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Politik Angeklagte der „Sauerland-Gruppe“ suchten den bewaffneten Kampf
Mehr Welt Politik Angeklagte der „Sauerland-Gruppe“ suchten den bewaffneten Kampf
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18:24 25.08.2009
Der im Sauerland-Prozess Angeklagte Atilla S. (l.) und sein Anwalt Axel Nagler. Quelle: Clemens Bilan/ddp (Archiv)
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Man habe „intensiv nach einem Weg“ in den Dschihad gesucht, sagte der Atilla S. Dabei sei er auch bereit gewesen, den „Märtyrertod“ zu sterben.

Allerdings sei man bei der Suche „ein bisschen orientierungslos“ gewesen, räumte der Angeklagte ein. Zudem habe ihnen ein Gewährsmann gesagt, dass in Tschetschenien kein Bedarf an Freiwilligen bestehe.

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Deswegen seien er sowie die Mitangeklagten Fritz G. und Adem Y. im August 2005 zunächst zu einem Arabisch-Sprachkurs in die syrische Hauptstadt Damaskus geflogen. Dort nahmen die Angeklagten Unterricht und prüften unter anderem die Möglichkeit, „ein kleines Militärtraining im Libanon“ zu absolvieren. Adem Y. reiste zudem Ende 2005 über die Türkei nach Aserbaidschan, wo er die Möglichkeiten auslotete, nach Tschetschenien in den Kampf zu ziehen.

Fritz G. berichtete dem OLG von seiner Reise in ein Ausbildungslager nach Pakistan, die er gemeinsam mit Adem Y. und einem Mann aus Aserbaidschan in die nordwestliche Grenzregion zu Afghanistan unternahm. Dort kamen sie mit einer Gruppe von etwa fünf bis zehn Mudschaheddin zusammen.

Ein Vertreter der Gruppe sei geradezu „hellhörig“ geworden, als er gehört hatte, dass Fritz G. und Adem Y. aus Deutschland kamen, erklärte der Angeklagte. Auf ihren Wunsch hin begannen sie vor Ort eine militärische Ausbildung: Dabei lernten sie unter anderem den Umgang mit Kalaschnikows, Handgranaten und Panzerfäusten. Überdies wurden sie im Umgang mit Sprengstoff und Funkgeräten ausgebildet. Auch Grundkenntnisse in Zündertechnik und Schaltkreise wurde ihnen vermittelt.

Ob die Ausbildung dazu diente, später in Afghanistan zu kämpfen, sei ihm nicht bewusst gewesen. „Ich habe es aber gehofft“, sagte Fritz G.. Ausgebildet worden seien er und Adem Y. über mehrere Wochen von einem etwa 25 Jahre alten Mann. Erst später sei ihm bekannt geworden, dass es sich bei der Gruppe um die Islamische Dschihad-Union (IJU) gehandelt hatte.

Erst im Laufe der Ausbildung sei Fritz G. gefragt worden, ob er auch einen Anschlag in Deutschland begehen würde. Dem stimmte er zu, auch Adem Y. willigte ein. Die Sprengstoffausbildung bei der IJU war nach Angaben des Angeklagten deutlich umfangreicher als bei anderen Organisationen dieser Art. Bei der Ausbildung stellte sich zudem heraus, dass für einen Anschlag am besten Wasserstoffperoxyd genutzt werden kann, erklärte der Angeklagte. Das war eben jenes Material, dass auch in den Deutschland für den Anschlag verwendet werden sollte und im Sauerland sichergestellt wurde.

Laut Anklage hatten sich die vier Männer zwölf Fässer mit Chemikalien beschafft und in einer Ferienwohnung im sauerländischen Medebach-Oberschledorn damit begonnen, daraus Sprengstoff herzustellen. Am 4. September 2007 wurden sie dort festgenommen. Seit April stehen sie vor Gericht, in der vorvergangenen Woche hatten sie mit ihren umfangreichen Geständnissen begonnen.

Gegen einen fünften Mann der Zelle, den Türken Mevlüt K., wurde in der vorigen Woche Haftbefehl erlassen. Er soll geholfen haben, 26 Sprengzünder für die geplante Anschlagsserie nach Deutschland zu schaffen. Mevlüt K. wird in der Türkei vermutet.

Am Mittwoch (26. August, 9.15 Uhr) wird der Prozess fortgesetzt. Dann wird sich das Gericht unter anderem mit der Struktur der aus Zentralasien stammenden IJU befassen.

ddp

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