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Politik Biden und Putin treffen sich in Genf - Was man über den Gipfelort wissen muss
Mehr Welt Politik Biden und Putin treffen sich in Genf - Was man über den Gipfelort wissen muss
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08:21 16.06.2021
Menschen überqueren eine mit US-amerikanischen und russischen Nationalflaggen geschmückte Brücke in Genf. US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin treffen sich am Mittwoch, 16. Juni 2021 am Genfersee zu ihrem ersten Gipfel.
Menschen überqueren eine mit US-amerikanischen und russischen Nationalflaggen geschmückte Brücke in Genf. US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin treffen sich am Mittwoch, 16. Juni 2021 am Genfersee zu ihrem ersten Gipfel. Quelle: Markus Schreiber/AP/dpa
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Genf

Halb Genf ist im Lockdown - aber nicht wegen eines Virus, sondern wegen zwei wichtigen VIPs: diese „Very Important Persons“, US-Präsident Joe Biden und der russische Präsident Wladimir Putin, sorgen mit ihrem Gipfeltreffen am Mittwoch dafür, dass ganze Straßen und das halbe Becken des Genfersees abgeriegelt werden. Was man über den Gipfelort wissen muss:

Der Treffpunkt

Als Treffpunkt der beiden wurde die Villa La Grange aus dem 18. Jahrhundert mit Blick auf den Genfersee gewählt. Sie gehört der Stadt seit gut 100 Jahren und wird für repräsentative Zwecke genutzt. Bekannt ist die Bibliothek aus dem Jahr 1821 mit einer renommierten Sammlung von etwa 15.000 Werken. Zum Anwesen gehört auch ein Restaurant, in dem die Flasche Perrier-Wasser, 33 Milliliter, die für Genf durchaus üblichen 10 Franken (etwa 9,20 Euro) kostet. Joe Biden ist gut 6500 Kilometer von seiner Wohnung im Weißen Haus entfernt, Kreml-Chef Putin hat es nur gut 2400 Kilometer weit bis nach Hause.

Klimaanlage darf nicht fehlen

Der Komfort soll trotz herrschaftlicher alter Villa nicht zu kurz kommen. Es sei um eine Klimaanlage gebeten worden, wie Stadtrat Sami Kanaan berichtete. Welche Delegation diese Auflage machte, verriet er nicht. „Wir konnten natürlich keine Löcher bohren“, sagte er im Schweizer Fernsehen. Deshalb wurden eigens temporäre Kühlungsgeräte in der Villa La Grange installiert. Womöglich ein weiser Entschluss: Es werden über 30 Grad erwartet.

Die Geschichte

Der legendäre Vorläufer des Gipfels ist die Begegnung 1985 zwischen US-Präsident Ronald Reagan mit Michael Gorbatschow, damals Generalsekretär des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Die Bilder von Reagan und Gorbatschow entspannt und lachend vor dem Kamin gingen um die Welt. Es war der Beginn des Endes des Kalten Krieges. Sie entstanden in der Villa Fleur d'Eau in Versoix auf der anderen Seeseite.

Die Persönlichkeiten

1985 war der 74-jährige Reagan nach fünf Jahren Amtszeit ein alter Hase im Geschäft. Er traf den 20 Jahre jüngeren Gorbatschow, der erst ein paar Monate zuvor ernannt worden war. Dieses Mal ist es umgekehrt: Putin (68) ist nach 21 Jahren als Ministerpräsident oder Präsident ein langjähriger Amtsträger, Biden (78) ist noch keine fünf Monate im Amt. Er war aber acht Jahre Vizepräsident von Barack Obama und hat Putin schon öfters getroffen.

Corona und Impfung

Die Schweizer verlangen von den zum Gipfel Angereisten entweder einen negativen Corona-Test oder den Nachweis einer Impfung. Der Haken: Nur in der Schweiz, der EU oder von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassene Impfstoffe werden akzeptiert. Der russische Impfstoff Sputnik gehört nicht dazu. Kreml-Chef Putin und seine Entourage brauchen aber keine Tests vorzuweisen, für sie gilt eine Ausnahme.

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Sicherheit

Der Luftraum über Genf wird am Mittwoch teils gesperrt, ein Teil des Stadtgebiets während des Treffens rote Zone und damit Sperrgebiet. 95 Prozent der rund 2000 Genfer Polizisten sind im Einsatz, und sie werden von 1000 Armeeangehörigen unterstützt.

Und warum Genf?

Erstens gehört die Schweiz als neutrales Land keinem ideologischen Lager an. Zweitens vertrauen beide Regierungen auf die guten Dienste der Schweiz in Ländern, zu denen sie keine diplomatischen Beziehungen haben: So vertritt Bern die USA im Iran und Russland in Georgien. Drittens hat Genf eine lange Tradition mit wichtigen Verhandlungen und Konferenzen. Ein Überblick:

In Genf wurde 1863 der Grundstein für das humanitäre Völkerrecht gelegt, durch Henri Dunant, den Gründer des Roten Kreuzes. Der europäische Sitz der Vereinten Nationen ist dort, ebenso viele UN-Organisationen. 1954 beendete das Genfer Abkommen den Indochinakrieg und führte zur Unabhängigkeit Vietnams. 1994 und 2000 verhandelten US-Präsident Bill Clinton und der syrische Staatspräsident Hafis al-Assad über den Golan-Konflikt. 2009 starteten die USA und Russland erfolgreiche Verhandlungen über ein neues Start-Abkommen zur Begrenzung der strategischen Atomwaffen. In Genf und im nahen Lausanne wurde zudem 2015 der Grundstein für das Rahmenabkommen über das iranische Atomprogramm und die Aufhebung der internationalen Sanktionen gelegt.

RND/dpa

Der Artikel "Biden und Putin treffen sich in Genf - Was man über den Gipfelort wissen muss" stammt von unserem Partner, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.