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Politik Ehemaliger irakischer Außenminister zum Tode verurteilt
Mehr Welt Politik Ehemaliger irakischer Außenminister zum Tode verurteilt
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19:39 26.10.2010
Ex-Außenminister Tarik Asis wurde am Dienstag von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt.
Ex-Außenminister Tarik Asis wurde am Dienstag von einem irakischen Gericht zum Tode verurteilt. Quelle: dpa
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Tarik Asis gehörte in der Ära von Saddam Hussein zu den wenigen Politikern, die nicht durch Skrupellosigkeit und Brutalität in den engsten Zirkel der Macht gelangt waren. Er war aus anderen Gründen nützlich für den Diktator. Der chaldäische Christ, der aus einem Dorf in der Nähe von Mossul stammt, hatte gute Manieren, war wortgewandt und sprach ein gepflegtes Englisch. So einen Mann konnte der aus einfachen Verhältnissen stammende Diktator gut gebrauchen, um mit dem Ausland zu kommunizieren. Außerdem würde Asis als Angehöriger einer religiösen Minderheit nicht auf die Idee kommen, an Saddams Stuhl zu sägen. Deshalb beförderte ihn Saddam.

Asis wurde Vize-Ministerpräsident und Außenminister. Er blieb immer loyal. Selbst nach dem Einmarsch der Amerikaner distanzierte er sich nicht von seinem früheren Chef. Während der insgesamt vier Prozesse, in denen er vor dem Sondertribunal angeklagt war, bemühte sich der inzwischen stark gealterte Asis immer um Haltung. Er beteuerte seine Unschuld. Reue zeigte der heute 74-Jährige nie.

Für seinen Sohn, Ziad Asis, ist das am Dienstag verhängte Todesurteil ein „politisches Urteil“ - diktiert von den neuen schiitischen Machthabern, die schon vor 20 Jahren versucht hatten, seinen Vater zu töten. Der Sohn, der inzwischen in Jordanien lebt, hält seinen Vater für das Opfer einer Siegerjustiz, die ihn um jeden Preis an den Galgen bringen will. Dass das Urteil in dem jüngsten Prozess jetzt relativ schnell gefällt wurde, macht ihn zusätzlich misstrauisch.

Auch einige Verschwörungstheoretiker in Bagdad vermuten, dass das Sondertribunal den Fall jetzt rasch abschließen wollte, weil Ministerpräsident Nuri al-Maliki möglicherweise bald abtreten muss. Al-Maliki gehört der Dawa-Partei an, deren Mitglieder von Saddams Regime zwei Jahrzehnte lang ohne Gnade verfolgt worden waren.

Bei der Parlamentswahl im vergangenen März hatte er nicht genügend Stimmen erhalten, um eine neue Regierung zu bilden. Er ist in den vergangenen Tagen zudem unter Druck geraten, nachdem die Internet- Plattform Wikileaks Geheimdokumente der US-Armee veröffentlicht hatte. Aus einigen dieser Dokumente geht hervor, dass auch die ihm unterstehenden irakischen Sicherheitskräfte Verdächtige folterten und in Haft töteten.

Die Dawa-Partei wollte sich nach der Urteilsverkündung zunächst am liebsten gar nicht äußern. Dann erklärt ein Sprecher schließlich auf Anfrage, die Partei habe zu keiner Zeit versucht, das Gericht zu beeinflussen. „Ich gehe davon aus, dass das Gericht gegen jeden ein gerechtes Urteil verhängt, der Verbrechen gegen das irakische Volk begangen hat“, sagt der Dawa-Abgeordnete Kamal al-Saadi. Nichts wissen will er auch von der Theorie, wonach die Regierung auf eine Beschleunigung der Verurteilung gedrungen habe. Demnach ging es darum, ein neues Thema auf die Titelseiten zu bringen, das die Diskussion über die Wikileaks-Enthüllungen beenden soll.

dpa