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Politik Trump stellt den Journalismus auf die Probe
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20:35 19.01.2019
US-Präsident Donald Trump stellt den Journalismus vor neue Herausforderungen. Quelle: Jacquelyn Martin/AP
Washington

Seit dieser Woche gibt es für den 45. Präsidenten einen neuen Spitznamen: Burger King. Donald Trump hatte das Football-Team „Clemson Tigers“ in das Weiße Haus eingeladen, die gerade die Hochschulmeisterschaften gewonnen hatten, und die Sportler ausschließlich mit Cheeseburgern und Pommes Frites bewirten lassen.

Das eigenwillige Festbankett nutzte Trump als willkommene Gelegenheit, um seinen lässigen Umgang mit dem gegenwärtigen Verwaltungsstillstand zu demonstrieren: „Seht her, wir greifen zu Fast Food, da unsere Küche wegen des ‚government shutdown‘ gerade geschlossen ist“, erzählte Trump den jungen Gästen.

Die Bilder, die Trump vor dem Cheeseburger-Berg zeigen, gingen um die Welt - und stellten die Korrespondenten einmal mehr vor ein Dilemma: Die Marketing-Aktion des Präsidenten drängte an diesem Tag in die Schlagzeilen und lenkte von anderen politischen Debatten ab.

Nicht viel anders ergeht es den Journalisten mit den Twitter-Tiraden, die Trump regelmäßig frühmorgens und spätabends abfeuert.

Donald Trump: Meister der Ablenkung

Die unzähligen Angriffe, Beleidigungen und überraschenden Kurskorrekturen lassen oftmals keine andere Wahl, als die Planung über den Haufen zu werfen und die Themen auf die jüngsten Aussagen des 72-Jährigen auszurichten - ahnend, dass es sich möglicherweise nur um Ablenkungsmanöver oder um den schlichten Versuch handelt, mit aller Macht den öffentlichen Diskurs zu dominieren.

Fest steht: Mit seinen unorthodoxen und provokativen Aussagen gewann Trump in den vergangenen Jahren eine unerwartete Medienpräsenz. Nachrichtensender wie CNN gestanden im Wahlkampf freimütig eine Art unheilige Allianz ein: Der Populist mag fragwürdige Thesen aufstellen, aber sie sichern dem Sender hohe Einschaltquoten.

Nicht viel anders verhält es sich mit den persönlichen Auseinandersetzungen vor laufenden Kameras: Trump löste eine breite Debatte über den Zustand der Pressefreiheit in den Vereinigten Staaten aus, als er dem CNN-Frontmann Jim Acosta im August in einer turbulenten Pressekonferenz das Wort entzog und später - kurzzeitig - aus dem Weißen Haus verbannte.

Donald Trump lässt den CNN-Journalisten Jim Acosta aus einer Pressekonferenz werfen. Quelle: Evan Vucci/AP

Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet, aber neben einhelliger Kritik am Präsident steht unter den Korrespondenten bis heute die Frage im Raum, ob es im Kampf um die öffentliche Aufmerksamkeit vielleicht auf beiden Seiten ein Interesse an dieser Eskalation gab.

Trump: Medien sind der Volksfeind

Kollegen, die ausschließlich investigativ arbeiten, können sich über die gegenwärtigen Arbeitsbedingungen jedenfalls nicht beklagen: Trump mag auf seinen Wahlkampftouren die unabhängigen Medien als Volksfeinde und Lügenpresse verunglimpfen und beleidigen, aber die Bereitschaft seiner Administration, unter der Hand Informationen aus dem Innenleben der Macht weiterzugeben, ist ungebrochen.

So bestätigt auch David Fahrenholdt von der Washington Post, der ausschließlich investigativ arbeitet: „Wir sind diversen Interessenkonflikten zwischen dem Präsidentenamt und den privaten Geschäftsinteressen von Donald Trump auf der Spur.“

So berichtete Fahrenholdt gerade erst über die Seltsamkeit, dass die Führungsmannschaft der Deutschen Telekom-Tochter T-Mobile mehrere zehntausend Dollar für Übernachtungen im Washingtoner Trump-Hotel ausgegeben hat - ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als sie sich um die Genehmigung ihrer geplanten Fusion mit dem Mitbewerber Sprint bemühte.

„Jetzt liegt es an uns, wie wir damit umgehen“

Das eindrücklichste Beispiel für den Journalismus in der Trump-Ägide liefert aber sicherlich die Reporterlegende Bob Woodward. Der 75-Jährige, der in den siebziger Jahren den Watergate-Skandal mit aufdeckte, besann sich auf alte Journalistentugenden und besuchte diverse Mitarbeiter des Weißen Hauses nach Feierabend daheim.

Im persönlichen Gespräch entlockte Woodward den hochkarätigen Regierungsangestellten unzählige pikante Details über Trumps Führungsstil, die schließlich in den Bestseller „Fear - Trump in the White House“ mündeten. „Trump“, sagte Woodward, „ist für Journalisten eine Herausforderung. Jetzt liegt es an uns, wie wir damit umgehen.“

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Die 10 wichtigsten Versprechen von Trump

Von RND/Stefan Koch

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