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Politik Eine Atempause auf dem Weg ins Weiße Haus
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10:24 02.12.2012
Von Stefan Koch
Washington

Müde oder gar amtsmüde wirkt diese Frau nicht. Mit eiligen Schritten und einem freundlichen Lächeln betritt die Außenministerin den Raum, blickt sich kurz um und nimmt zunächst am Rand des Podiums Platz. Ihre schlicht-praktische Kleidung - blaues Sakko, schwarze Hose, Spangenschuhe - und die auf die Schnelle zusammengeknoteten Haare unterstreichen ihre Geschäftigkeit. An diesem Nachmittag hat sich Hillary Clinton im Brookings Institut an der Massachusetts Avenue in Washington mit einigen Fachleuten verabredet, die sich intensiv mit Europa beschäftigen. Sie will die neue Asien-Strategie der Obama-Administration im Detail erläutern und zugleich den Kennern des Alten Kontinents versichern, dass die transatlantischen Beziehungen die stabilste Achse Washingtons sind und bleiben.

Eigentlich ein unspektakulärer Standardtermin, zumal nur eine Handvoll Gäste beisammen sitzen. Doch Clinton, die für ihre eiserne Disziplin bekannt ist, nimmt auch diese Begegnung ernst. In aller Ausführlichkeit beschreibt sie das gemeinsame Wertefundament, das die US-Amerikaner und Europäer zu ganz speziellen Partnern auf dem internationalen Parkett machen würde, und lässt nebenbei fallen, dass sie in ihrer Amtszeit 38 Mal die EU-Staaten besuchte. Nicht immer seien es glanzvolle Auftritte gewesen, sagt sie. Aber nach der Ära von George W. Bush sei es oberste Priorität gewesen, das Vertrauen wiederherzustellen. Der gemeinsame Afghanistan-Einsatz, die enge Abstimmung während der Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 und nicht zuletzt der Krieg gegen das Gaddafi-Regime in Libyen hätten aller Welt vor Augen geführt, dass die Transatlantiker weiterhin ein besonderes Gewicht in der Weltpolitik entwickeln können.

Das gleiche gelte mit Blick auf die neue pazifische Ausrichtung. Es gehe nicht darum, Europa aus den Augen zu verlieren, sondern - ganz im Gegenteil - gemeinsam mit den Partnern ein stärkeres Engagement rund um das Südchinesische Meer aufzubauen.

Die Politikerin ist bei diesem Thema ganz in ihrem Element. Sie spricht die Gäste ganz direkt an, pocht mit den Fingern bestimmend auf ihre Unterlagen und beschreibt mit ausgebreiteten Armen den politischen Raum. Ihre Botschaft, die sie unausgesprochen durchblicken lässt, ist offensichtlich: Hier legt sich eine Politikerin ins Zeug, die sich in wenigen Wochen aus dem State Department verabschiedet - um noch andere, größere Aufgaben in Angriff zu nehmen.

Es ist ein Kuriosum: Obwohl Präsident Barack Obama die Bühne für sich beansprucht, wenn es um große außenpolitische Richtlinien geht, ist die Außenministerin zurzeit die beliebteste Politikerin der Vereinigten Staaten von Amerika. Die "New York Times" bescheinigt ihr gar die Qualitäten eines "Rockstars".

Ein ähnliches Phänomen war bereits während ihrer ersten, inoffiziellen, Amtszeit zu beobachten: Als First Lady wurde sie von ihrem Ehemann Bill belogen und betrogen, und zugleich schossen ihre Popularitätswerte in die Höhe.

Damals wie heute begehrt sie nicht auf - weder gegen den Ehemann noch gegen den Amtsinhaber. Trotz aller Unstimmigkeiten bleibt sie demonstrativ loyal. Bei ihrem privaten Ärger, der vor 14 Jahren die ganze Nation fesselte, ging es für sie mehr um Stilfragen. An Obamas Seite ist es dagegen die pure Machtpolitik: Obwohl es Frau Clinton war, die den zunächst zögerlichen Präsidenten zum Kriegseinsatz gegen Libyen drängen musste, stahl sie ihm nach dem Sieg über die Diktatur in Nordafrika nicht die Show. Andererseits ist es ihre Aufgabe, regelmäßig den politischen Ärger aus dem Weg zu räumen, wenn zum Beispiel in Pakistan mal wieder eine US-Drohne unschuldige Zivilisten versehentlich tötete. Halb spöttisch, halb respektvoll spricht man in Washington mit Blick auf Clinton denn auch von der "Trümmerfrau".

Mit einem bemerkenswerten Einsatz sorgt sie nach einer Dekade des Krieges für einen neuen Kurs in der amerikanischen Außenpolitik, der möglichst beständig und berechenbar erscheinen soll. Sie besuchte mehr Staaten rund um den Globus und verbrachte mehr Tage auf Reisen als ihre Amtsvorgänger. Und während sich Obama auf die großen Auftritte in Kairo, Prag und Australien beschränkte, eilte sie durch afrikanische Regionen, die niemals zuvor einen so hochkarätigen Besuch aus Washington erhielten.

Eigentlich sollte die jüngste Südostasienreise gemeinsam mit dem Präsidenten ihre Abschiedstour werden. Doch mittendrin wurde sie wie selbstverständlich in den Nahen Osten umdirigiert, um mal so eben einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen auszuhandeln. Auch das gelang ihr - ohne großen Trommelwirbel.

Doch wozu all die Kärrnerarbeit, wenn letztlich der Chef im Weißen Haus die Lorbeeren einstreicht?

Immer wieder weist es Clinton von sich, dass sie 2016 noch einmal für das Präsidentenamt kandidieren will. Sie spricht gelegentlich davon, endlich mehr Zeit zum Lesen und Spazierengehen haben zu wollen. Auch wünsche sie sich sehnlichst ein Enkelkind von ihrer Tochter.

Doch so recht mag man es der ehrgeizigen Frau nicht abnehmen, dass diese Flucht ins Private ernst gemeint sein könnte. Unter den Strategen der Demokratischen Partei heißt es, die Gouverneure von New York und von Maryland würden sich für das Kandidatenrennen in vier Jahren warm laufen. Auch dem Vizepräsidenten Joe Biden werden Ambitionen nachgesagt.

Doch viele Profis in Washington winken ab. Der beste Wahlkämpfer der Demokraten, das hätten nicht zuletzt die Präsidentschaftswahlen 2012 gezeigt, sei Bill Clinton. Und wenn der frühere Commander-in-Chief von seiner Ehefrau gebeten würde, ihr ebenso im Wahlkampf zur Seite zu stehen, wie er es für Obama getan hatte, dann seien alle Mitbewerber chancenlos.

Eine andere These an den politischen Stammtischen in Washington lautet: Die treibende Kraft sei weniger Hillary als vielmehr Bill Clinton, der es nicht verwunden habe, dass Obama seine Ehefrau vor vier Jahren aus dem Rennen warf. Seine Kalkulation lautet: Wenn sie zum zweiten Mal Anlauf in Richtung Weißes Haus nimmt, benötige sie Geld. Viel Geld. Und mit dem Spendensammeln könne gar nicht früh genug begonnen werden.

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