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Politik Ban fordert Zugang zu Flüchtlingslagern
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23:04 24.05.2009
„Wir sind bombardiert worden“: UN-Generalsekretär Ban Ki-moon besucht die Insassen eines Flüchtlingslagers in Sri Lanka. Quelle: afp
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Nach dem Ende des Bürgerkrieges in Sri Lanka hat UN-Generalsekretär Ban Ki Moon die Volksgruppen der Singhalesen und der Tamilen zur Versöhnung aufgerufen. „Sonst könnte sich die Geschichte wiederholen“, warnte Ban am Sonnabend nach einem Treffen mit dem sri-lankischen Präsidenten Mahinda Rajapaksa in dessen Residenz. Zudem müsse alles getan werden, um die Situation der 300.000 Flüchtlinge im Norden des Landes zu verbessern, forderte Ban während seines Besuches.

Der UN-Generalsekretär konnte am Wochenende sehen und hören, was die Regierung des Landes der Welt bislang vorenthalten hat. „Ich war so traurig“, sagte er nach dem Ende des Hubschrauberflugs über die Kampfzone, „es war menschenleer“. Ban Ki-moon sah Bombenkrater, zerstörte Notlager, im Feuer zerschmolzene Fahrzeuge – verbrannte Erde. Flüchtlinge, mit denen der UN-Chef im Gegensatz zu Journalisten und Hilfsorganisationen hinter den Stacheldrahtverhauen des mit 200.000 Insassen gegenwärtig weltweit größten Internierungslager Manik Farm sprechen durfte, erzählten von Tagen des Terrors. „Wir sind von den Streitkräften bombardiert worden“, erklärte die 42-jährige Krishnaleela.

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Die Regierung von Präsident Mahinda Rajapakse hält immer noch an der Propagandadarstellung fest, die Streitkräfte hätten bei der Zerschlagung der „Befreiungstiger Tamil Eelam“ (LTTE) in den vergangenen Wochen keine schweren Waffen eingesetzt. Vier Ärzte, die Colombo mit ihren Darstellungen aus dem Kampfgebiet widersprochen hatten, sind inzwischen vom Internationalen Roten Kreuz“ (IKRK) in einem Gefängnis Sri Lankas gefunden worden. Sie hatten in dem einzigen Hospital in der Kampfzone Zivilisten versorgt. Die Regierung von Präsident Rajapakse ließ sie einsperren, weil sie „mit ihren Lügen das Ansehen der Regierung“ geschädigt hätten.

Mehr als 6200 Soldaten seien bei der Offensive gegen die Tiger ums Leben gekommen, rund 30.000 der insgesamt rund 170.000 Mannen starken Armee verletzt worden, gab Sri Lankas Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapakse, ein Bruder des Präsidenten, am Wochenende zu. Die LTTE hatte zu ihren besten Zeiten maximal 15.000 Kämpfer unter Waffen. Rund 7000 Zivilisten starben seit Anfang des Jahres. Laut den Vereinten Nationen forderte der Bürgerkrieg insgesamt mehr als 100.000 Menschenleben.

Trotz des immensen Blutvergießens genießt Präsident Rajapakse den Sieg über die Tiger in vollen Zügen. Offizielle Plakate in der Hauptstadt Colombo rufen das Staatsoberhaupt zum „König von Sri Lanka“ aus. Anhänger fordern, Wahlen abzuschaffen und Rajapakse auf Lebenszeit die Krone zu verleihen.
Nur Ban ki-moon verdarb Rajapakse etwas die Laune. „Hilfsorganisationen brauchen ungehinderten Zugang zu den Lagern“, verkündete der UN-Generalsekretär und erklärte Rajapakse eine unangenehme Wahrheit angesichts der mehr als 300.000 Tamilen, die gegenwärtig hinter Stacheldraht festgehalten werden: „Sri Lanka kann die Vertriebenen nicht aus eigener Kraft versorgen.“

14 Hilfsorganisationen, darunter die Deutsche Welthungerhilfe, hatten in der vergangenen Woche das Verhalten Colombos deutlich kritisiert. Tamilen in den Internierungslagern dürfen nicht mal ihre Kinder begleiten, wenn sie in ein Hospital gebracht werden müssen. Viele Frauen haben seit der Internierung ihre Ehemänner nicht mehr gesehen. Ein Fernsehteam, dass über Vergewaltigungen, Morde und Übergriffe durch Soldaten aus den Lagern berichtet hatte, wurde verhaftet und aus dem Land gewiesen.

von Willi Germund