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Politik Dutzende westliche Geiseln sterben bei Luftangriff
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16:19 17.01.2013
Algier/Paris

Die algerischen Streitkräfte haben einen Angriff gegen die islamistischen Geiselnehmer auf einem Gasfeld im Süden des Landes gestartet und offenbar ein Blutbad angerichtet. Über die Zahl der Opfer gibt es allerdings verwirrende Berichte. Die Nachrichtenagentur Reuters erfuhr von einem lokalen Informanten, sechs ausländische Geiseln und acht Islamisten seien getötet worden. 180 algerische Geiseln sollen entkommen sein.

Von 34 getöteten Geiseln und 15 getöteten Islamisten berichtete die mauretanische Nachrichtenagentur ANI, die enge Kontakte zu den Geiselnehmern hat. Später meldete die Agentur unter Berufung auf einen der Kidnapper, sieben ausländische Geiseln seien noch am Leben. Die algerische Nachrichtenagentur APS meldete, vier Ausländer seien bei der Militäraktion befreit worden. In algerischen Sicherheitskreisen hieß es zuvor, 25 ausländische Geiseln seien den Islamisten entkommen.

Die Soldaten eröffneten den Angaben zufolge das Feuer, als die Geiselnehmer versuchten, das Gelände zu verlassen. Regierungstruppen blockierten den Fluchtweg der Extremisten und kesselten sie ein, wie Innenminister Daho Ould Kabila sagte.

Zuvor war aus Sicherheitskreisen verlautet, mindestens 20 der ausländischen Geiseln sei die Flucht gelungen. Unter den Entkommenen seien US-Bürger und Europäer, sagte ein Vertreter der algerischen Sicherheitskräfte. Überdies waren am Morgen 30 Algerier ihren bewaffneten Entführern entkommen.

Islamisten hatten am Mittwochabend nach eigenen Angaben 41 Ausländer auf einem Erdgasfeld in der Sahara in ihre Gewalt gebracht. Nach algerischen Regierungsangaben hatten 20 schwer bewaffnete Angreifer in drei gepanzerten Fahrzeugen am Mittwoch zunächst einen Bus mit Mitarbeitern der Gasanlage attackiert, der auf dem Weg zum nahegelegenen Flughafen war. Mindestens zwei Menschen wurden getötet. Unter den Geiseln waren unter anderem Amerikaner, Norweger, Briten, Iren, Japaner sowie ein Österreicher.  

Extremisten drohen mit globalisiertem Konflikt  

Zu dem Angriff bekannte sich laut einem Bericht von NIA die dem Terrornetzwerk Al-Kaida nahestehende "Maskierte Brigade" des einäugigen Extremistenführers Moktar Belmoktar.  "Wir werden alle Geiseln töten, sollte die algerische Armee versuchen, sie mit Gewalt zu befreien", hatte ein Sprecher der Terroristen der Nachrichtenagentur ANI gesagt. Hinter der Geiselnahme steht nach algerischen Angaben die Organisation Al-Kaida im islamischen Maghreb (AQMI). Die Geiselnehmer fordern ein Ende des französischen Einsatzes in Mali. Zuvor hatte Algerien der französischen Luftwaffe für ihren Kampf gegen die Rebellen im benachbarten Mali Überflugrechte gewährt und sich damit den Zorn der Islamisten zugezogen.

"Die Vereinten Nationen haben grünes Licht für diese Intervention gegeben, und alle westlichen Länder werden den Preis dafür zahlen", sagte ein Vertrauter Belmoktars der Nachrichtenagentur AP. "Jetzt tragen wir unseren Konflikt in die Welt hinaus."

Der Erdgaskomplex Ain Amenas, auf dem sich das Geiseldrama abspielt, liegt 1.300 Kilometer südlich der Hauptstadt Algier in der Weite der Sahara. Der britische Ölkonzern BP betreibt das Gasfeld zusammen mit dem norwegischen Energiekonzern Statoil und dem algerischen Staatsunternehmen Sonatrach. Die japanische Firma JGC Group ist als Dienstleister vor Ort.

Algerien ist das größte Land auf dem afrikanischen Kontinent und gilt als Verbündeter der USA und Frankreichs im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Die Beziehungen zwischen Algier und Paris sind allerdings belastet durch die jahrzehntelangen Spannungen mit der früheren Kolonialmacht und den blutigen Unabhängigkeitskrieg vor 1950 Jahren

In Algerien sind seit langem außerdem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land. Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150.000 Menschen getötet worden sein. Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort. Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

dpa/dapd/frs

Dieser Artikel wurde erneut aktualisiert.

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