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Politik Deutschland feiert den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit
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22:06 03.10.2010
Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede während des Festakts zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit.
Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede während des Festakts zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Quelle: afp
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Bundespräsident Christian Wulff hat zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung für einen „neuen Zusammenhalt“ in der Gesellschaft geworben. Beim zentralen Festakt in Bremen sagte Wulff, der Ruf der Ostdeutschen vor 20 Jahren „Wir sind ein Volk“ müsse „heute eine Einladung sein an alle, die hier leben“. Zugleich warnte Wulff vor einer Ausgrenzung von Migranten. Dies nicht zuzulassen, liege im nationalen Interesse. Deutschland habe eine christlich-jüdische Geschichte. Aber auch der Islam gehöre heute zu Deutschland.

Der Bundespräsident würdigte die Veränderungsbereitschaft der Ostdeutschen als vorbildlich. Die Menschen im Osten hätten vorgelebt, wie Umbrüche zu meistern seien. 20 Jahre nach der Wiedervereinigung brauche das ganze Land solchen Mut in einer sich rasant verändernden Welt.

Die zentrale Einheitsfeier fand diesmal in Bremen statt; der Stadtstaat hat derzeit den Vorsitz im Bundesrat inne. Von Freitag bis Sonntag lockte ein Bürgerfest rund 350 000 Besucher an. Eine von Linksradikalen unter dem Motto „Der 3. Oktober ist kein Tag zum Feiern“ angemeldete Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern blieb überwiegend friedlich. Die Polizei war mit einem großen Aufgebot aufgetreten und begleitete auch einen schwarzen Block von Autonomen, die vereinzelt Steine oder Feuerwerkskörper warfen.

Der frühere sowjetische Staatschef Michael Gorbatschow unterstrich auf einem Festakt in der Frankfurter Paulskirche die Rolle der Völker bei der deutschen Wiedervereinigung. Ohne den Einheitswillen der Deutschen und dessen Akzeptanz durch das russische Volk hätte die sowjetische Regierung nicht so handeln können, wie sie gehandelt habe, unterstrich Gorbatschow.

Der frühere DDR-Bürgerrechtler Joachim Gauck ergriff am Sonnabend als Festredner im Berliner Abgeordnetenhaus das Wort. „Deutsche können Freiheit“, betonte Gauck in seiner Rede. Niemals dürfe man die Leistung der Reformer in der DDR vergessen. Mit Blick auf die Sozial- und die Integrationspolitik forderte Gauck, auch von den Schwachen und auch von den Zugewanderten etwas zu fordern: „Wenn eingewanderte Familien sich noch jahrelang der Landessprache verweigern, dann werden alle Integrationsbemühungen scheitern.“

Der Bundestag erinnerte mit einer eigenen Feierstunde an die Ereignisse vor 20 Jahren. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) würdigte in Berlin im Beisein von Altkanzler Helmut Kohl dessen „herausragenden persönlichen Anteil“ daran, dass Nachbarstaaten und wichtige Partner von der deutschen Einheit überzeugt werden konnten. Die Gäste der Feierstunde erhoben sich zu Ehren von Kohl von ihren Plätzen und applaudierten. Auf dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude verfolgten mehrere Tausend Bürger den Festakt.

Thorsten Fuchs
 und Stefan Koch

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Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Bremen erinnern Staatsgäste am heutigen Sonntag an den 20. Jahrestag der Deutschen Einheit. Bundespräsident Christian Wulff wird bei der offiziellen Feier in der Bremen Arena eine Rede halten. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die Vertreter von Bundestag und Bundesrat, zahlreiche Minister und Ministerpräsidenten sowie frühere Politiker der DDR werden anwesend sein.

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