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Politik Die Niederlage des Finanzjongleurs
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14:12 07.07.2009
Ingolf Deubel (SPD). Quelle: Torsten Silz/ddp
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Sein Konstrukt zur Finanzierung der neuen Erlebniswelten am Nürburgring geht nicht auf, zu lange hat der rheinland-pfälzische Finanzminister sein Vertrauen in letztlich wohl dubiose Geschäftsleute gesetzt. Am Dienstag blieb dem SPD-Mann Deubel nichts anderes übrig: Nach monatelangem Hin und Her zog der 59-Jährige die Reißleine und trat von seinem Amt als Finanzminister zurück. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) verliert damit einen seiner wichtigsten Leute - den Manager seines Haushalts.

Für Deubel ist es die Niederlage seines Lebens: Der promovierte Volkswirt dozierte gerne lange und ausführlich über Finanzströme und Wirtschaftskonditionen, verschlungene finanzpolitische Konstruktionen waren seine Spezialität, und sie machten ihm Spaß. Der am 2. April 1950 in Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis geborene Westerwälder jonglierte so gerne und virtuos mit Zahlen und Geldern, dass er sich sogar den Spitznamen „Harry Potter der Finanzen“ einfing.

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In die Politik kam der Finanzwissenschaftler 1985 als Kämmerer der Stadt Solingen, deren Oberstadtdirektor er 1991 wurde. Zuvor war Deubel bereits von 1984 bis 1985 Referent für Wirtschaft und Finanzen bei der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf gewesen. 1985 wurde er auch Vorsitzender des Finanzausschusses des Städtetags Nordrhein-Westfalen. 1997 kam Deubel, seit 1969 SPD-Mitglied, als Staatssekretär ins rheinland-pfälzische Finanzministerium. Schnell wurde der besonnene Haushälter zur grauen Eminenz hinter dem eigentlichen Finanzminister Gernot Mittler (SPD) und wurde nach der Landtagswahl 2006 dessen Nachfolger.

Die Aufstellung des rheinland-pfälzischen Haushalts war da schon lange Deubels Sache gewesen: Er lagerte die Bilanzen der landeseigenen Betriebe in Nebenhaushalte aus, erfand das Verstetigungsdarlehen des Landes an die Kommunen und den Pensionsfonds zur Absicherung künftiger Ruhestandszahlungen für die Landesbeamten. Mit diebischem Vergnügen präsentierte Deubel Konstruktionen, bei denen das Land sich selbst Gelder leiht, und schaffte es zugleich, dass der Haushalt des Landes besser dastand als jemals zuvor. Die Devise des Honorarprofessors für Finanzwissenschaft an der Universität Münster lautete stets: Immer zum Wohle des Landes.

Auch am Nürburgring glaubte Deubel, in diesem Sinne mehr herausholen zu können. Mit seinem Antritt als Finanzminister war er zugleich auch Chef des Aufsichtsrates der landeseigenen Nürburgring GmbH geworden. Deubel versprach, die neue Erlebniswelt am Ring mit privaten Geldern zu finanzieren, doch die Investoren blieben aus, und schließlich blieb die Firma Pinebeck mit Sitz in Luxemburg. Deubel wollte die besten Konditionen für den Ring, Pinebeck versprach ihm einen Vorteil von 50 Millionen Euro für das Land.

Deubel ließ sich auf die Versprechen ein - und unterschätzte die Sprengkraft eines Finanzdeals, der über den Schweizer Vermittler Urs Barandun abgewickelt werden sollte und ein Geschäft mit amerikanischen Lebensversicherungen beinhaltete. Eine Frist nach der anderen verstrich, ohne dass die Gelder an den Nürburgring flossen. Eine Bank stieg aus, weil sie um ihren Ruf fürchtete, trotzdem hielt Deubel an dem Geschäft fest.

Als schließlich Details über eine mögliche Anklage Baranduns wegen geplatzter Schecks ans Licht kam, war das Maß voll: Der Judotrainer hatte zu spät die Matte geräumt und zu lange an dubiosen Spekulationsgeschäften festgehalten. Als das Geld auch in dieser Woche, nur zwei Tage vor der Eröffnung des neuen Nürburgrings am Donnerstag nicht geflossen war, übernahm Deubel „die volle politische Verantwortung“ - und trat zurück.

ddp