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Politik Empörung über Krebs-Tweet von Jens Spahn – Minister entschuldigt sich
Mehr Welt Politik Empörung über Krebs-Tweet von Jens Spahn – Minister entschuldigt sich
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16:20 05.02.2019
Gesundheitsminister Jens Spahn. Quelle: Bernd von Jutrczenka/dpa
Berlin

Zum Weltkrebstag am Montag hatte sich Gesundheitsminister Jens Spahn erneut zu Krebserkrankungen geäußert. In einem Tweet rief der Minister dazu auf, den „persönlichen Kampf gegen Krebs“ zu beginnen. Und Spahn machte auch konkrete Vorschläge, wie dieser Einsatz aussehen soll: „So: Nicht (mehr) rauchen, sich mehr bewegen, gesund ernähren und die Haut vor UV-Strahlung schützen (Sonnencreme)!“, schrieb er in dem sozialen Netzwerk.

Ein Minister als persönlicher Gesundheitsberater? Die Reaktionen auf Spahns Ratschläge ließen nicht lange auf sich warten: Auf Twitter gingen unzählige Nutzerinnen und Nutzer hart mit Spahn ins Gericht. Äußerungen wie der Tweet des Ministers seien „eine absolute Frechheit“, hieß es da etwa – und das waren noch die mildesten Reaktionen. Auch Betroffene reagierten mit Empörung.

Die Vorgeschichte

Vorangegangen war Spahns Twitter-Äußerung ein Interview, im dem der Gesundheitsminister Fortschritte bei der Krebserkennung und -prävention betonte. „Es gibt gute Chancen, dass wir in zehn bis 20 Jahren den Krebs besiegt haben“, sagte Spahn der „Rheinischen Post“. Nachdem Kritik an dieser Prognose laut wurde, verteidigte der Minister seine Äußerungen noch. „Wir wollen den Krebs besiegen, indem wir ihn beherrschen. Das wird nicht leicht. Aber gerade deshalb müssen wir es mutig und ambitioniert versuchen“, sagte er der „Rhein-Neckar-Zeitung“. Er verwies darauf, dass Vorsorge, Früherkennung, Therapie und Forschung große Fortschritte machten.

Spahn zog auch Parallelen zum Kampf gegen Aids: „Wer hätte vor 30 Jahren gedacht, dass die Lebenserwartung mit einer gut behandelten HIV-Infektion so hoch sein kann wie ohne Infektion?“ Dank erfolgreicher Präventionsarbeit gehört Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten weltweit. „Das gibt doch Zuversicht, dass wir einen Unterschied machen können.“

Die Expertenmeinungen

Experten äußerten erhebliche Zweifel an Spahns Prognose. Sie warnten davor, falsche Hoffnungen zu wecken. Etwa 500.000 Krebsneuerkrankungen werden in Deutschland derzeit jedes Jahr registriert. Das Erkrankungsrisiko nimmt bei vielen Krebsarten mit zunehmendem Alter zu – damit steigen in der älter werdenden Gesellschaft Deutschlands die Fallzahlen. Experten gehen von einer Zunahme auf bis zu 600.000 pro Jahr bis 2030 aus, wie es beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) heißt.

Die Krebsmedizin hat in den vergangenen Jahrzehnten beträchtliche Erfolge verbucht. Doch noch immer ist Krebs nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache in Deutschland. Bei einigen Krebsarten wie Bauchspeicheldrüsenkrebs sind die Heilungsaussichten unvermindert gering.

Lesen Sie hier einen Faktencheck zum Thema: Kann man den Krebs in 10 bis 20 Jahren besiegen?

Die Twitter-Debatte

Spahns Tweet am Weltkrebstag sorgte im Netz für viel Ärger. Nutzerinnen und Nutzer warfen dem Gesundheitsminister beispielsweise vor, er würde eine komplexe und gefährliche Krankheit auf simple Tipps herunterbrechen. Auch Fälle, in denen Prävention nicht weiterhalf, wurden genannt.

Hier sehen Sie einige Reaktionen:

Die Entschuldigung des Ministers

Spahn reagierte auf die anhaltende Kritik und entschuldigte sich am Dienstag in einem Tweet für seine Äußerung. Es tue ihm leid, wenn sein Tweet „missverständlich“ war, schrieb er. „Nichts liegt mir ferner als den Erkrankten eine Mitschuld zu geben oder Krebs zu verharmlosen.“ Im Gegenteil solle versucht werden, durch Prävention, Früherkennung und bessere Therapien „schweres Leid zu vermindern“.

Von RND/jw/dpa

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