Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Bundeswehrverband spricht von "Krieg“ in Kundus
Mehr Welt Politik Bundeswehrverband spricht von "Krieg“ in Kundus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:53 11.09.2009
Anzeige

Die Soldaten im Raum Kundus seien „nicht mehr auf einer Friedensmission“, sondern „im Krieg“, sagte Verbandsvorsitzender Oberst Ulrich Kirsch am Freitag in Berlin. Bei dem von einem deutschen Offizier vor einer Woche befohlenen NATO-Luftschlag waren mehr als 50 Menschen getötet worden. Außerdem kritisierte der Chef des Bundeswehrverbands den Rechtsstatus der deutschen Soldaten. Die Soldaten müssten fürchten, dass zu Hause stets der Staatsanwalt warte, da der Einsatz im Ausland nicht anders verfolgt werde als im Inland. Kirsch beklagte eine verzerrte Wahrnehmung des Einsatzes: „Unsere Soldaten fallen, unsere Soldaten schießen und unsere Soldaten töten - für mich ist das ein Krieg“, betonte Klein.

„Wer hier im friedlichen Deutschland will sich anmaßen, diese Entscheidung zu bewerten, ohne die Ermittlungsergebnisse abzuwarten“, mahnte Kirsch. Nicht vergessen werden sollte, dass die Kundus-Optionen eingeschränkt gewesen seien: Entweder Nichtstun und damit einen Selbstmordanschlag in Kauf nehmen, oder Bodentruppen bei der Möglichkeit hoher eigener Verluste einzusetzen oder eben Luftunterstützung anzufordern. Letzteres habe der dortige deutsche ISAF-Kommandeur getan. Daher stelle sich der Bundeswehrverband klar hinter Oberst Georg Klein.

Anzeige

Kirsch forderte im Namen der gut 200 000 in seinem Verband organisierten Soldaten, endlich auch juristisch zu reagieren und eine eigene für Auslandseinsätze zuständige Staatsanwaltschaft möglichst in Potsdam zu schaffen. „Die Justiz ist noch lange nicht einsatzfest“, bemängelte der Chef des Bundeswehrverbandes unter Verweis auf teilweise sich Monate hinziehende Untersuchungen. Es sollte endlich anerkannt werden, dass es einen Unterschied gebe „zwischen einem Checkpoint in Kundus oder einer Verkehrkontrolle am Stadtrand von Bielefeld“.

ddp

Mehr zum Thema

Schlechte Nachrichten für die NATO: Die radikalislamistischen Taliban sind nach Einschätzung des internationalen Forschungsinstituts ICOS mittlerweile wieder in fast ganz Afghanistan aktiv.

11.09.2009

Die Bundesregierung hat mit formalen diplomatischen Protesten versucht, die internationale Kritik an dem Luftschlag in Afghanistan einzudämmen. In allen wichtigen NATO-und EU-Partnerländern wurden die deutschen Botschafter vorstellig.

11.09.2009

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat der NATO die volle Unterstützung bei der Aufklärung des umstrittenen Luftangriffs gegen die Taliban in Afghanistan zugesagt.

10.09.2009