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Politik Bankberatung trotz Finanzkrise noch immer mangelhaft
Mehr Welt Politik Bankberatung trotz Finanzkrise noch immer mangelhaft
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22:57 15.12.2009
Vertrauenssache: Bankkunde im Gespräch mit seiner Anlageberaterin. Quelle: ddp
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„Die Banken haben sich blamiert, wir können keiner Bank eine gute Anlageberatung bescheinigen“, sagt Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur des Magazins „Finanztest“ in Berlin. Nur drei Geldhäuser schafften die Note befriedigend: Commerzbank, Kreisparkasse Köln und die Berliner Sparkasse. Zwei fielen wegen krasser Fehler ganz durch: die BW Bank und die Ostsächsische Sparkasse. Die Sparkasse Hannover landet als einziges in Niedersachsen getestetes Institut mit der Note 3,8 im Mittelfeld. Die Bank wollte den Test vorerst nicht kommentieren – man müsse erst die Ergebnisse im Detail kennen.

Seit Jahren kritisiert die Stiftung Warentest die miese Beratung der Banken. Durch die Lehman-Pleite sehen sich die Verbraucherschützer bestätigt. Viele Bundesbürger haben dadurch ihr in Zertifikaten angeblich sicher angelegtes Geld verloren. Trotzdem hätten die Banken nichts dazugelernt, sagt Stephan Kühnlenz von der Stiftung: Wie vor der Finanzkrise werde Kunden wieder die ganze Palette von teils riskanten Aktien, Fonds und Zertifikaten verkauft – auch wenn diese vor allem eine sichere Anlage suchten.

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Die Stiftung Warentest fordert daher schärfere Gesetze und vor allem bessere staatliche Kontrolle der Anlageberatung. „Strenge Regeln sind gut, aber man muss auch prüfen, ob sie eingehalten werden“, kritisiert Kühnlenz. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner kündigte an, die Regierung wolle die Bankenbranche notfalls per Gesetz zu einer besseren Kundenberatung zwingen.

Bei den Beratungsgesprächen gaben die verdeckten Prüfer vor, dass sie 30 000 Euro für fünf Jahre sicher anlegen wollen und sich eine Rendite von vier Prozent wünschen. „Eigentlich eine einfache Aufgabe für jede Bank“, so Tenhagen. Doch jeder dritte Berater klärte den Kunden noch nicht einmal darüber auf, dass vier Prozent Rendite auf sichere Anlagen derzeit unrealistisch sind. Mehr als die Hälfte der Institute ermittelte zudem nicht einmal die Vermögens- und Einkommenslage des Kunden, obwohl das vorgeschrieben und für eine vernünftige Beratung unerlässlich ist. So erkannten viele Berater auch nicht, dass die Testkunden lieber eine sichere statt eine riskantere Anlage mit höherer Rendite, aber auch höherem Risiko wollten.

von Thomas Wüpper