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Politik Ein Jahr nach Chemnitz-Ausschreitungen: “Die Angst in der Stadt ist wieder groß”
Mehr Welt Politik Ein Jahr nach Chemnitz-Ausschreitungen: “Die Angst in der Stadt ist wieder groß”
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14:20 22.08.2019
Rola Saleh, Sozialarbeiterin aus Chemnitz, ruft zur Teilnahme an der "Unteilbar"-Demonstration in Dresden am 24. August auf,

Vor einem Jahr wurde Chemnitz nach dem gewaltsamen Tod von Daniel H. von teils rechtsextremen Demonstrationen und Ausschreitungen erschüttert. An diesem Wochenende will die rechtsextreme Gruppierung "Pro Chemnitz" wieder aufmarschieren. Wie ist die Lage in der Stadt?

Das Klima ist vergiftet. Der Rassismus ist Alltag, nicht nur in Chemnitz, sondern in ganz Sachsen und ganz Deutschland. Jetzt ist die Angst in der Stadt wieder groß – nicht nur bei den Migranten in Chemnitz, auch bei den Deutschen. Viele haben Angst, was passieren könnte, wenn die Rechten wieder aufmarschieren.

Was erwarten Sie von dem Gerichtsurteil im Prozess gegen den Tatverdächtigen Alaa S.?

Was soll ich sagen? Die Justiz ist unabhängig, das Urteil ist zu akzeptieren, wie bei jedem anderen Prozess auch.

Vor einem Jahr filmten Sie die erste Demonstration nach dem Tod von Daniel H. Auf dem Handy-Video ist zu hören, wie Sie laut „Rassisten!“ in Richtung der Demonstranten rufen. Hatten Sie da gar keine Angst?

Ich habe in dem Moment nicht über meine Sicherheit nachgedacht. Ich habe nur die Sprechchöre und die Beleidigungen gehört: „Für jeden toten Deutschen einen toten Ausländer!“ Das hat mich aufgeregt. Jeder sollte in so einem Augenblick zeigen, dass er damit nicht einverstanden ist.

Ein Polizist hat Sie gestoppt. Auf dem Video ist zu hören, wie er sagt: „Es bringt doch nichts, wenn der Mob Sie jetzt angreift.“

Der Polizist war besorgt und gleichzeitig aufgeregt. Ich bin dann in Tränen ausgebrochen. Ich konnte es nicht wahrhaben, was da passierte.

Nun rufen Sie selber mit zu einer Demonstration auf – am 24.8. will „Unteilbar“ in Dresden gegen Rassismus demonstrieren. Was erwarten Sie sich davon?

Aus dem ganzen Bundesgebiet kommen Züge und Busse mit Menschen, die zeigen wollen, dass wir in Sachsen nicht alleine sind. Es ist so wichtig, dieses Zeichen zu setzen – und über die Demonstration und die Wahlen hinaus sich zu vernetzen.

Sie leben seit 17 Jahren in Chemnitz. Leben Sie noch gerne in der Stadt?

Ich habe zwiespältige Gefühle. Soll ich gehen oder bleiben? Wenn alle gehen, was passiert mit denjenigen, die nicht gehen dürfen? Ich denke viel darüber nach. Ich will nicht wissen, wie es um die Rechte für Migranten steht, wenn die AfD hier in Regierungsverantwortung kommt.

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Von Jan Sternberg/RND

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