Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Armutsbericht: Reicher Süden – armer Norden
Mehr Welt Politik Armutsbericht: Reicher Süden – armer Norden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:42 20.12.2012
Seit 2006 ist nach Angaben des Paritätischen Wohlfahrtsverbands die Armutsgefährdungsquote stetig gestiegen und habe 2011 mit 15,1 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Der Verband fordert nun ein Sofortprogramm gegen Armut. Quelle: dpa
Berlin

In Baden-Württemberg und Bayern leben laut einem bundesweiten Vergleich nur wenig arme Menschen. Dagegen gelten Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt als Problemregionen mit den meisten Armen in Deutschland. Dies geht aus dem am Donnerstag vorgestellten Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes zur regionalen Armutsentwicklung in der Bundesrepublik hervor.

Danach ist seit 2006 die Armutsgefährdungsquote in Deutschland stetig gestiegen und hat 2011 mit 15,1 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Das sind 12,4 Millionen Menschen - rund eine halbe Million mehr als noch 2010.

Als armutsgefährdet gilt, wer weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Monatseinkommens für seine Lebensführung zur Verfügung hat. Bei einem Single-Haushalt sind dies weniger als 848 Euro, bei einer Familie mit zwei Kindern unter 14 Jahren weniger als 1781 Euro.

Für den Anstieg der Armut macht der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, „Armutslöhne“ sowie die Zunahme prekärer Beschäftigungsverhältnisse verantwortlich, aber auch Einschränkungen bisheriger Sozialleistungen für Wohnen und Heizen. „Viele Menschen haben Arbeit, aber immer weniger können von ihrer Arbeit leben“, sagte Schneider. „Die guten statistischen Erfolge in der Arbeitsmarktpolitik wie auch der Rückgang der Hartz-IV-Bezieherzahl werden offensichtlich mit einer Amerikanisierung des Arbeitsmarktes erkauft.“

Mit Bremen landet erstmals ein westdeutsches Bundesland auf dem letzten Platz des nun zum dritten Mal vom Verband erstellten Länderrankings. Dort gelten 22,3 Prozent der Bewohner als armutsgefährdet. Nicht viel besser sieht es in Mecklenburg-Vorpommern (22,2) und Berlin (21,1) aus. Weit überdurchschnittliche Armutsgefährdungsquoten haben auch Sachsen-Anhalt (20,5) und Sachsen (19,6). Weit unter dem Bundesschnitt von 15,1 Prozent liegen Baden-Württemberg (11,2), Bayern (11,3) und Hessen (12,7).

Einen besonders negativen Trend zeigt der Bericht für Berlin und das Ruhrgebiet auf. Mit 3,5 Millionen Einwohnern in Berlin und 5 Millionen im Ruhrgebiet bilden beide Regionen die größten Ballungsräume Deutschlands. Mehr als jeder zehnte Einwohner der Bundesrepublik wohnt in einem dieser beiden Gebiete.

In Berlin sprang die Armutsgefährdungsquote von 2010 auf 2011 um 1,9 Prozentpunkte auf 21,1 Prozent, im Ruhrgebiet um 1,5 Prozentpunkte auf 18,9 Prozent. Besonders dramatisch ist laut Bericht die Entwicklung in Dortmund, wo die Quote inzwischen bei 24,2 Prozent liegt, gefolgt von Duisburg (23,5). Negativwerte von über 20 Prozent weisen zum Beispiel auch die niedersächsische Landeshauptstadt Hannover (22,6) auf, ebenso der Landkreis Goslar (20,1).

Gefordert wird von dem Verband ein Sofortprogramm zur Bekämpfung der wachsenden Armut. Dazu zählte Schneider die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes und einer Mindestrente sowie die Anhebung der Hartz-IV-Regelsätze. Schwer vermittelbare Langzeitarbeitslose sollten durch ein öffentlich gefördertes Beschäftigungsprogramm eine Perspektive erhalten. Kosten würde dies „mindestens zehn Milliarden Euro“. Schneider: „Aber Armutsbekämpfung ist ohne Umverteilung schlechterdings nicht möglich.“

SPD-Chef Sigmar Gabriel sieht in dem Bericht einen Beleg dafür, „wie zynisch und verlogen die "Alles ist gut-Rhetorik" der Koalition von Union und FDP ist“. Die Armut wachse trotz guter Wirtschaftslage und positiver Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt dramatisch. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält dagegen die Entwicklung für nicht alarmierend. „Man sollte die Probleme weder dramatisieren noch kleinreden. Armut ist in einem reichen Land wie Deutschland relativ“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa.

Der Armutsbericht 2012 des Paritätischen Wohlfahrtsverbands zum Download.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

Während weitere Opfer des Massakers von Newtown zu Grabe getragen werden, zeichnen sich in Washington Schritte gegen die Waffengewalt ab.Obama hat eine Taskforce eingesetzt, die bereits im Januar Vorschläge für ein schärferes Gesetz vorlegen soll.

20.12.2012
Politik Tauziehen um Kompromiss - Kein Durchbruch im US-Budgetstreit

Das Tauziehen um ein Programm zum Defizitabbau in den USA hält an. Hauptknackpunkt sind Steuererhöhungen für die Reicheren. Viel Zeit für einen Kompromiss bleibt nicht mehr.

19.12.2012

Brüssel will den Bürgern das Rauchen abgewöhnen. Schockbilder und großflächige Warnhinweise auf den Schachteln sollen dabei helfen. Diese Pläne hat die EU-Kommission nun offiziell vorgestellt.

19.12.2012