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Politik Merz zofft sich bei Maybrit Illner mit Journalistin: „Hören Sie mal auf!“
Mehr Welt Politik Merz zofft sich bei Maybrit Illner mit Journalistin: „Hören Sie mal auf!“
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08:22 08.10.2021
Friedrich Merz, Wirtschaftsexperte in der CDU.
Friedrich Merz, Wirtschaftsexperte in der CDU. Quelle: Bernd Weißbrod/dpa
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Berlin

Nach der von Noch-CDU-Chef Armin Laschet angekündigten Neuaufstellung der CDU hat der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz Kritik an seiner Partei geübt. „Ich würde gerne sehen, dass wir in Zukunft die drei Buchstaben CDU etwas größer schreiben als die drei Buchstaben ICH“, sagte er am Donnerstagabend bei Maybrit Illner.

Für die verlorene Bundestagswahl machte er keineswegs nur Laschet verantwortlich. Der größte Fehler sei vielmehr gewesen, dass seit Oktober 2018 Parteivorsitz und Kanzleramt nicht mehr in einer Hand liegen. „Das war der strategische Fehler, das ist uns nicht gut bekommen; sonst hätten wir die Wahl nicht verloren.“ Dies habe zu einer Führungskrise der Union geführt, die bis heute ungelöst sei. Dabei gab er auch Kanzlerin Merkel eine Mitschuld. „Wenn Angela Merkel aufhören möchte, dann muss sie akzeptieren, dass auch das Kanzleramt zur Disposition gestellt wird“, sagte er.

Merz kritisierte zudem die Außenwirkung der beiden Schwesterparteien. „60 Prozent der Wähler haben die Union als zerstritten angesehen, und zerstrittene Parteien werden nicht gewählt“, sagte er. Darüber hinaus monierte er die Art und Weise der Wahl des Parteivorsitzenden. Laschet sei „von dem Establishment der CDU durchgesetzt worden“. „Mit derartigen Entscheidungen haben wir krachende Wahlniederlagen eingefahren, das müssen wir jetzt ändern“, ergänzte er.

Zoff mit Journalistin

Kritische Nachfragen der Spiegel-Journalistin Melanie Amann, ob die inhaltliche Ausrichtung auch zum schlechten Wahlergebnis beigetragen hätte, verärgerten den CDU-Politiker. Amann merkte an, dass das kein „Angela-Merkel-Programm“ gewesen sei. Eine konservativere, ältere Positionierung sei deutlich erkennbar gewesen. Merz wollte das nicht stehen lassen: „Jetzt hören Sie mal auf mit diesen Geschichten. Dieses Programm ist im Präsidium der CDU Deutschlands beschlossen worden – in Gegenwart, Anwesenheit und stimmberechtigt mit Angela Merkel.“ Er fügte hinzu: „Bei aller Bereitschaft, Ihnen hier zuzuhören. Jetzt hören Sie mal mit diesen Geschichten auf.“

Amann bohrte jedoch weiter nach: „Aber dann sagen Sie doch bitte mal: Wo wollen Sie denn programmatisch hin mit der Union?“ Merz stellte Themen vor, blieb in seinen Ausführungen jedoch vage.

„Armin Laschet verdient Respekt“

Zugleich zollte Merz dem CDU-Chef Respekt für dessen Ankündigung eines Neuanfangs in der Union. „Armin Laschet hat Respekt verdient für das, was er heute gesagt hat“, erklärt der CDU-Politiker. „Es wird einen Neuanfang geben, aber es gibt einen Vorsitzenden bis zu diesem Neuanfang, und die CDU ist ansprechbar für Gespräche über eine Regierungsbildung.“ Und weiter: „Es gibt kein Vakuum bei uns. Es gibt keinen Übergang ohne Führung.“

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Nach der Wahlniederlage der Union hatte CDU-Chef Armin Laschet am Donnerstag angekündigt, die personelle Erneuerung der Partei einzuleiten. „Die personelle Neuaufstellung der CDU – vom Vorsitzenden über das Präsidium bis hinein in den Bundesvorstand – werden wir zügig anpacken“, sagte Laschet. Die Partei müsse „mit neuen Persönlichkeiten einen Neuanfang machen, ob in der Regierung oder in der Opposition“. Er werde einen Parteitag einberufen und hoffe auf ein einvernehmliche Lösung über die neue Führung. Einen Zeitpunkt für seinen Rückzug ließ er aber offen. „Ich möchte diesen Prozess moderieren“, sagte er. Mehrere CDU-Politiker begrüßten seinen angekündigten Rückzug.

RND/cz/Reuters

Der Artikel "Merz zofft sich bei Maybrit Illner mit Journalistin: „Hören Sie mal auf!“ " stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.