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Politik Berlusconi bleibt nach Angriff länger im Krankenhaus
Mehr Welt Politik Berlusconi bleibt nach Angriff länger im Krankenhaus
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16:32 14.12.2009
Vor dem Krankenhaus, in dem Silvio Berlusconi liegt, wurden Sicherheitskräfte postiert. Quelle: afp
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Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi muss nach der Attacke bei einer Parteiveranstaltung in Mailand länger im Krankenhaus bleiben als zunächst angenommen. Da die Verletzungen „schlimmer“ seien als erwartet, könne er nicht vor Dienstag entlassen werden, erklärte sein Leibarzt Alberto Zangrillo am Montag. Die Attacke des offenbar geistig verwirrten Mannes löste eine Debatte über mangelnde Sicherheitsvorkehrungen aus.

Berlusconi erlitt bei dem Angriff am Sonntagabend Prellungen im Gesicht und einen leichten Nasenbeinbruch, wie aus dem Gesundheitsgutachten Zangrillos hervorgeht. Außerdem seien zwei Zähne abgebrochen. In den nächsten 24 bis 36 Stunden könne der Politiker nicht entlassen werden. Der 73-Jährige leide an starken Kopfschmerzen und habe wegen Verletzungen an der Lippe Probleme beim Essen, erklärte Zangrillo. Ein chirurgischer Eingriff sei jedoch nicht nötig. Nach Angaben der Ärzte dürfte es knapp drei Wochen dauern, bis er wieder fit ist.

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Die Nachrichtenagentur Ansa hatte zuvor unter Berufung auf Zangrillo berichtet, Berlusconi habe eine ruhige Nacht verbracht und am Morgen die Tageszeitungen verlangt. Deren Titelseiten zeigten durchweg Fotos mit dem blutverschmierten Gesicht des Regierungschefs. Der Angriff zeige „die Verschlechterung des politischen Klimas“, schrieb die linke Zeitung „La Repubblica“, die selten mit Kritik an Berlusconi spart. „Freunde und Feinde“ müssten „Solidarität“ mit dem Ministerpräsidenten zeigen, da „nichts weniger als die Freiheit“ auf dem Spiel stehe.

Vor der San-Raffaele-Klinik wurde ein Plakat mit Genesungswünschen für Berlusconi aufgehängt. „Die wahren Italiener sind immer bei dir“, war darauf zu lesen. Am Krankenbett erreichten Berlusconi erste Anrufe mit Genesungswünschen von Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy und Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin. Senatspräsident Renato Schifani und der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Gianfranco Fini, statteten ihm einen Besuch ab.

Massimo T., der Berlusconi eine Nachbildung des Mailänder Doms in Miniaturform ins Gesicht geworfen hatte, sitzt laut Ansa in einer Einzelzelle und wird überwacht. Dem Bericht zufolge mussten Beamte den 42-Jährigen nach dem Angriff von einer wütenden Menge abschirmen. Er habe Tränengas und ein Kruzifix bei sich getragen. Den Angaben zufolge ist der 42-Jährige seit Jahren in psychiatrischer Behandlung, polizeilich aber nicht bekannt.

Der Regierungschef hatte seinem Sprecher zufolge befürchtet, Opfer eines Angriffs zu werden. Wie Paolo Bonaiuti sagte, hatte Berlusconi ihn unmittelbar vor seiner Teilnahme an der Parteiveranstaltung in Mailand gefragt: „Glaubst du nicht, dass etwas passieren könnte? Es gibt solch eine Spirale des Hasses.“ Durch Vorwürfe zu Mafia-Kontakten, einen gegen ihn laufenden Korruptionsprozess, seine amourösen Eskapaden und seinen Scheidungskrieg hat Berlusconis Ansehen schwer gelitten.

Der Vorfall löste eine Debatte über die Sicherheit von Spitzenpolitikern aus. Die Leibwächter Berlusconis seien „Profis“, sagte Innenminister Roberto Maroni. Ihnen könne kein Vorwurf gemacht werden. Der Vize-Vorsitzende des Kontrollausschusses für die Geheimdienste, Carmelo Briguglio, bemängelte hingegen „besorgniserregende Sicherheitslücken“. Innenstaatssekretär Alfredo Mantovano versicherte im Fernsehen, die Polizei werde den Angriff „Sekunde für Sekunde“ analysieren.

afp