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18:28 22.07.2021
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrer letzten Sommerpressekonferenz. Quelle: imago images/Political-Moments
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Berlin

Das Besondere an dieser letzten großen Sommerpressekonferenz von Angela Merkel mit den Hauptstadtjournalisten war, dass sie so war wie immer. Als würde sie nicht in Kürze die Rekordamtszeit von Helmut Kohl erreichen, als stünde ihr Ausscheiden aus der Politik nach 16 krisengeprägten Jahren nicht bevor, als machte sie sich keine Gedanken über ihren Eintritt in die Rente mit 67. Kein Stolz, keine Wehmut, keine Vorfreude – jedenfalls nicht so, dass man es spüren könnte.

Das gehört zu den Besonderheiten dieser Frau: Sie hat ihre Gefühle im Griff. Kein Lachen an der falschen Stelle, keine Überhöhung der eigenen Leistung, keine Attacken gegen Konkurrenten oder Feinde. Und so langweilig das vielen erscheinen mag, so sehr werden das noch viele vermissen: diese nach außen bewahrte Ruhe im Amt.

Inzwischen tritt sie derart präsidial auf, dass sie die Erwähnung ihrer eigenen CDU offenbar als so etwas wie eine unbotmäßige Parteinahme empfindet. Zumindest sagte sie spontan auf die Frage, wo sie am Wahltag um 18 Uhr sei, dass sie mit der Partei in Verbindung sein werde, der sie „nahestehe“. Wer weiß, vielleicht ist das mittlerweile ja gar nicht mehr die Union.

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Zumindest schont Merkel sie nicht. Es ist sicherlich keine Hilfe für Kanzlerkandidat Armin Laschet, dass die Kanzlerin Fridays for Future als Antriebskraft für die künftige Klimapolitik auch von CDU und CSU bezeichnete und die Führungsfigur Luisa Neubauer anerkennend erwähnte, während ihr nichts vergleichbar Wichtiges über ihren Nachfolger an der CDU-Spitze einfiel. In der Union empfinden sie so etwas als politisch brutal. Merkel findet das neutral und angemessen.

Der Physikerin wurde oft ein Mangel an Empathie vorgeworfen, ihre naturwissenschaftliche Nüchternheit und ihr geschäftsmäßiger Umgang verursachten so manche Kränkung. Wirklich leidgetan hat ihr ihre scheinbare Hartherzigkeit aber vielleicht nur bei dem Flüchtlingsmädchen Reem, dem sie im Sommer 2015 erklärte, warum Deutschland lediglich begrenzt Geflüchtete aufnehmen könne. Als Reem zu weinen begann, ging Merkel erschrocken und tröstend auf sie zu.

Ein Satz, der polarisierte

Sechs Wochen später sagte sie in ihrer Sommerpressekonferenz zur Bewältigung der Flüchtlingskrise den Satz, der ihre Kanzlerschaft prägt: „Wir schaffen das.“ Merkel war zutiefst davon überzeugt, wirkte zuversichtlich und zeigte seltene Emotionalität.

Ein Teil der Bevölkerung war ihr dankbar dafür, ein anderer Teil nahm ihr nichts so übel wie diese Äußerung. Merkel hatte polarisiert, ohne es zu wollen. Sie blieb bei ihrer Haltung, formulierte aber fortan wieder vorsichtiger.

Und auch jetzt behielt sie für sich, welchen ausländischen Amtskollegen sie am wenigsten oder am liebsten mag, was ihr größtes Versäumnis war und was sie tun wird, wenn sie das Land nicht mehr regiert und das zurückbekommt, was sie nicht mehr kennt: Zeit. Wie es in Merkels Innerstem aussieht, wissen nur die wenigsten. Ihr einstiges „Sie kennen mich“ stimmt deshalb nur bedingt.

Wichtig ist ihr aber natürlich trotzdem, wie ihre Kanzlerschaft bewertet werden wird. Die Arbeitslosigkeit sei gesunken und in der Klimapolitik „einiges erreicht“ worden – wenn auch nicht genügend. Das ist leicht untertrieben, denn wie sehr auch Deutschland Natur und Umwelt und Klima zu Merkels Zeiten gequält hat, wird zum Abschluss ihrer Amtszeit auf bittere Weise noch einmal ganz offensichtlich.

Eine überraschende Äußerung tat Merkel aber doch. Um Antworten, ob Frauen anders als Männer Politik machen, hat sie sich stets gern herumgedrückt. Nun ließ sie wissen: „Tendenziell gibt es bei Frauen eine gewisse Sehnsucht nach Effizienz.“ Zum Abschluss also ein Gruß an all die Männer, die ihr schwer auf den Geist gegangen sind.

Von Kristina Dunz/RND

Der Artikel "Die unbekannte Welt der Kanzlerin " stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.