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Politik Auch Petraeus Nachfolger scheint in Affäre verwickelt zu sein
Mehr Welt Politik Auch Petraeus Nachfolger scheint in Affäre verwickelt zu sein
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22:26 13.11.2012
Von Stefan Koch
 Auch General John Allen scheint in die Affäre verwickelt sein: er soll „unangebrachte“ Emails geschrieben haben. Quelle: dpa
Washington

Senator John Kerry ist im Gespräch als neuer Verteidigungsminister, UN-Botschafterin Susan Rice soll nun doch Außenministerin Hillary Clinton folgen, und der Anti-Terror-Berater im Weißen Haus, John Brennan, könnte demnächst zum neuen CIA-Chef befördert werden. In Washington bewegt sich ein hochkarätiges Personalkarussell, doch das öffentliche Interesse gilt einem ganz anderen Thema: Die Liebesaffäre des zurückgetretenen Geheimdienstchefs und früheren Vier-Sterne-Generals David Petraeus zieht immer weitere Kreise und elektrisiert ganz Amerika.

Peter King, Abgeordneter des Repräsentantenhauses und Vorsitzender des Ausschusses für die innere Sicherheit, schüttelt über das private Drama nur den Kopf: „Das ist wie eine griechische Tragöde. Die Details könnten einem Hollywoodfilm oder einem billigen Roman entsprungen sein“, sagte der 68-Jährige am Dienstag dem Sender NBC. War zunächst nur von einer außerehelichen Beziehung zwischen dem mächtigsten Geheimdienstchef der Welt und seiner Biografin die Rede, geht es mittlerweile um Geheimnisverrat, Eifersucht und ein Netzwerk aus hochkarätigen Militärs und so attraktiven wie ehrgeizigen Frauen.

Fakt ist, dass Petraeus als CIA-Chef zurückgetreten ist, das Privathaus seiner Biografin Paula Broadwell vom FBI am Montagabend durchsucht wurde und eine Beförderung von John Allen, Oberkommandeur der Internationalen Schutztruppen in Afghanistan, zunächst auf Eis liegt. Alle weiteren Details sind mit Vorsicht zu genießen, da die Ermittler von der Bundespolizei und vom Pentagon mitten in den Untersuchungen stecken.

Wie mehrere Regierungsmitarbeiter am Dienstag – inoffiziell – einräumten, muss es in den vergangenen Wochen in den höchsten Militär- und Geheimdienstkreisen fürchterlich gekracht haben. Während der „Commander in Chief“ in einem aufreibenden Wahlkampf stand und bis zum letzten Tag um seinen Wiedereinzug ins Weiße Haus bangte, kämpfte sein oberster Spionagechef ebenfalls ums berufliche Überleben. Gegenüber dem FBI hatte er frühzeitig die Affäre mit Broadwell eingeräumt, aber betont, dass er seiner Geliebten keine sensiblen Dokumente gegeben habe. Eindringlich soll er die Beamten gebeten haben, die Privatangelegenheit diskret zu behandeln. Zu diesem Zeitpunkt ging es aber längst nicht mehr allein um das Liebespaar. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Öffentlichkeit von dem Skandal erfuhr.

Den Anstoß zu den Ermittlungen hatte die 37-jährige Millionärsgattin Jill Kelley aus Tampa in Florida gegeben, die sich durch unzählige anonyme E-Mails bedroht fühlte. Sie wandte sich an einen befreundeten FBI-Mitarbeiter, der schnell herausfand, dass die Spur zu Paula Broadwell führte. Die Petraeus-Geliebte war offenbar rasend eifersüchtig, da Kelley mit seiner Familie eng befreundet war und dem General schöne Augen machte. 

In der vergangenen Woche, als Petraeus mit seinem überraschenden Eingeständnis und seinem Rücktritt die Nation überraschte, hatte Familie Kelley in einem offenen Brief zunächst um Verständnis gebeten: Der Rücktritt des verdienstvollen Geheimdienstchefs sei nicht ihre Absicht gewesen. Aber die Familie habe ihre Privatsphäre schützen müssen.

Mittlerweile stellt sich jedoch heraus, dass es nicht allein um Petraeus geht: Offiziell war Kelley – zweifache Mutter und Ehefrau eines renommierten Mediziners – ehrenamtlich auf der großen Militärbasis in Tampa engagiert, auf der mehrere zentrale Führungsebenen beheimatet sind. Offenbar knüpfte sie bei dieser Gelegenheit nicht nur enge Kontakte zu Petraeus, sondern auch zu dessen Nachfolger in Afghanistan, General John Allen. Juristisch betrachtet ist diese Beziehung ungleich brisanter als die Freundschaft zu Petrae­us, da außereheliche Romanzen beim US-Militär als „krimineller Akt“ eingestuft werden können.

Was als private Liebelei begann, entwickelt sich damit immer mehr zu einer handfesten Krise der Sicherheitsbehörden: Nach Rücksprache mit Präsident Barack Obama ordnete Pentagon-Chef Leon Panetta am Dienstag eine weitreichende Untersuchung an. Unter anderem sollen 20.000 bis 30 000 E-Mails und Papiere geprüft werden, die sich General Allen und seine Bekannte aus Florida schrieben. Der Verdacht aus Sicht des Verteidigungsministeriums: Der 58-Jährige soll „unangebrachte E-Mails“ geschrieben haben.

Auch für diesen Karrieresoldaten könnte die Affäre einen tiefen Sturz bedeuten: Am morgigen Donnerstag sollte er in Washington zum Nato-Oberkommandierenden in Europa ernannt werden. Wie das Pentagon gestern mitteilte, wird dieser Termin „vorübergehend verschoben“.

Das Ende der Affäre dürfte damit allerdings noch längst nicht erreicht sein. Kistenweise schleppte das FBI in der Nacht zu Dienstag Materialien aus dem Haus der Petraeus-Geliebten Broadwell in North Carolina. Die frühere Elitesoldatin und Harvard-Absolventin hatte sich damit gerühmt, seit ihrer Arbeit an der Petraeus-Biografie in US-Sicherheitskreisen bestens vernetzt zu sein. Ende Oktober wartete sie bei einer Rede an der Universität in Denver mit seltsamen Details über den blutigen Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi auf: Ihrer Meinung nach wollten die Angreifer hochkarätige Terroristen befreien, die auf dem Gelände  gefangengehalten worden seien.

Sind das nur wilde Spekulationen, die sie in einem Nachrichtensender aufgeschnappt hatte? Oder griff Broadwell auf Hinweise ihres Liebhabers zurück? Das letzte Kapitel ist offenbar noch nicht geschrieben.

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