Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Die Überläufer – Barack Obamas unerwartete Helfer
Mehr Welt Politik Die Überläufer – Barack Obamas unerwartete Helfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:03 02.11.2012
Von Stefan Koch
New Yorks Bürgermeister Michael Bloomberg (l.) setzt sich für die Wiederwahl von US-Präsident Barack Obama ein. Quelle: dpa (Archiv)
Washington

Die Wahlstrategen sind sich einig: Im Nordosten der USA wird die Entscheidung fallen, wer ins Weiße Haus einzieht. Doch von sich reden machen plötzlich völlig andere Politiker: Gouverneure, Bürgermeister und sogar Sheriffs sprechen dem Amtsinhaber großen Respekt für sein Krisenmanagement nach dem Sturm „Sandy“ aus.

Viele erinnern sich noch gut: Auf dem Republikaner-Parteitag Ende August in Tampa hatte Chris Christie einen großen Auftritt. Der Gouverneur von New Jersey hielt eine viel beachtete Nominierungsrede auf Mitt Romney. „Es wird höchste Zeit für den Wechsel in Washington“, sagte der 140-Kilo-Mann damals. Doch der Hurrikan verwüstete in dieser Woche nicht nur Teile seines Bundesstaates, er wirbelt auch die politischen Konstellationen durcheinander: „Inmitten dieser Naturkatastrophe ist uns Präsident Obama eine große Hilfe“, sagte der Gouverneur vor den Kameras. Die Medien bewerteten seine Lobeshymnen als „Eilmeldung“, weil sich ausgerechnet der Nachwuchsstar der „Grand Old Party“ so sehr für den Amtsinhaber ins Zeug legt.

Der 50-Jährige ist nicht nur körperlich ein Schwergewicht. Auch seine Stimme besitzt in den USA Gewicht: Der vierfache Familienvater und frühere Staatsanwalt wurde lange als heimlicher Favorit für die diesjährige Präsidentschaftskandidatur gesehen. Dass der Jurist aber auf eine Kandidatur verzichtete, könnte einer klugen Kalkulation folgen: In vier Jahren, nach möglicherweise zwei Amtszeiten eines demokratischen Politikers, liegen die Chancen eines republikanischen Kandidaten höher als in diesem Jahr. Böse Zungen in Washington behaupten daher, dass sich Christie ganz gezielt mit Obama verbündet.

Überraschenderweise erhält Obama noch Zuspruch eines weiteren – zumindest früheren – republikanischen Politikers: Michael Bloomberg, New Yorks legendärer Bürgermeister, empfahl in der Nacht zu Freitag öffentlich den Amtsinhaber zur Wiederwahl. Der schwerreiche Politiker und Geschäftsmann hatte bei der Präsidentschaftswahl 2008 darauf verzichtet, sich für einen Kandidaten auszusprechen. Nun wirft sich der 70-Jährige mit Verve auf Obamas Seite: „Der Präsident hat erkannt, dass der Klimawandel eine Bedrohung für unser Land ist. Es wird höchste Zeit, dass wir umsteuern“, sagte Bloomberg angesichts des jüngsten Hurrikans.

Bloomberg gilt als unabhängiger Kopf. Mit einem geschätzten Privatvermögen von 25 Milliarden Dollar finanziert er sich seine Wahlkämpfe selbst. Als „Entschädigung“ für seine Bürgermeistertätigkeit lässt er sich alljährlich symbolisch einen Dollar auszahlen. Ursprünglich gehörte er der Demokratischen Partei an. Kurz vor seiner ersten Wahl 2001 wechselte er zu den Republikanern. Später verabschiedete er sich aus sämtlichen Parteizirkeln. In den Augen vieler New Yorker hat seine Wahlempfehlung daher großes Gewicht. Obama dürfte am Freitag heimliche Freudensprünge gemacht haben, dass ihn der berühmte Bürgermeister lobt: In mehreren Pressekonferenzen wiederholte Bloomberg, dass der Präsident in den vergangenen vier Jahren erste wichtige Schritte unternommen habe, um den Kohlendioxidausstoß zu senken. Nun sollten ihm die Wähler die Chance geben, diese Arbeit für weitere vier Jahre fortzusetzen.

Tatsächlich zählt es zur festen Agenda der Demokratischen Partei, angesichts des Klimawandels grüne Technologien zu propagieren. Doch in der Wahlkampagne 2012 spielt das Thema keine Rolle. Ganz im Gegenteil: Obama fühlte sich durch Mitt Romneys Forderung, die einheimische Energieproduktion nach vorn zu bringen, in die Ecke gedrängt.

Bei den öffentlichen Auftritten in den vergangenen Wochen äußerten sich beide Kandidaten fast wortgleich: Amerika müsse mehr Kohle, Öl und Gas fördern, um schneller von ausländischen Importen unabhängig zu werden. Durch Pleiten von staatlich subventionierten Solaranlagen- und Batterieherstellern geriet Obama sogar in den Ruf des Steuerverschwenders. So mancher Republikaner sprach vom „grünen Träumer“. Gleichwohl ist es US-Wählern bekannt, dass Obama grundsätzlich eher für saubere Energien eintritt – während der republikanische Herausforderer an alten Produktionsmodellen festhält.

Romneys Energiestrategien könnten sich auf den letzten Metern zur Wahl rächen: Alle Medien diskutieren an diesem Wochenende über den Klimawandel und erinnern an all die vielen Hurrikans und Überschwemmungen in jüngster Zeit.

Weniger beachtet werden neue Arbeitsmarktdaten. Die Quote der Jobsuchenden stieg zwar um 0,1 auf 7,9 Prozent. Zugleich wurden aber 170.000 neue Stellen geschaffen – deutlich mehr als von Ökonomen erwartet wurde. Romney rügte „wirtschaftlichen Stillstand“. Doch so recht dringt er mit seiner Anklage nicht durch, denn die Scheinwerfer sind auf den obersten Katastrophenhelfer gerichtet. Beide Kandidaten ahnen: Es reicht ein kleiner Hauch, um den 6. November zu entscheiden.

Der Energiegipfel von Bund und Ländern hat am Freitag ein klares Bekenntnis zum Ausbau der Offshore-Windenergie gebracht. „Die Bundesregierung hat sich die Ziele, die vor allem von den norddeutschen Ländern vertreten werden, zu eigen gemacht. Das ist ein gutes Ergebnis“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister nach dem Treffen im Kanzleramt.

02.11.2012

Vor einem Jahr hatten sich die Stadtwerke Bochum mit Peer Steinbrück geschmückt, jetzt hat es ihnen die Sprache verschlagen. „Zu diesem Thema werden wir nichts mehr sagen“, hieß es am Freitag aus Bochum.

02.11.2012

Eigentlich wollten Union und FDP kurz vor ihrem Spitzentreffen am Sonntag schon viel weiter sein. Nun aber gibt es bei Praxisgebühr, Verkehrsetat und Rente Verhärtung statt Entspannung.

02.11.2012