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23:11 27.05.2010
Von Nicola Zellmer
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Doch ist Biokost tatsächlich besser für die Gesundheit als herkömmliche Ware? Die Stiftung Warentest hat für ihren „Bio-Check“ insgesamt 85 Lebensmitteluntersuchungen zu 249 Bioprodukten und 1007 konventionellen Produkten aus den vergangenen acht Jahren ausgewertet. Ihr Fazit: „Hinweise darauf, dass Bioware gesünder oder schmackhafter ist als konventionelle, geben die Testergebnisse nicht.“ Auf beiden Seiten gebe es „sehr gute“, aber auch „mangelhafte“ Produkte.

Gaby Kressel, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Lebensmittelwissenschaft und Ökotrophologie der Leibniz Universität Hannover, überrascht dieses Ergebnis nicht. „Genetisch ist ein Apfel ein Apfel“, sagt sie. „Auch die enthaltenen Nährstoffe sind gleich. Nur die Anbaumethoden unterscheiden sich.“ Geschmack und Inhaltsstoffe würden vor allem von Sorte und Größe der Frucht abhängen, erklärt die Ernährungsexpertin.

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Deutlich besser als konventionelle Lebensmittel schneiden die Bioprodukte dagegen in puncto Pestizidbelastung und Umweltverträglichkeit ab. „Weil der Bioapfel nicht gespritzt werden darf, sind auf der Schale weniger oder keine Schadstoffe vorhanden“, erklärt Kressel, fügt aber hinzu, dass die EU-Pestizidrichtlinie auch für herkömmliche Produkte aus den Mitgliedsstaaten eine niedrige Belastung mit Unkrautvernichtern und Co. garantiert. „Ich empfehle Obst und Gemüse aus regionalem Anbau“, sagt sie.Geht man nach den Untersuchungsergebnissen der Warentester, muss der Verbraucher künftig genau hinschauen, um das optimale Lebensmittel zu finden. So schnitten bei frischer Vollmilch die Bioprodukte am besten ab, bei nativem Rapsöl lagen dagegen die konventionellen Hersteller vorn, weil das Bioöl sensorische Mängel hatte. Insgesamt haben die Bioprodukte aber auch hier aufgeholt. So fanden die Tester, dass Biomargarine nicht mehr seifig schmeckte wie noch 2002. Auch die Keimzahl, etwa in Bioräucherlachs, war zurückgegangen.

Thomas Dosch, Präsident des Anbauverbandes Bioland, freut sich, dass die Stiftung Warentest differenzierter urteilt als noch vor acht Jahren. „Es ist schön, dass auch der Nachhaltigkeit Platz gewidmet wurde“, sagt er etwa. Nachteile für die Biowaren sieht er durch die Ergebnisse nicht. „Der Erfolg der Bioprodukte in der Vergangenheit zeigt, dass die Menschen sich nicht so einfach von derartigen Informationen beeinflussen lassen“, meint er. Doch ist der Bioapfel für ihn auch leckerer als sein konventionelles Gegenstück? „Absolut“, sagt Dosch überzeugt. „Das schmeckt man.“