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Politik Ein Satz über Philipp Rösler sorgt für Empörung
Mehr Welt Politik Ein Satz über Philipp Rösler sorgt für Empörung
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21:04 07.02.2013
"Asiatisch aussehender Vizekanzler": Jörg-Uwe Hahn stellt die Akzeptanz von FDP-Chef Philipp Rösler infrage. Quelle: dpa
Wiesbaden

„Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren“, sagte der hessische Vizeministerpräsident in einem Interview mit der „Frankfurter Neuen Presse“.

Nun sieht er sich dem Vorwurf des Rassismus ausgesetzt. Die SPD im hessischen Landtag bescheinigte Hahn, der Justiz- und Integrationsminister ist, „offenbar rassistische Tendenzen“. Die Grünen warfen dem FDP-Mann mangelnde Sensibilität vor, die Linke einen „Griff in die allerunterste Schublade des politischen Machtkampfes“. In der Führungsdebatte zählte Hahn nicht immer zu den Rösler-Freunden – er ist aber bislang auch nicht als Rösler-Gegner aufgefallen. Kritiker unterstellen Hahn jetzt eine subtile Attacke, die darauf abzielt, Rösler wegen seiner Herkunft abzuwerten.

Der FDP-Chef und Bundeswirtschaftsminister wurde 1973 in Vietnam geboren. Im Alter von neun Monaten wurde er aus einem Waisenhaus nach Niedersachsen geholt. Seine leiblichen Eltern sind unbekannt und im Krieg verschollen.

Hahn fühlt sich missverstanden und weist die Anschuldigungen zurück. „Meine Äußerung ist keinesfalls ein Angriff auf Philipp Rösler“, beteuerte er. Er habe keine Zweifel an Röslers Kompetenz, erklärte er am Abend. Vielmehr habe er darauf hinweisen wollen, dass es in der Gesellschaft einen weitverbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gebe. „Dieses gesellschaftliche Problem darf man nicht totschweigen, sondern muss es offen ansprechen, um es zu bekämpfen“, betonte Hahn. „Wer in meine Äußerung etwas anderes als dies hineinliest, versteht mich falsch.“

Vom hessischen Landesausländerrat bekam Hahn jedenfalls ausdrückliches Lob. Der Minister habe kritisieren wollen, dass es von der Mehrheitsgesellschaft noch nicht akzeptiert sei, dass ein Bürger mit Migrationshintergrund eine Führungsposition innehabe, sagte der Vorsitzende Corrado di Benedetto der Agentur dapd. „Ich bin Herrn Hahn ausdrücklich sehr dankbar, dass er den Mut hatte, dies so offen auszusprechen“, fügte di Benedetto hinzu.

Rösler selbst schwieg gestern. Er fühle sich als Niedersachse, und stehe auch nicht morgens vor dem Spiegel und denke über sein Aussehen nach, sagt er gern. „Wenn das Erste, woran Sie sich erinnern können, der Kindergarten in Hamburg-Harburg ist, stellt sich die Frage nach Integration nicht.“ Und er hat einmal erzählt, dass ihn seine Mitschüler früher oft gefragt hätten, ob er Kung-Fu könne. Kann er aber nicht.

Der umstrittene Auszug aus dem Interview der „Frankfurter Neuen Presse“ im Wortlaut:

Frage: Wie soll die Zugkraft der Partei aber entstehen, wenn es mit Brüderle als Spitzenkandidaten und Rösler als Vorsitzenden zwei Personen gibt, die sich nicht sonderlich verstehen?

Hahn: Indem sie sich zusammenraufen und das gemeinsam machen.

Frage: Ist die Debatte um Rösler also beendet?

Hahn: Ja. Wir werden sicherlich noch eine kleine Personaldebatte bekommen über die Frage der Besetzung des FDP-Präsidiums auf Bundesebene auf dem Sonderparteitag Anfang März. Also, ob Herr Niebel und Herr Kubicki etwa noch mal eine Rolle spielen. Bei Philipp Rösler würde ich allerdings gerne wissen, ob unsere Gesellschaft schon so weit ist, einen asiatisch aussehenden Vizekanzler auch noch länger zu akzeptieren.“

In einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung schreibt Hahn: „Meine Äußerung ist keinesfalls ein Angriff auf Philipp Rösler. An seiner Kompetenz als Vizekanzler und Parteivorsitzender habe ich keine Zweifel. Ich habe darauf hinweisen wollen, dass es in unserer Gesellschaft einen weitverbreiteten, oft unterschwelligen Rassismus gibt. Dieses gesellschaftliche Problem darf man nicht totschweigen, sondern muss es offen ansprechen, um es zu bekämpfen.“

Arnold Petersen

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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