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Politik Ein Jahr Corona-Warn-App: Wie sieht die Bilanz aus?
Mehr Welt Politik Ein Jahr Corona-Warn-App: Wie sieht die Bilanz aus?
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06:52 16.06.2021
Die Corona-Warn-App. Seit fast einem Jahr gibt es sie nun schon.
Die Corona-Warn-App. Seit fast einem Jahr gibt es sie nun schon. Quelle: imago images/Rüdiger Wölk
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Berlin

Die Corona-Warn-App (CWA) des Bundes steht nun seit einem Jahr zum Download bereit: Am 16. Juni 2020 ist sie in den App-Stores von Apple und Google veröffentlicht worden. Mehr als 28,3 Millionen Mal wurde die CWA inzwischen heruntergeladen. Mit der App verfolgte die Bundesregierung gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut (RKI) das Ziel, Kontaktverfolgung zu ermöglichen und Infektionsketten zu unterbrechen.

„Laden Sie die kostenlose App herunter und nutzen Sie sie“, sagte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) im Juni 2020. In den darauffolgenden Monaten blieb es jedoch nicht immer bei Lobpreisungen: „Die App ist leider bisher ein zahnloser Tiger. Sie hat kaum eine warnende Wirkung“, kritisierte etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU).

Zudem stand des Öfteren die Frage nach dem Datenschutz in der Diskussion – die Kritik lautete entweder, dass die Daten der Nutzer nicht ausreichend geschützt sind oder dass die Kontaktnachverfolgung mit anonymisierten Nutzerdaten unmöglich sei. Als wie nützlich wird die App heute eingeschätzt? Die Bilanz nach einem Jahr.

Wird die App noch genutzt?

Laut RKI haben Nutzer der App bereits mehr als 15,7 Millionen Corona-Testergebnisse übermittelt. In einem Diagramm zeigt das RKI, dass die Anzahl der Meldungen seit einem Jahr kontinuierlich steigt. Dass das Vertrauen in die App wächst, zeigt auch eine repräsentative Umfrage des Digitalverbandes Bitkom: Demnach könnten sich immer mehr Menschen in Deutschland (72 Prozent der Befragten) vorstellen, der Anwendung ein positives Testergebnis anzuvertrauen.

Im Januar 2021 zeigten noch 62 Prozent der Befragten ihre Bereitschaft hierzu. 33 Prozent der Anwender hätten wiederum zum Jahresbeginn eingeräumt, eine eigene Infektion in der App nicht zu melden. Dieser Anteil sank nun auf 22 Prozent.

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Was kann die App?

Seit ihrer Veröffentlichung ist die App mehrfach um Funktionen ergänzt worden – somit dient sie nicht mehr lediglich der Kontaktnachverfolgung. Die neuste Version 2.3 wurde am 10. Juni veröffentlicht, in der Nutzer ihre Impfzertifikate hinzufügen können. Eine Registrierung für Events und private Treffen über einen QR-Code ist heute möglich, zudem können die Ergebnisse von Schnelltests mittlerweile eingetragen werden.

Wie wirksam ist die App?

Bei der Warn-App handelt es sich laut Bundesgesundheitsministerium „um eine neue und bisher nicht wissenschaftlich untersuchte technische Lösung“. Aus diesem Grund veröffentlichte es zum Jahrestag der App Ergebnisse einer Evaluation. Zum einen stand dabei die Wirksamkeit der App im Mittelpunkt.

Als wirksam schätzt das Ministerium die CWA unter anderem ein, wenn Menschen über Risikobegegnungen informiert werden, die bei der analogen Kontaktnachverfolgung nicht identifiziert worden wären. Aufgrund des anonymen Ansatzes der App sei die Wirksamkeit jedoch nur eingeschränkt ermittelbar.

Aufgrund der Anonymität spielt die Warn-App für die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern etwa keine Rolle, wie Ute Teichert erläutert, Vorstandsvorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD).

„Die Anwendung ist nicht dafür konzipiert, die Ämter zu entlasten“, sagt Teichert im Gespräch mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Vielmehr sei die CWA als System gedacht, das neben den Gesundheitsämtern besteht. „Ich würde es begrüßen, wenn wir in den Ämtern Unterstützung durch ein digitales System bekommen würden, das die Daten von Kontaktpersonen digital einspielt“, sagt Teichert darüber hinaus.

Welche Daten konnten zur Wirksamkeit erhoben werden?

Das Bundesgesundheitsministerium führt zwei Datenerhebungen auf, die trotz des anonymen Ansatzes der CWA gelungen sind: zum einen eine Datenspende, wobei es sich um eine Funktion der App handelt, die durch das Release 1.13 vom 4. März 2021 ermöglicht wurde.

Seitdem können Nutzer unter Bewahrung der Privatsphäre epidemiologisch relevante Daten spenden, unter anderem zur Risikoberechnung oder zu Testergebnissen. Hier wurde laut Ministerium ersichtlich, dass ein Nutzer, der sein positives Testergebnis teilt, fünf bis zehn andere Nutzer warnt.

Zudem sind die Ergebnisse der Onlinebefragung EDUS nun öffentlich, an der 26.094 Menschen teilnahmen. Die meisten Befragten hatten während der vergangenen 14 Tage die Risikoermittlung durchgängig (87,9 Prozent) aktiviert. Etwa zwei Drittel der Befragten gaben an, dass sie von der Warnung über einen riskanten Kontakt überrascht wurden. Die Frage, ob man daraufhin einen Corona-Test machen wird, beantworteten 65,1 Prozent mit „Ja“.

Wie kann die Corona-Warn-App ihren Nutzen steigern?

Je mehr Menschen die App nutzen, desto mehr steigt der Nutzen, heißt es seitens des Bundesgesundheitsministeriums. Seit Veröffentlichung der App erforschten zudem Wissenschaftler unterschiedlicher Universitäten, welche Faktoren zu der Eignung beitragen.

Seitens eines Forschungsteams der Universität Göttingen heißt es beispielsweise, es sei wichtig, eine App zu präsentieren, die von der breiten, heterogenen Masse der Bevölkerung angenommen wird. „Wenn dies nicht gelingt, wird das Vorhaben scheitern. Massenakzeptanz wird somit zur zentralen Designanforderung für Entscheidungsträger bei dieser neuartigen Klasse von mobilen Apps“, so Simon Trang, Juniorprofessor für Informationssicherheit.

Von Anja Semonjek/RND

Der Artikel "Ein Jahr Corona-Warn-App: Wie sieht die Bilanz aus?" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.