Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Deutschland schickt 850 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan
Mehr Welt Politik Deutschland schickt 850 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:35 26.01.2010
Quelle: afp
Anzeige

Deutschland schickt bis zu 850 zusätzliche Bundeswehr-Soldaten nach Afghanistan. Damit solle die Ausbildung einheimischer Kräfte verstärkt und ab 2011 ein schrittweiser Abzug der deutschen Truppen möglich werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Dienstag in Berlin. Afghanistan Präsident Hamid Karsai warb unterdessen für eine Wiedereingliederung gemäßigter Taliban in die afghanische Gesellschaft.

Die Gesamtstärke des Bundeswehr-Kontingents in Afghanistan soll nach dem neuen Konzept von derzeit 4500 Soldaten auf 5000 bis 5350 steigen. 500 Soldaten sollen fester Teil des deutschen Kontingents sein, sagte Merkel nach einer Unterrichtung der Spitzen von Bundestagsfraktionen und Parteien im Kanzleramt. 350 weitere Soldaten sind als flexible Reserve für befristete Aufgaben wie die Absicherung der im Herbst geplanten Wahlen vorgesehen.

Anzeige

Aufgestockt werden soll vor allem die Zahl der Ausbilder für die afghanischen Streitkräfte. Reine Kampftruppen sollen dagegen abgebaut werden; so soll die Schnelle Eingreiftruppe (QRF) in Masar-i-Scharif aufgelöst werden. Die neuen Ausbildungs- und Schutzkräfte sollen auch mehr vor Ort bei der Bevölkerung präsent sein und nicht nur in den Lagern ausbilden.

Ziel ist es, möglichst rasch so viele afghanische Sicherheitskräfte auszubilden, dass die Verantwortung schrittweise den Afghanen übergeben werden kann. Schon ab März soll daher mit der Umsetzung der Ausbildungsverstärkung begonnen werden. „Wir wollen 2011 mit dem Abbau unseres eigenen Kontingentes beginnen“, sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP). Bis 2014 solle möglichst die Sicherheitsverantwortung abgegeben sein.

Aus der Opposition kam teils deutliche Kritik. SPD-Parteichef Sigmar Gabriel sagte, seine Partei stehe insbesondere der geplanten Bundeswehr-Aufstockung „sehr kritisch“ gegenüber. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sprach von „wenig Licht im Schatten“ der Afghanistan-Strategie. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi forderte: „Die Bundeswehr muss abziehen aus Afghanistan.“

Neben der Truppenverstärkung will die Bundesregierung die Mittel für die Aufbauhilfe in Afghanistan ab 2010 von 220 Millionen Euro auf 430 Millionen Euro pro Jahr erhöhen. Weitere 50 Millionen Euro will die Regierung zu einem internationalen Fonds in Höhe von insgesamt 350 Millionen Euro zur Reintegration von Taliban beisteuern.

Karsai will bei der internationalen Afghanistan-Konferenz am Donnerstag in London ein Wiedereingliederungsprogramm vorstellen, das Taliban-Kämpfer zur Niederlegung ihrer Waffen bewegen soll. In einer weiteren Konferenz in der afghanischen Hauptstadt Kabul sollen im Frühjahr die Details besprochen werden.

Unterstützung für seine Pläne erhielt der afghanische Staatschef bei einem Treffen mit Vertretern der Nachbarländer und der Türkei am Dienstag in Istanbul. Die Teilnehmer der Gespräche erklärten, sie befürworteten den angestrebten „Prozess der nationalen Aussöhnung“. Karsai sagte, Taliban, die nicht El Kaida angehörten, seien „Kinder der afghanischen Erde“. Es gehe um viele Tausende, die wieder in die Gesellschaft integriert werden müssten.

afp