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Politik Christian Wulff sieht sich nicht als zweite Wahl
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18:31 21.06.2010
Christian Wulff Quelle: dpa
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Der schwarz-gelbe Präsidentschaftskandidat Christian Wulff hat davor gewarnt, die Wahl für das höchste Staatsamt als Schicksalstag der Koalition anzusehen. „Am 30. Juni geht es um eine Entscheidung zwischen Joachim Gauck und mir“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident am Montag dem ZDF. „Man darf diese Entscheidung auch nicht beschweren mit anderen Fragestellungen.“ In der Öffentlichkeit werde die Wahl danach interpretiert, wer sich mit welchem Kandidaten durchsetze. Der CDU-Politiker sieht keinen Druck der Parteispitzen auf die Wahlleute. „Es ist eine geheime Wahl.“

Obwohl der rot-grüne Kandidat Gauck bei Umfragen vorn liegt, empfindet sich Wulff nicht als zweite Wahl. „Da sehe ich nicht das, was vermittelt wird, diese überwältigende Zustimmung“, sagte der CDU- Politiker. In einer Emnid-Umfrage lag Gauck bei der Frage nach dem besseren Präsidenten mit 39 Prozent knapp vor Wulff mit 37 Prozent.

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Wulff kritisierte die Medien für den Umgang mit seiner Kandidatur. „Es sind im Moment vier Liberale, die erklären, Gauck zu wählen. Wenn ich die Medien verfolge, habe ich den Eindruck, es könnten auch 400 sein“, sagte Wulff dem Nachrichtensender n-tv.

Der 51-Jährige will kein Präsident der lauten Töne sein. „Ich finde es gut, wenn nicht nur Alphatiere auf der politischen Bühne sind. Die Zukunft gehört den Sanftmütigen und Friedfertigen.“ Wulff lobte zugleich den DDR-Bürgerrechtler Gauck und bezeichnete ihn als integer.

Union und FDP haben mit 644 Sitzen in der Bundesversammlung 21 Stimmen mehr als für die absolute Mehrheit nötig. Damit könnte sich CDU-Vize Wulff im ersten Wahlkampf als Nachfolger für den zurückgetretenen Horst Köhler durchsetzen, wenn das schwarz-gelbe Lager linientreu bliebe. Es gilt als sehr wahrscheinlich, dass Wulff spätestens im dritten Wahlgang durchkommt. Die Linke schickt ihre Abgeordnete Luc Jochimsen ins Rennen.

Die CSU setzt auf ein geschlossenes Votum von Union und FDP für den Niedersachsen. „Die Koalition hat einen gemeinsamen Vorschlag - und sie wird ihn gemeinsam in der nächsten Woche zum Tragen bringen“, sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Er lehnte Spekulationen ab, in welchem Wahlgang und mit wie vielen Stimmen Wulff am Ende gewählt wird.

Wulff würde seine ersten Auslandsreisen nach einem Erfolg bei der Wahl nach Brüssel, Paris und Warschau unternehmen. Innerhalb Deutschlands würde er im 20. Jahr der Einheit zunächst in die neuen Länder reisen. Wulff forderte, die finanziellen Privilegien von Bundespräsidenten nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt zu überdenken. „Das wird man verändern müssen.“

Der CDU-Politiker verlangte von der katholischen Kirche mehr Offenheit bei Wiederverheiratung oder gemeinsamem Abendmahl. Angesichts von Missbrauchsfällen forderte Wulff rückhaltlose Aufklärung.

Wulff stellte sich am Montagabend mehreren CDU-Wahlleuten aus Ostdeutschland vor. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe machte sich für ihn stark. „Es ist ein Kennzeichen von Christian Wulff, mit offenen Armen statt mit Ellenbogen Politik zu betreiben“, schrieb er in einem Gastbeitrag für die Tageszeitung „Die Welt“ (Dienstag). Die bayerischen Freien Wähler wollen die beiden Kandidaten Gauck und Wulff noch einmal intensiv befragen, stellten aber erneut eine mehrheitliche Unterstützung für Gauck in Aussicht.

dpa

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