milliarden US-Dollar mehr Waren in den USA zu kaufen - vor allem Öl und Gas (50 Milliarden), Industriegüter (80 Milliarden) und Agrar-Produkte (32 Milliarden).

Mehr zum Thema

Agenda gegen Chinas Handels­praktiken: Biden empfängt Kollegen aus Indien, Japan und Australien

Mögliche Sicherheitslücken: BSI untersucht Smartphones aus China

Chinas neue Regeln: Europäische Unternehmen in großer Sorge

Die Handelsbeauftragte Tai sagte, China habe Teile des Abkommens eingehalten, in anderen Bereichen sei dies aber nicht der Fall.

Spitzentreffen in der Schweiz

Der Nationale Sicherheitsberater der USA, Jake Sullivan, werde bis Mittwoch in der Schweiz Gespräche mit dem chinesischen Spitzendiplomaten Yang Jiechi führen, berichtete die „South China Morning Post“ am Dienstag. „Sie wollen die Kommunikationskanäle wiederherstellen und den zwischen den Präsidenten Xi Jinping und Joe Biden erzielten Konsens umsetzen“, hieß es dazu unter Berufung auf einen Regierungsvertreter, der mit den Vorbereitungen für das Treffen vertraut ist. Das chinesische Außenministerium reagierte nicht sofort auf eine Reuters-Anfrage nach einem Kommentar.

Erschwert wird eine Annäherung durch den Konflikt um Taiwan. China beansprucht Taiwan als eigenes Territorium. Die Inselrepublik dagegen sieht sich als unabhängiges Land. In den vergangenen Tagen registrierte Taiwan 148 Flugzeuge der chinesischen Luftwaffe, die in die Luftverteidigungszone der Insel eindrangen.

Auch die Europäer versuchen, ihre Beziehungen zu China zu klären. Die 27 Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union kommen noch am Dienstag in Slowenien zu ihrem ersten Gipfel zur chinesisch-europäischen Strategie seit der Verhängung von Sanktionen gegen Peking zusammen. Gemeinsam mit den USA, Großbritannien und Kanada hatte die EU am 22. März Sanktionen gegen chinesische Beamte wegen Menschenrechtsverletzungen verhängt.

Mehr zum Thema

Reaktion auf Pandora-Papers: Weber fordert europäisches FBI im Kampf gegen Steuer­vergehen

EU-Kommission blockiert weiter Corona-Hilfen für Ungarn - Droht ein neuer Eklat?

EU streicht mehrere Gebiete als Steueroasen

China antwortete darauf mit Sanktionen gegen EU-Abgeordnete, woraufhin das geplante Investitionsabkommen zwischen der EU und China erst einmal auf Eis gelegt wurde. „Die EU hat versucht, eine Konfrontation mit Peking zu vermeiden, aber wir können China nicht länger als gütigen Handelspartner betrachten“, sagte ein EU-Diplomat.

RND/dpa

Der Artikel "Erstes positives Echo in China zur neuen Handelsstrategie der USA" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.