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Politik Buback verlangt über Stasi-Aktionen im Westen Klarheit
Mehr Welt Politik Buback verlangt über Stasi-Aktionen im Westen Klarheit
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23:06 25.05.2009
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Fordert Auflkärung: Michael Buback Quelle: Uli Deck/ddp
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Der Sohn des früheren Generalbundesanwalts Buback zweifelt bis heute an den offiziellen Angaben der Behörden. Bei dem Attentat auf seinen Vater am 7. April 1977 in Karlsruhe wurden Buback und zwei Begleiter erschossen. Es war der erste Mord der Terrorgruppe RAF an einem führenden Repräsentanten der Bundesrepublik.

Michael Buback ist überzeugt, dass die frühere RAF-Terroristin Verena Becker seinen Vater erschossen hat und „durch einige Ermittler, durch ein Zusammenwirken mit Geheimdiensten, aber wohl auch durch Beiträge einiger Personen in der Bundesanwaltschaft“ vor Strafverfolgung verschont wurde. Es habe da eine „schützende Hand“ gegeben.

„Ich habe schon als Junge gedacht, meinen Vater holt mal die Stasi“, sagte Buback am Montag dieser Zeitung. „Mein Vater hat sich sein Arbeitsleben lang mit Landesverrat und Spionage befasst. Wenn man ihm ans Leder wollte, dann deshalb.“

So ermittelte Siegfried Buback unter anderem in der Affäre um den DDR-Spion Günter Guillaume, die 1974 zum Rücktritt von Bundeskanzler Willy Brandt führte.

Unterdessen wird Kritik an der Arbeit der Stasiunterlagen-Behörde laut. Berlins Innensenator Ehrhart Körting forderte die Behörde unter Leitung von Marianne Birthler auf, die Spionage der DDR-Staatssicherheit in der Bundesrepublik stärker zu untersuchen. „Dass sowas durch Zufall rauskommt, spricht nicht dafür, dass man in 20 Jahren ein vernünftiges Archiv angelegt hat“, sagte der SPD-Politiker am Montag und kündigte eine Überprüfung der Pensionsansprüche des 81-jährigen Polizisten Kurras an, der 1967 Ohnesorg erschossen hatte. Kurras war, wie erst jetzt bekannt wurde, Mitglied der SED und Mitarbeiter des DDR-Staatssicherheitsdienstes.

Grundsätzlich müssten hier wohl noch einige Punkte aufgearbeitet werden, sagte Körting. „Die Frage ist, welchen Einfluss hat die Stasi in West-Berlin und in der Bundesrepublik gehabt?“ Agenten habe es ja nicht nur bei der Polizei gegeben, sondern auch in Parteien und anderen Behörden. Die Birthler-Behörde sollte „ihre Auswertung auf diesen Punkt“ richten. „Das wurde aber bisher nicht in dem Maße aufgearbeitet, wie es bei den Bürgern der DDR aufgearbeitet wurde.“

Der Bundestag diskutiert am Freitag über die frühere DDR-Spionage. Das Parlament stimmt über einen FDP-Antrag ab, der eine Untersuchung über die Zahl ehemaliger Stasi-Mitarbeiter in Bundesministerien und Bundesbehörden fordert. Dabei sollte auch danach geforscht werden, welche Bundestagsabgeordneten von 1949 bis 1989 der Stasi zugearbeitet haben.

von Wiebke Ramm und Stefan Koch