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Politik Bier-Aufkauf, Spendenlauf, bunte Wolle: So kreativ protestieren Anwohner gegen Rechtsextreme
Mehr Welt Politik Bier-Aufkauf, Spendenlauf, bunte Wolle: So kreativ protestieren Anwohner gegen Rechtsextreme
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14:06 23.06.2019
Ein Bierdeckel mit der Aufschrift „Kein Kölsch für Nazis Quelle: dpa
Ostritz/Berlin

Kein Bier für Nazis: Mit ihrem kreativen Protest gegen das rechtsextreme „Schild und Schwert Festival“ haben die Einwohner im ostsächsischen Ostritz ein viel beachtetes Signal gesendet – auch in den sozialen Netzwerken. Nachdem für die als politische Demonstration angemeldete Veranstaltung ein Alkoholverbot verhängt worden war, hatte das Internationale Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ) am Samstag die Biervorräte eines Supermarktes aufgekauft.

„Wir sind froh, dass wir damit ein Zeichen setzen konnten für Bürgerengagement“, sagte der Vorstandsvorsitzende der IBZ-Stiftung, Michael Schlitt, am Sonntag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Man habe auch damit klar gemacht, dass man in Ostritz keine Neonazis wolle. Nach der gerichtlichen Bestätigung des Alkoholverbots für das Rechtsrock-Konzert auf dem Gelände eines früheren Hotels hatte zuvor bereits die Polizei 4200 Liter Bier beschlagnahmt und bei Kontrollen der Anreisenden rund 200 Liter alkoholische Getränke eingezogen.

In einer Spontanaktion kauften dann die Ostritzer laut Schlitt deutlich mehr als 100 Kästen Bier in einem Supermarkt auf. Die Biervorräte seien nun erstmal eingelagert und sollten dann in absehbarer Zeit mit den engagierten Helfern getrunken werden.

Der „unfreiwilligste Spendenlauf Deutschlands“

Es ist nicht das erste Mal, dass Anwohner oder Gegendemonstranten mit kreativen Aktionen gegen Neonazis demonstrieren. Große Aufmerksamkeit bekam etwa im Jahr 2014 der bayerische Ort Wunsiedel. Die Anwohner hatten sich dort jahrelang gegen den alljährlichen Neonazi-Aufmarsch zum Volkstrauertag gewehrt. 2014 versuchten sie es dann mit Humor – und dem „unfreiwilligsten Spendenlauf Deutschlands“.

Für jeden Meter, den die Neonazis zum Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß unterwegs waren, spendeten Unternehmen und Bürger. Das Geld ging an das Neonazi-Aussteigerprogramm Exit. Die Aktion war so populär, dass sie Nachahmer in anderen Orten Deutschlands fand.

Eine andere Art von Protest ist die Regensburger Gastwirt-Initiative „Keine Bedienung für Nazis“. Nach einem rassistisch motivierten Angriff auf einen Barkeeper in der Stadt im Jahr 2010 war die Initiative gegründet worden, zwei Jahre später machten fast 150 Gastronomen mit – und auch andere bayerische Städte schlossen sich an.

„Kein Kölsch für Nazis“

Kölner Wirte und Klubbesitzer zogen schließlich 2017 mit einer ähnlichen Aktion nach. Angesichts des AfD-Parteitages, der in der Dom-Stadt stattfand, hatten sie sich zusammengeschlossen, um gegen die Partei und gegen Rassismus zu protestieren. „Kein Kölsch für Nazis“ wurde auf 200.000 Bierdeckel gedruckt, die in Kölner Kneipen ausgelegt wurden.

In Bad Nenndorf versuchte man es unter anderem mit Handarbeit. Auch dort riefen Neonazis jahrelang zu einem „Trauermarsch“ auf – und die Einwohner zeigen ihnen deutlich ihr Motto: Bunt statt braun. Bäume, Laternen und vieles mehr erhielten ein buntes Kleid aus Wolle, schrieben etwa 2013 die „Schaumburger Nachrichten“.

Im vergangenen Jahr erhielt dann das Bündnis Bad Nenndorf das Bundesverdienstkreuz am Bande. Denn die Einwohner waren jahrelang in ihren Vorgärten entlang der Aufmarschstrecke mit Party-Musik, Spott-Liedern und Konfetti dem „Traueraufmarsch“ begegnet. Seit 2016 ließen sich die Neonazis dann nicht mehr blicken.

In Dortmund setzte man ebenfalls auf Bunt, als dort 2018 Neonazis demonstrierten: Die Grüne Jugend warf Farbstaub in die Luft, wie die „Ruhr Nachrichten“ damals berichteten. Und zum Übertönen der rechtsextremen Parolen wurden Töpfe geschlagen.

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Von RND/das/dpa

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