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Politik Die Weihnachtsansprache von Bundespräsident Köhler
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21:24 23.12.2009
Von Alexander Dahl
Bundespräsident Horst Köhler Quelle: ddp
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Der Amoklauf von Winnenden, bei dem ein Schüler 15 Kinder und sich selbst tötete, sowie der Tod von Dominik Brunner, der an einem Münchener S-Bahnhof Kindern beistehen wollte und von Jugendlichen zu Tode geprügelt wurde, hätten die Menschen verstört und Schutzlosigkeit vermittelt, sagt Köhler in seiner vorab verbreiteten Weihnachtsansprache, die heute Abend im Fernsehen gesendet wird. „Wir fragen: Wie konnte das geschehen? Und in uns nagt das Gefühl, dass wir etwas Wichtiges übersehen haben müssen bei der Art, wie wir zusammenleben“, so der Bundespräsident. Zwar hätten die Taten „uns an die Grenze des Verstehbaren gebracht“. Und doch stecke in ihnen auch eine Aufforderung, mahnt Köhler: „Die Aufforderung, nachzudenken über uns selbst und wie wir zusammenleben. Sind wir achtsam genug miteinander?“

Auch im Hinblick auf die in Afghanistan dienenden Soldaten richtet Köhler eine Frage an die Bürger: „Machen wir uns klar, was ihr Dienst bedeutet?“ Er sendet den Soldaten „gute Wünsche und einen herzlichen Weihnachtsgruß.“ Eine mahnende Botschaft richtet Köhler an die Finanzwelt, die Verursacherin der Rezession. Maßlosigkeit bei Finanzakteuren und Mängel bei der staatlichen Aufsicht hätten die Welt in eine tiefe Krise gestürzt. „Ich verlange Einkehr von den Verantwortlichen. So, wie ich sie mir selbst und uns allen abverlange“, sagt Köhler an die Bankiers gerichtet und fordert: „Wir brauchen Ehrbarkeit und bessere Regeln in der Finanzwirtschaft. Wir brauchen das Verständnis dafür, dass Geld den Menschen dienen muss und sie nicht beherrschen darf.“

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Das Staatsoberhaupt fordert die Bürger zudem auf, „achtsamer mit den natürlichen Lebensgrundlagen umzugehen“. Wasser auf dem Mars löse Erstaunen aus, Wasser aus dem Hahn werde als selbstverständlich betrachtet, wo doch anderswo Menschen lange Wege gingen, um sauberes Trinkwasser zu bekommen, sagte Köhler. Alle müssten bewusster leben, „wenn die Erde auch morgen eine gastliche Heimat sein soll“.

Den Bürgern ganz allgemein dankt Köhler für das Engagement in „Vereinen und Kirchen, in politischen Parteien, Bürgerinitiativen und Nachbarschaftshilfen“. Dies mache das Land reicher; „ich bin froh darüber“, sagt Köhler. Die Menschen bittet er, mit Ideen, Vernunft und Einsatz“ eine gute Zukunft zu finden. „Trauen wir uns etwas zu!“ Auch von den staatlichen Akteuren erwartet er etwas: „Eine Politik, die über den Tag hinaus denkt und handelt.“