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08:40 06.09.2019
Was sind eigentlich die größten Ängste der Deutschen? Eine Umfrage liefert die Antworten. Quelle: imago/Rene Traut/ZUMA/IPON/Montage RND
Berlin

Die Deutschen sind im Durchschnitt deutlich optimistischer und weniger von Ängsten geplagt als in den vergangenen Jahren. Die Stimmung sei insgesamt so gut wie seit 25 Jahren nicht mehr, heißt es in der Auswertung der repräsentativen Umfrage „Die Ängste der Deutschen“ vom Sommer dieses Jahres, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde.

Seit 1992 gibt die R+V-Versicherung die Umfrage in Auftrag. Besonders die Ängste vor Terroristen und der Politik von US-Präsident Donald Trump plagen heute weniger Menschen als vor einem Jahr. 30 Jahre nach dem Mauerfall wurde ein Unterschied aber wieder größer: In Ostdeutschland sind alle Ängste weiter verbreitet als in Westdeutschland. Hier lesen Sie, was die größten Ängste der Deutschen sind - von Platz 1 bis 12.

  1. Überforderung des Staates durch Flüchtlinge: 56 Prozent (Vorjahr: 63 Prozent) der Deutschen befürchten, dass der Staat durch die große Zahl der Flüchtlinge überfordert ist – ganz knapp Platz eins der diesjährigen Umfrage.
  2. Spannungen durch Zuzug von Ausländern: Fast ebenso viele Bürger (55 Prozent, Vorjahr: 63 Prozent) haben Angst davor, dass es durch den weiteren Zuzug von Ausländern zu Spannungen zwischen Deutschen und hier lebenden Ausländern kommt.
  3. Gefährlichere Welt durch Trump-Politik: Mit ebenfalls 55 Prozent folgt eine außenpolitische Sorge: Die Mehrheit der Deutschen befürchtet, dass die Politik von Donald Trump die Welt gefährlicher macht.
  4. Überforderte Politiker: Traditionell groß ist auch die Sorge, dass die Politiker von ihren Aufgaben überfordert sind. Sie steht mit 47 Prozent auf Platz vier.
  5. Terror und Extremismus: Gewalttätige Ausschreitungen militanter Extremisten führen zu großer Besorgnis in der Bevölkerung. Fast jeder zweite Befragte (47 Prozent, Platz 5) befürchtet, dass sich der politische Extremismus ausbreitet. Am meisten ängstigt die Befragten der als extrem gewaltsam eingestufte islamische Extremismus (38 Prozent). Als erheblich geringer gilt die Bedrohung durch den Rechtsextremismus (25 Prozent). Fast unbekümmert scheinen die Befragten den Linksextremismus zu bewerten (4 Prozent). Stark gesunken ist die Furcht vor terroristischen Attentaten. Diese Angst, die nach den massiven Anschlägen in Europa in den Jahren 2016/2017 auf weit überdurchschnittliche Werte von mehr als 70 Prozent geschossen war, liegt jetzt bei 44 Prozent (Vorjahr: 59 Prozent).
  6. Hohe Mieten: Knapper Wohnraum in vielen Regionen, explodierende Immobilienpreise und hohe Mieten: Zum ersten Mal hat das R+V-Infocenter die Deutschen auch nach diesen Themen befragt. Und das Ergebnis zeigt den Stellenwert des Problems. Nahezu jeder zweite Bürger - genau: 45 Prozent - hat große Angst davor, dass Wohnen in Deutschland unbezahlbar wird.
  7. Pflegebedürftigkeit im Alter: Fast jeder zweite Deutsche (45 Prozent) fürchtet sich davor, im Alter pflegebedürftig zu werden. Da politische Themen diese Angst überschatten, liegt sie nur auf Platz sieben im Ranking. Deutlich weniger Sorgen machen sich die Deutschen hingegen um ihre Gesundheit. Nur etwa jeder Dritte (35 Prozent, Platz 15) hat Angst davor, schwer zu erkranken.
  8. EU-Schuldenkrise: 44 Prozent der Deutschen sorgen sich darum, dass die EU-Schuldenkrise teuer für den deutschen Steuerzahler wird (Platz 8). Zum Vergleich: In den Jahren 2011/2012 – auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise – lag diese Angst noch bei extrem hohen Werten um die 70 Prozent.
  9. Steigende Lebenshaltungskosten: 43 Prozent der Deutschen haben Angst vor steigenden Lebenshaltungskosten. Der Dauerbrenner der 1990er und 2000er Jahre hat seit 2011 stark an Bedeutung verloren. In der Vergangenheit lag diese Sorge jahrelang unangefochten auf Platz eins.
  10. Umweltthemen: Der hohe Stellenwert „grüner“ Themen spiegelt sich auch in der 2019er-Studie „Die Ängste der Deutschen“ wider. 2019 haben 41 Prozent der Befragten Angst davor, dass der Klimawandel dramatische Folgen für die Menschheit hat. Ebenso viele Deutsche befürchten, dass Naturkatastrophen zunehmen und Deutschland immer häufiger von Wetterextremen wie Dürre, Hitzewellen oder Starkregen betroffen wird.
  11. Wirtschaftliche Themen: Wie im vergangenen Jahr spielen wirtschaftliche Sorgen in der Umfrage eine untergeordnete Rolle. Lediglich jeder vierte Deutsche (24 Prozent) fürchtet sich davor, den eigenen Job zu verlieren – so wenige wie nie zuvor. Kaum höher ist die Angst vor steigenden Arbeitslosenzahlen in Deutschland (28 Prozent). Die derzeit leicht schwächelnde Wirtschaft spiegelt sich damit noch nicht bei den Ängsten der Deutschen wider. Mit 35 Prozent erreicht die Angst vor einem Abwärtstrend der Wirtschaft sogar den niedrigsten Wert seit 20 Jahren (Platz 14).
  12. Krieg: Nur noch etwa jeder vierte Deutsche (24 Prozent, Vorjahr: 35 Prozent) hat Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung. Damit ist diese Sorge so gering wie nie zuvor im Verlauf der Umfrage.

Mehr Ängste im Osten

In Ost und West sind die Ängste rückläufig. Da sie im Westen jedoch erheblich stärker gesunken sind, gibt es in diesem Jahr wieder deutliche Unterschiede zwischen den beiden Regionen. Im Osten sind alle Ängste größer – auch bei den Top-Themen. 64 Prozent der Bürger im Osten befürchten, dass der Staat und die Bürger durch die große Zahl der Flüchtlinge überfordert sind. Im Westen sind es zehn Prozentpunkte weniger. Fast zwei Drittel (64 Prozent) der Ostdeutschen hat Angst davor, dass es durch den weiteren Zuzug von Ausländern zu Spannungen zwischen Deutschen und hier lebenden Ausländern kommt (West: 53 Prozent).

Und noch eine dritte Sorge erreicht im Osten die 60-Prozent-Marke: 60 Prozent der Ostdeutschen finden die Politik von Donald Trump bedrohlich. Im Westen sind es 54 Prozent. Den größten Unterschied gibt es bei der Furcht vor steigenden Lebenshaltungskosten: Im Osten hat die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) Angst davor, dass alles immer teurer wird. Diese Sorge teilen im Westen 41 Prozent der Befragten.

Für die Befragung wurden rund 2400 Männer und Frauen im Alter ab 14 Jahren befragt.

RND/mdc/dpa

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