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Politik Beisetzung: Danzig trauert um erstochenen Bürgermeister
Mehr Welt Politik Beisetzung: Danzig trauert um erstochenen Bürgermeister
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19:14 19.01.2019
Magdalena Adamowicz (vorne), die Ehefrau, und Antonina Adamowicz, eine Tochter des getöteten Danziger Bürgermeisters Pawel Adamowicz. Quelle: Adam Warzawa/PAP/dpa
Danzig

Mit großer Anteilnahme haben die Polen den erstochenen Danziger Bürgermeister Pawel Adamowicz verabschiedet. Der parteilose Bürgermeister wurde am Samstag in der Marienkirche der nordpolnischen Stadt beigesetzt.

Unter den etwa 3500 Trauergästen in der Kirche waren zahlreiche Vertreter der Politik, darunter Polens Präsident Andrzej Duda, Ministerpräsident Mateusz Morawiecki und der EU-Ratspräsident und frühere polnische Regierungschef Donald Tusk. Aus Deutschland war Ex-Bundespräsident Joachim Gauck angereist.

Zehntausende Stadtbewohner verfolgten laut Polizeiangaben in der Innenstadt via Leinwand die Zeremonie, die auch in vielen weiteren Städten übertragen wurde. In Polen herrschte Staatstrauer. Adamowiczs Angehörige verurteilten in ihren Trauerreden Hass und Gewalt und riefen zu Einigkeit auf.

Adamowicz erstochen – Täter gilt als psychisch krank

Adamowicz, seit 1998 Danziger Bürgermeister, war am Sonntag während einer Wohltätigkeitsveranstaltung auf offener Bühne niedergestochen worden und am Montag seinen schweren Verletzungen erlegen. Er hinterlässt seine Frau und zwei Töchter.

Danzig: Viele Menschen versammeln sich während der Bestattungsmesse für den getöteten Danziger Bürgermeister auf den Straßen der Altstadt. Quelle: Adam Warzawa/PAP/dpa

Gegen den 27-jährigen Angreifer, einen vorbestraften Danziger, ermitteln die Behörden wegen Mordes. Als Motiv wurde Rache vermutet. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine psychiatrische Untersuchung des Mannes an. Inoffiziellen Berichten zufolge war er psychisch krank.

Der wegen einer Serie bewaffneter Banküberfälle verurteilte Mann soll Adamowiczs ehemaliger Partei Bürgerplattform PO die Schuld an seiner Haftstrafe gegeben haben. Nach fünfeinhalb Jahren Gefängnis kam er im Dezember frei.

Tod setzt politische Debatte in Gang

Die Gewalttat versetzte das Land in Schock und Trauer und führte auch zu einer politischen Debatte über Hassreden. Der heftige Streit zwischen der Opposition und Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit PiS könne zur Eskalation der Gewalt beigetragen haben, meinten Kritiker. „Das ist keine Tragödie. Das ist ein Resultat“, twitterte etwa Ex-Außenminister Radoslaw Sikorski.

Adamowicz, der die Aufnahme von Flüchtlingen befürwortete, wurde von extrem rechten Kreisen angefeindet. Kritik an dem Politiker, der liberale Ansichten vertrat, gab es auch in öffentlich-rechtlichen Medien, die der nationalkonservativen Regierung nahe stehen.

Das Danziger Attentat könne man kaum anders als im Kontext jener Hasskampagne sehen, sagte der Warschauer Soziologe Jacek Kucharczyk. Seit Antritt der nationalkonservativen PiS-Regierung gebe es eine zunehmende Billigung politischer Gewalt, sagte der Politikexperte des Instituts für Öffentliche Angelegenheiten (ISP).

Witwe fordert Umdenken

Adamowiczs Angehörige verurteilten während der Trauerfeier Hass und Gewalt. „Möge sich so eine Tragödie, wie sie Pawel und unsere Familie getroffen und Danzig mit Trauer bedeckt hat, nie mehr wiederholen“, sagte die Witwe des Politikers, Magdalena Adamowicz.

Sie mahnte ein Ende der Hasswelle an. Adamowiczs Stellvertreterin Aleksandra Dulkiewicz rief dazu auf, eine Gemeinschaft nach dem Wunsch des Politikers zu bilden: „Lasst uns offener, gastfreundlicher und solidarischer sein und Andersdenkenden mit Respekt begegnen.“

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Von RND/dpa