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Politik Braunkohle-Proteste: Aktivisten verletzen Polizisten – Pumpstationen angezündet
Mehr Welt Politik Braunkohle-Proteste: Aktivisten verletzen Polizisten – Pumpstationen angezündet
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21:36 22.06.2019
Ein Polizist versucht, eine Aktivistin am Betreten des Tagebau Garzweiler zu hindern. Quelle: David Young/dpa
Rommerskirchen

Bei den Protesten im rheinischen Braunkohlerevier sind am Samstag Aktivisten auf das Gelände des Tagebaus Garzweiler vorgedrungen. Die großteils in weißen Overalls gekleideten Demonstranten durchbrachen an mehreren Stellen die Polizeikette.

Die Behörden meldeten kurz darauf erste Verletzte. Nach derzeitigem Stand verletzten sich acht Beamte. Vermutlich sind sie gestürzt, als sie von den Demonstranten praktisch überrannt wurden. Die Polizei benutzte ihrerseits Pfefferspray, um Aktivisten zu stoppen. Die Protestgruppe „Ende Gelände“ prangert via Twitter „Polizeigewalt“ an.

Zudem haben Unbekannte am Samstag in Mönchengladbach-Wanlo am Rand des Tagebaugebiets Garzweiler den Schaltschrank einer Pumpstation von RWE in Brand gesetzt.

Die Polizei gehe von vorsätzlicher Brandstiftung aus, sagte eine Sprecherin. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass das Feuer im Zusammenhang mit der Klimademonstration gelegt worden sei, hieß es. Menschen kamen nicht zu Schaden. Die Feuerwehr löschte den Schaltkasten.

„Unglaublicher Leichtsinn“

Bereits am Freitagabend hatte den Angaben zufolge eine Pumpstation im nur wenige Kilometer entfernten Lützerath gebrannt. Auch hier vermutet die Polizei eine Brandlegung.

Im Tagebau Jackerath kam es am Samstagabend zu versuchten Gefangenenbefreiungen. Die Polizei Aachen appellierte via Twitter an die Demonstranten, sich „besonnen und kooperativ“ zu verhalten und „Befreiungsversuche und Angriffe auf Beamte“ zu unterlassen. Ferner berichtete die Behörde via Twitter, dass Demonstranten versuchten, die Abbruchkante des Tagebaus hochzuklettern und warnte vor „Lebensgefahr“. Die Abbruchkante könne „abrutschen“.

Der NRW-Chef der GdP, Michael Mertens, sprach am Nachmittag von einem „unglaublichen Leichtsinn“ der Aktivisten. Die Abbaukanten im Tagebau seien auch deshalb so gefährlich, weil man oben oft gar nicht sehe, wenn darunter gar kein Grund mehr sei. „Da können Sie 40 Meter tief stürzen“, so Mertens zur Deutschen Presse-Agentur.

Hunderte laufen in die Grube des Tagebau:

Er prophezeite einen „langen Tag“ für die Polizei, da das Eindringen in den Tagebau wohl keine Einzelaktion bleiben würden. Mertens lobte gleichzeitig die friedliche Demo der „Fridays For Future“-Teilnehmer.

Woran sich zeitgleich rund 7.000 Menschen beteiligten. Zudem gab es eine Fahrraddemo mit mehreren hundert Menschen von Erkelenz nach Keyenberg. Dort sollte später die Abschlusskundgebung stattfinden, zu der etwa 8.000 Demonstranten erwartet wurden.

Hier lesen: Tausende Schüler demonstrieren in Aachen für Klimaschutz

Auch war geplant, eine symbolische Menschenkette zwischen dem Ort und dem nur etwa 100 Meter entfernten Tagebau zu bilden. Keyenberg sei einer von sechs von der Abbaggerung betroffenen Orte in der Region, erklärte Christopher Laumanns von „Alle Dörfer bleiben!“. Die Initiative hatte unter anderem mit dem Aktionsbündnis „Ende Gelände“ und „Fridays for Future“ zum Protest aufgerufen.

Bahnstrecke zu RWE-Kraftwerk blockiert

Derweil dauerte eine am Freitagabend begonnene Blockade der Bahnstrecke zum RWE-Braunkohlekraftwerk Neurath in Grevenbroich an. Mehrere hundert Aktivisten hielten im Bereich Rommerskirchen weiterhin die Gleise besetzt, wie die Polizeisprecherin bestätigte. Ziel der etwa 800 Protestler ist laut „Ende Gelände“, die Kohlezufuhr zum größten Kraftwerk Deutschlands zu stoppen.

Nach Angaben eines RWE-Sprechers wird auch die Hambachbahn von Aktivisten blockiert, über die die Kraftwerke Niederaußem und Neurath mit Braunkohle versorgt werden.

Demonstranten blockieren die Gleise:

Dadurch sei der Betrieb der Kraftwerke zunächst nicht unmittelbar betroffen, sagte der Sprecher dem epd. Er wollte keine Prognose abgeben, wie lange das Unternehmen von seinen Reserven zehren kann.

Weiterlesen:

Warum trotz Kohleausstieg noch Dörfer weggebaggert werden

Von RND/epd/dpa/ka