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Politik Cem Özdemir geht jetzt bei den Grünen aufs Ganze
Mehr Welt Politik Cem Özdemir geht jetzt bei den Grünen aufs Ganze
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06:52 09.09.2019
Cem Özdemir, bis 2018 Vorsitzender der Grünen. Quelle: imago images / Arnulf Hettrich
Berlin

Die Grünen sind zuletzt so seriös geworden, wie das zum Zeitpunkt ihrer Gründung vermutlich niemand für möglich gehalten hätte. Die Öko-Partei stellt in Stuttgart einen Regierungschef, ist auf Landes- sowie Bundesebene ein gefragter Koalitionspartner und hat noch dazu mit Annalena Baerbock und Robert Habeck ein Duo an der Spitze, dem die Herzen bürgerlicher Schichten zufliegen. Flügel dagegen scheint es in der Partei nur noch auf dem Papier zu geben.

Dass die Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter nun mit Kirsten Kappert-Gonther und Cem Özdemir zwei Gegenkandidaten bekommen, ist angesichts der fast schon langweiligen Harmonie der sonst so streitbaren Grünen eine Überraschung. Die Kandidatur könnte innerhalb der Partei manches durcheinander bringen.

Angst vor „Chaos-Momenten“

Es kann sein, dass die Herausforderer dafür sorgen, dass sich die Reihen um die Amtsinhaber einmal mehr schließen. Es ist aber auch denkbar, dass das Duo Özdemir/Kappert-Gonther die Amtsinhaber schwächt – mit dem Ergebnis, dass die Suche nach Kompromisskandidaten begänne. In der Fraktion fürchten sie solche „Chaos-Momente“.

Tatsächlich würde sich mit einem Fraktionsvorsitzenden Özdemir manches verändern. Da er ein sehr profilierter Realo ist, könnten die Flügel abermals schlagen. Auch dürften Reibungen mit Baerbock und Habeck unausweichlich sein. Letztere können mit Göring-Eckardt und Hofreiter wahrscheinlich besser leben.

Er ist damit im besten Alter sowie ohnehin energiegeladen und außerdem Schwabe wie Kretschmann, Realo wie Kretschmann und wirtschaftsnah wie Kretschmann.

Für die Grünen und Özdemir richtig wäre, wenn er Nachfolger des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann würde. Kretschmann ist immerhin 70 Jahre alt – und Özdemir 53. Er ist damit im besten Alter sowie ohnehin energiegeladen und außerdem Schwabe wie Kretschmann, Realo wie Kretschmann und wirtschaftsnah wie Kretschmann. Özdemir brächte alle Voraussetzungen mit, seiner Partei das Ländle dauerhaft zu sichern. Der Hang zu Ecken und Kanten ist in einer solchen Position eher hilfreich als schädlich.

Wer geht ins Kabinett?

Sowohl für die Grünen als auch für Baden-Württemberg wäre es die Krönung der Geschichte des anatolischen Schwaben aus Bad Urach, der es trotz zahlreicher Hindernisse an die Spitze eines bedeutenden Bundeslandes geschafft hat. Dass Kretschmann vermutlich just in den nächsten Tagen verkünden wird, weiter zu machen, könnte sich im Nachhinein noch für alle Beteiligten als Fehler erweisen.

Es läge schließlich nahe, Özdemir auch ohne Fraktionsvorsitz die Chance auf einen Einzug ins nächste Bundeskabinett zu geben. Die Partei- und Fraktionsvorsitzenden wären gut beraten, ihn einzubinden. Denn Özdemir mag unbequem sein. Doch als Vorsitzender des Bundestags-Verkehrsausschusses, der er jetzt ist, bleibt er unter seinen Möglichkeiten.

Lesen Sie auch: Özdemir-Kandidatur: Bei den Grünen wird es spannend

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Von Markus Decker/RND

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