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Politik Bombe vor Parlament in Athen explodiert
Mehr Welt Politik Bombe vor Parlament in Athen explodiert
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10:11 10.01.2010
Das Parlament in Athen nach dem Anschlag.
Das Parlament in Athen nach dem Anschlag. Quelle: afp
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In der Serie von Anschlägen mutmaßlicher Extremisten in Griechenland ist erstmals das Parlament in Athen ins Visier genommen worden. Nach einer telefonischen Warnung explodierte am Samstagabend vor dem Parlamentsgebäude ein Sprengsatz, der jedoch nur geringen Sachschaden anrichtete. Der griechische Regierungschef Giorgios Papandreou begab sich an den Anschlagsort und sagte, die Demokratie lasse sich nicht terrorisieren.

Die Explosion ereignete sich nach Angaben aus Polizeikreisen am Sonnabend um 19.57 Uhr Ortszeit vor dem griechischen Parlament und in der Nähe des Grabes des unbekannten Soldaten. Kurz vorher war ein Warnanruf bei der griechischen Zeitung „Eleftherotypia“ eingegangen, so dass die umliegenden Gebäude und Straßen rechtzeitig evakuiert werden konnten. Die Explosion zerstörte lediglich ein paar Scheiben von nahegelegenen Wachhäuschen der Polizei. Der Wachwechsel vor dem Parlament gehört zu den touristischen Attraktionen Athens.

Aus Polizeikreisen hieß es, der Sprengsatz sei entsprechend der Ankündigung des Anrufers 17 Minuten nach der Warnung detoniert. Der mit einem Zeitzünder versehene Sprengsatz war demnach in einem Abfalleimer deponiert worden. Anti-Terror-Ermittler wurden mit der Untersuchung des Vorfalls beauftragt.

Regierungschef Papandreou begab sich nach dem Anschlag in sein Büro im Parlamentsgebäude, um mit Mitarbeitern eine Krisensitzung abzuhalten. Bei seiner Ankunft sagte er: „Die Demokratie lässt sich nicht terrorisieren.“

Bürgerschutzminister Michalis Chryssohoidis wies auf die hohe symbolische Bedeutung hin, die der für den Anschlag gewählte Ort für die Griechen habe. Der Platz vor dem Parlament werde nicht besonders bewacht und dies werde auch so bleiben. „Wir werden Athen nicht einer Herrschaft der Polizei unterwerfen, das ist eine freie und offene Stadt“, erklärte der Minister.

In Griechenland werden immer wieder Anschläge von autonomen Gruppen verübt. Nach dem Tod eines Jugendlichen durch eine Polizeikugel im Dezember 2008 nahmen die Gewalttaten zu. Erst vor knapp zwei Wochen wurde ein Bombenanschlag auf ein Gebäude der größten griechischen Versicherung Ethniki Asfalistiki im Zentrum von Athen verübt. Die mit einem Warnanruf angekündigte Explosion richtete großen Sachschaden an. Zu der Tat bekannte sich in einem linksextremen Internet-Blog eine Gruppe mit Namen „Verschwörung der Feuerzellen“. Die Gruppe erklärte, sie habe „die Ruhe in der Stadt“ stören wollen, um ihrer Kritik am westlichen Lebensstil Ausdruck zu verleihen.

Auch die Gruppe Revolutionärer Kampf (EA) zeichnet sich für Anschläge in Griechenland verantwortlich. Im September bekannte sie sich zu einem Attentat auf die Athener Börse, bei dem ebenfalls niemand verletzt wurde. Die Europäische Union stuft die EA als Terrororganisation ein.

afp