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Politik Blutige Zusammenstöße zwischen Einwanderern und Polizei
Mehr Welt Politik Blutige Zusammenstöße zwischen Einwanderern und Polizei
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20:18 08.01.2010
Wütende Wanderarbeiter in Rosarno. Quelle: AP
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Die Ausschreitungen in der kalabrischen Kleinstadt Rosarno begannen am Donnerstagabend, nachdem zwei junge Afrikaner von Unbekannten beschossen und leicht verletzt worden waren.
Die aufgebrachten Landarbeiter skandierten Parolen wie „Rassisten, Rassisten“. Sie bewarfen Polizisten mit Steinen, auch Passanten wurden angegriffen. Laut einem Bericht der italienischen Nachrichtenagentur Apcom stieg am Freitag ein verzweifelter Hausbesitzer auf das Dach seines Hauses und gab mehrere Schüsse in die Luft ab, nachdem eine Gruppe von Randalierern seine Frau und Töchter mit Steinen beworfen hatte und in das Wohnhaus der Familie eingedrungen war.

Der Gouverneur von Kalabrien, Agazio Loiero, verurteilte das Verhalten der Einwanderer in einem Fernseh-Interview als inakzeptabel. Er räumte aber ein, die Afrikaner seien „heftig provoziert“ worden. Unter den 34 Verletzten sind den Angaben zufolge 18 Polizisten.

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Es wurden auch mehrere Personen festgenommen. Die genaue Zahl war bis zum Abend nicht bekannt. Die Carabinieri verwiesen darauf, dass die Ausschreitungen noch anhielten. Das Innenministerium hatte zuvor von mindestens sieben Festnahmen aufseiten der Einwanderer gesprochen. Auch mehrere Einheimische wurden festgenonommen, darunter der Fahrer eines Bulldozers, der versucht hatte, mit dem schweren Baufahrzeug einen Einwanderer zu überfahren.

Der italienische Innenminister Roberto Maroni erklärte, die Ausschreitungen seien ein Beweis dafür, dass die illegale Einwanderung schärfer bekämpft werden müsse. „Viele Jahre lang ist eine illegale Einwanderung toleriert worden, die einerseits die Kriminalität erhöht und andererseits zu extrem schwierigen Situationen geführt hat“, sagte Maroni in einem Fernseh-Interview. Die aktuelle Regierung habe der Einwanderung über die Mittelmeerinsel Lampedusa ein Ende bereitet und damit „das Problem bei der Wurzel gepackt“.

Ein Bürgerkomitee in Rosarno forderte, alle illegal eingewanderten Ausländer müssten aus der Stadt ausgewiesen werden. „Wir sind keine Rassisten, gegen legale Einwanderer haben wir gar nichts, wir wollen nur Sicherheit für die Bürger“, zitierte Apcom die Gruppe.

Die italienische Zeitung „Corriere della Sera“ berichtete, die als Landarbeiter eingesetzten Afrikaner lebten in Rosarno unter unmenschlichen Bedingungen. Sie seien in einer verlassenen Fabrik untergebracht.

ap