Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik "Wir haben unser Kind verloren"
Mehr Welt Politik "Wir haben unser Kind verloren"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:24 11.03.2014
Foto: Nach dem Tod des 15-jährigen Berkin Elvan kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten.
Nach dem Tod des 15-jährigen Berkin Elvan kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten. Quelle: dpa
Anzeige
Istanbul

Der Tod eines vor neun Monaten von der Polizei in Istanbul schwerverletzten Jungen hat in mehreren Städten der Türkei neue Proteste entfacht. Nachdem der 15-jährige am Dienstag im Koma starb, kam es vor dem Krankenhaus in Istanbul zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei, wie Augenzeugen berichteten. Die Polizei setzte Tränengas ein.

In Ankara ging die Polizei mit Wasserwerfern gegen einen Demonstrationszug vor. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan relativierte unterdessen die Androhung einer Blockade von Facebook und YouTube in der Türkei. Eine vollständige Sperre komme nicht in Frage, sagte Erdogan der regierungsnahen Zeitung "Yeni Safak". Doch werde er Fälschungen im Internet bekämpfen.

Nach dem Tod des Jungen wurde für den Abend zu Protesten auf dem Taksim-Platz in Istanbul und an anderen Orten aufgerufen. Berkin Elvan war im Juni vergangenen Jahres auf dem Höhepunkt der Demonstrationen gegen die islamisch-konservative Regierung von einem Tränengasgeschoss der Polizei am Kopf getroffen worden. Nach Darstellung seiner Familie war er unterwegs, um Brot zu holen.

Bei den Protesten waren fünf Demonstranten und ein Polizist ums Leben gekommen. Am Dienstag versuchten Demonstranten nahe des Krankenhauses Barrikaden zu errichten, um die Polizei zu stoppen. Demonstranten warfen Steine auf die Polizei und Polizeiwagen. Am Vortag hatte die Polizei eine Mahnwache für den Jugendlichen am Krankenhaus gewaltsam aufgelöst und mehrere Menschen festgenommen.

"An unser Volk: Wir haben unser Kind Berkin Elvan um 07.00 Uhr verloren", twitterte die Familie des Jungen am Dienstag. Staatspräsident Abdullah Gül drückte den Angehörigen sein Beileid aus. Er rief dazu auf, neues Leid zu verhindern. Dies habe er auch den Behörden der Provinz Istanbul gesagt. Die Proteste hatten sich im vergangenen Sommer an Plänen der Regierung entzündet, den Gezi-Park am Rande des Istanbuler Taksim-Platzes zu bebauen. Sie richteten sich bald vor allem gegen Erdogans autoritären Regierungsstil.

dpa