Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Ein heißes Jahrzehnt geht zu Ende
Mehr Welt Politik Ein heißes Jahrzehnt geht zu Ende
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:28 21.12.2009
Von Margit Kautenburger
Rekordsturm: Schwere Schäden nach „Kyrill“ im Januar 2007. Quelle: Surrey
Anzeige

Klimawandel – welcher Klimawandel? mögen viele angesichts der kühlen Temperaturen denken. Doch weder eine Hitzeperiode sagt etwas über die langfristige Klimaentwicklung aus noch einige Tage mit Minusgraden. Der Trend im zu Ende gehenden Jahrzehnt ist nach Angaben der Meteorologen eindeutig: Die Jahre 2000 bis 2009 waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Deutschland vor 130 Jahren. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) errechnete eine Durchschnittstemperatur von 9,4 Grad Celsius – sie liegt deutlich über dem langfristigen Mittelwert von 8,2 Grad.

Selbst 2004, im kältesten Jahr des Jahrzehnts, hat demzufolge die Durchschnittstemperatur mit 9 Grad noch über dem langfristigen Mittelwert gelegen. 2000 und 2007 waren mit jeweils 9,9 Grad die wärmsten Jahre.

Anzeige

Diese Daten mögen manchen verwirren, der die Klimadebatte verfolgt hat. Verkündeten die Forscher nicht erst kürzlich, in den vergangenen zehn Jahren sei es überhaupt nicht wärmer geworden? Das sei kein Widerspruch zu der Bilanz des Deutschen Wetterdienstes, erklärt Klimaforscher Mojib Latif vom Institut für Meereswissenschaften an der Universität Kiel. „Es ist in diesem Zeitraum tatsächlich nicht wärmer geworden, aber wir bewegen uns auf einem insgesamt hohen Temperaturniveau“, sagt Latif. Nach seinen Modellen hält die Pause beim Temperaturanstieg, die auf zyklische Schwankungen von Meeresströmungen zurückzuführen sei, noch bis 2015 an.

Nach den Aufzeichnungen der Wetterfrösche geht das Jahr 2009, das bereits frostig begonnen hat und auch wieder kalt ausläuft, als viertkühlstes Jahr in die Statistik ein. Mit 9,2 Grad war es etwas kühler als der Mittelwert des Jahrzehnts mit 9,4 Grad, aber wärmer als das langjährige Mittel. Wetterrekorde registrierten die Meteorologen in allen Jahreszeiten. So ragt der Supersommer 2003 in der Statistik heraus. Mit einer Durchschnittstemperatur von 19,7 Grad überbot er den Spitzenreiter aus dem Jahr 1947 um 1,2 Grad. Auch bei den absoluten Temperaturen brach das Jahr 2003 Rekorde: 40,2 Grad wurden am 9. August in Freiburg sowie am 13. August in Freiburg und Karlsruhe gemessen. Den wärmsten Herbst gab es mit 12 Grad 2006. Den wärmsten Winter ermittelte der DWD 2006/07 mit durchschnittlich 4,4 Grad. Kein Winter war je so warm. Im Frühling gab es in der vergangenen Dekade zwei mal Spitzenwerte: Zunächst 2000 mit 10 Grad, dann brachte der Frühling 2007 mit 10,6 Grad den nächsten Rekord.

Rekordverdächtig waren auch die Niederschlagsmengen mit durchschnittlich 827 Litern pro Quadratmeter und Jahr. Unter den Sturmereignissen stach das Orkantief Kyrill am 18. und 19. Januar 2007 heraus. Eine Zunahme schwerer Stürme lässt sich nach Ansicht der Wetterexperten allerdings nicht feststellen.

Alexander Dahl 21.12.2009
21.12.2009
Reinhard Urschel 21.12.2009