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Politik "Bunte" ließ offenbar Müntefering und Lafontaine bespitzeln
Mehr Welt Politik "Bunte" ließ offenbar Müntefering und Lafontaine bespitzeln
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18:12 24.02.2010
Auch Franz Müntefering soll bespitzelt worden sein. Quelle: dpa (Archiv)
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Eine Berliner Firma hat infolge eines Auftrags der Zeitschrift „Bunte“ unter anderem den früheren SPD-Chef Franz Müntefering und den scheidenden Linken-Chef Oskar Lafontaine bespitzelt. Das meldet der „Stern“ am Mittwoch. Die „Bunte“ bestätigte Rechercheaufträge, wies aber den Vorwurf unseriöser Methoden zurück.

Eine Berliner Foto- und Recherchefirma namens CMK habe Ende 2008 Müntefering und seine heutige Frau Michelle Schumann beschattet, berichtete der „Stern“. CMK-Leute hätten über Monate hinweg dessen damaligen Wohnsitz in Berlin observiert, um Details über die Beziehung zu Schumann in Erfahrung zu bringen und heimlich Fotoaufnahmen zu machen. Die Methoden der CMK glichen dem Bericht zufolge denen von Privatermittlern. So sei zum Beispiel Schumanns Briefkasten manipuliert worden, zudem habe Münteferings Fußmatte mit einem Melder präpariert werden sollen. Der Bericht über Müntefering und seine neue Beziehung sei samt der Bilder am 7. Mai 2009 in „Bunte“ erschienen.

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Bereits im Frühjahr 2008 hatte CMK laut „Stern“ den Auftrag erhalten, eine mögliche Beziehung Lafontaines zu der Linken-Abgeordneten Sahra Wagenknecht zu recherchieren. Dem Bericht zufolge forschte CMK Lafontaines damaliges Domizil im Berliner Stadtteil Köpenick aus. Ein Mitarbeiter der Firma habe zudem versucht, in der Linken-Fraktion des Bundestages einen Praktikumsplatz zu bekommen, um Lafontaine besser beobachten zu können. Auch der heutige CSU-Parteichef Horst Seehofer sei ins Visier der Agentur geraten. Der „Stern“ beruft sich in seinem Bericht auf interne Unterlagen der CMK sowie auf Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der Firma.

Die „Bunte“ räumte ein, CMK mit Recherchen über die Politiker beauftragt zu haben. Es sei üblich, externe Dienstleister zur Überprüfung von Hinweisen zu beauftragen. Über unseriöse Recherchemethoden sei der Zeitschrift aber nichts bekannt gewesen, hob der Burda-Konzern hervor. Dies habe die „Bunte“-Chefredaktion auch auf Anfrage des „Sterns“ am vergangenen Freitag schriftlich klargestellt. Der „Stern“ erwecke dennoch den Eindruck, als ob die Bespitzelung im Auftrag der „Bunten“ erfolgt sei. Dies sei der „Versuch der Verleumdung eines erfolgreichen Mitbewerbers“. Ein Konzernsprecher kündigte daher an: „Der Verlag leitet juristische Schritte gegen den Stern ein.“

Die Berliner Firma CMK bestätigte auf „Stern“-Anfrage, hinter Müntefering, Lafontaine und Seehofer her gewesen zu sein. Es habe sich um journalistisch begründete Jobs gehandelt. „Unsere Recherchemethoden bewegen sich stets im Bereich des presse- und standesrechtlich Zulässigen“, betonte CMK. Für die „Bunte“ verwies der Burda-Konzern darauf, dass CMK-Inhaber Stefan Kießling befragt worden sei und versichert habe, keine unlauteren Recherchemethoden angewandt zu haben. Von zwei ehemaligen Mitarbeitern, auf die sich der „Stern“ als Informanten beruft, habe er sich im April 2009 im Streit getrennt.

Deutliche Kritik kam von der SPD und auch aus der Linksfraktion. „Wenn sich das bewahrheitet, ist das ein unverschämter Übergriff in die Privatsphäre von Franz Müntefering, der durch nichts zu rechtfertigen ist“, erklärte SPD-Parlamentsgeschäftsführer Thomas Oppermann. SPD-Justizexpertin Brigitte Zypries sagte der „Welt“ (Donnerstagausgabe): „Wenn die ’Bunte’ Privatdetektive mit der Beschattung des Privatlebens von Politikern beauftragt, ist das schlicht rechtswidrig“. Ein Sprecher der Linksfraktion im Bundestag hob hervor: „Das hat mit ernsthaftem und seriösem Journalismus nichts zu tun.“

afp