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Politik Bio-Betrüger kassieren 220 Millionen
Mehr Welt Politik Bio-Betrüger kassieren 220 Millionen
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13:14 08.12.2011
Von Marina Kormbaki
Foto: Unechtes Siegel: Falsch deklarierte Ware aus Italien ging jahrelang auch nach Deutschland.
Unechtes Siegel: Falsch deklarierte Ware aus Italien ging jahrelang auch nach Deutschland. Quelle: dpa
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Hannover

Die Tätergruppe erzielte im Laufe der Jahre einen Umsatz von rund 220 Millionen Euro. Die Ware wurde in mehrere europäische Staaten verkauft, auch nach Deutschland. Die Gruppe soll herkömmliche Ware über Tarnfirmen in Rumänien und Italien angekauft, sie mit dem europäischen Biosiegel versehen und schließlich zu höheren Preisen weiterverkauft haben. Unter den Verhafteten sind drei Chefs italienischer Lebensmittelkonzerne und der Direktor einer Zertifizierungsbehörde. Bei einer Razzia in Verona stellte die Polizei 2500 Tonnen falsch deklarierte Bioerzeugnisse sicher, darunter Weizen, Sojabohnen, Mehl und Obst.

Das ungewöhnlich große Ausmaß des systematischen Betrugs lässt nun europaweit Kunden, Verbraucherschützer und auch Politiker an den Kontrollen bei ökologisch hergestellten Lebensmitteln zweifeln. Als Problem gilt unter Experten das Biosiegel der EU, dessen Verwendung offenbar nicht in allen Staaten gleich streng kontrolliert wird.

Brigitte Ahrens von der Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen sagte am Mittwoch, Italien habe schon vor geraumer Zeit das Misstrauen der Verbraucherschützer geweckt. Der Umsatz mit Bioware aus Italien hatte sich in den vergangenen zehn Jahren verdreifacht. Inzwischen weist Italien europaweit die höchste Anzahl zertifizierter Bioproduzenten auf. Unklar ist aber, ob tatsächlich ein so tief greifender Strukturwandel stattgefunden hat – oder ob die Veränderung vor allem auf den Etiketten stattfand.

„Dieser Skandal spricht nicht gegen Biolebensmittel, sondern gegen die Arbeit der Behörden“, betonte am Mittwoch der agrarpolitische Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag,  Christian Meyer. Der Grünen-Politiker fordert die Schaffung einer europaweiten Datenbank, die Anbauflächen, vertriebene Produktmengen und Lieferwege dokumentiert: „Auch den Kontrollbehörden anderer Staaten muss es möglich sein, den Weg von Bioprodukten quer durch Europa nachzuvollziehen.“

Nach Angaben italienischer Behörden geht von den Waren keine Gesundheitsgefahr aus. Am Mittwoch war noch unklar, welche deutschen Handelsketten Produkte der verdächtigen italienischen Firmen Sunny Land, Sona und Bioeco­italia bezogen haben.

07.12.2011
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