Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Aus Sorge vor Atom-Unfall: Deutschland bestellt 190 Millionen Jodtabletten
Mehr Welt Politik Aus Sorge vor Atom-Unfall: Deutschland bestellt 190 Millionen Jodtabletten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:17 22.08.2019
Das Atomkraftwerk Tihange in Belgien steht bei Atomkraftgegnern schon seit längerer Zeit massiv in der Kritik.
Köln, Salzgitter

Zur Vorsorge für einen möglichen Atomunfall in Deutschland oder in benachbarten Ländern vergrößert das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) den deutschen Vorrat an Jodtabletten. Das Bundesamt in Salzgitter habe 190 Millionen dieser Tabletten bestellt, berichtete der Westdeutsche Rundfunk (WDR) am Donnerstag in Köln. Das seien fast viermal so viele wie derzeit in Deutschland lagern. Die Jodtabletten sollen demnach an die Bevölkerung verteilt werden, sollten radioaktive Stoffe freigesetzt werden.

Die Strahlenschutzkommission (SSK) hatte den Angaben zufolge empfohlen, den Vorrat an Jodtabletten aufzustocken. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte das Beratergremium der Bundesregierung vorgeschlagen, den Kreis der möglichen Empfänger von Jodtabletten nach Freisetzung von Radioaktivität erheblich auszuweiten.

Mehr Gebiete betroffen als angenommen

Das Unglück in Japan habe zwei Dinge gelehrt, sagte der Essener Strahlenbiologe und damalige SSK-Vorsitzende, Wolfgang Müller, dem WDR. "Das eine ist, dass man auch mit Reaktorunfällen der Stufe INES 7 rechnen muss, also schwerer, als man vorher angenommen hat". Zudem könne es zu einer mehrtägige Freisetzungen kommen. Das bedeute, dass unter Umständen die Windrichtungen wechseln könne und viel mehr Gebiete betroffen seien.

Das Risiko eines Super-GAU schätzt Müller trotz des für 2022 beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland als real ein. Das liege an den zahlreichen Atomkraftwerken in benachbarten Ländern.

Kosten von fast zehn Millionen Euro

Der Bund zahlt nach Angaben des Bundesamts rund 8,4 Millionen Euro für die Jodtabletten. Sie sollen dezentral gelagert und im Bedarfsfall von den Bundesländern verteilt werden.

2017 waren in der Region Aachen Jodtabletten an Bürger bis 45 Jahre sowie schwangere und stillende Frauen ausgeteilt worden. Die Behörden wollten damals Vorsorge treffen für den Fall eines schweren radioaktiven Vorfalls im belgischen Atomkraftwerk Tihange, das nur wenige Kilometer jenseits der deutschen Grenze liegt. Der dortige Atommeiler gilt wegen seines Alters und zahlreicher Risse als stör- und pannenanfällig.

Die rechtzeitige Einnahme von hoch dosiertem, nicht-radioaktivem Jod soll nach einem schweren Reaktorunfall verhindern, dass sich radioaktives Jod in der Schilddrüse eines Menschen einlagert, wo es Krebs auslösen kann.

RND/epd

Kein schneller Arzttermin in Sicht? Das sorgt für Frust bei vielen Krankenversicherten. Sie behelfen sich mit „Dr. Google“ oder lassen sich in der Klinik-Notfallambulanz behandeln. Jetzt gehen die Kassenärzte in die Offensive.

22.08.2019

Der Mangel an Sozialwohnungen ist akut. Ein Bündnis aus mehreren Verbänden fordert nun die Politik auf, deutlich nachzulegen.

22.08.2019

Die Deutschen werden immer älter - sogar fünf bis sieben Jahre älter, als sie selbst denken. Das zeigt eine neue Studie. Doch warum sterben wir nicht mehr so jung? Die Ursachen sind vielfältig - ein Überblick.

22.08.2019