Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Politik Althaus zeigt Demut und Kämpfergeist
Mehr Welt Politik Althaus zeigt Demut und Kämpfergeist
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:14 02.05.2009
Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus Quelle: Jens-Ulrich Koch/ddp
Anzeige

Zu Beginn hatte Althaus erneut den Skiunfall bedauert, bei dem vor vier Monaten eine 41-jährige Frau starb und er selbst schwer verletzt wurde. Die 137 Delegierten bejubelten seinen Auftritt, bevor sie einstimmig das Regierungsprogramm für die kommenden fünf Jahre verabschiedeten.

Mit Blick auf die verstorbene Skifahrerin betonte Althaus einmal mehr, dass er Schuld und Verantwortung trage. Im Herzen und im Gebet sei er bei „Frau Christandl“ und ihrer Familie. Er bitte „um Vergebung und Mitleid“. Die vergangenen Wochen seien die schwersten seines Lebens gewesen. Althaus dankte den Parteifreunden und seiner Frau Katharina für die Unterstützung.

Anzeige

Nach knapp zwei Minuten schaltete Althaus um, untermauerte den Führungsanspruch seiner Partei im Land. Unter der Regierung der Christdemokraten sei Thüringen der „Star“ unter den neuen Ländern geworden, sagte Althaus. Die CDU kämpfe darum, die „Gestaltungsmehrheit“ im Land zu behalten. Zugleich warnte er vor einer Koalition von Linke und SPD. Dieses Land dürfe nicht in „rot-rote Hände“ fallen.

Fast eine Stunde redete der Ministerpräsident - fließend, kein einziger Versprecher, keine Schwäche. Die Delegierten standen danach auf und applaudierten ihrem Chef minutenlang. CDU-Fraktionschef Mike Mohring sagte, er habe die „geballte Emotionalität“ von Althaus erlebt. Justizministerin Marion Walsmann betonte, der 50-Jährige habe nichts von seiner Stärke eingebüßt - das Gegenteil sei der Fall. Und der Gastredner, Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), lobte Althaus als „wiedererstarkten Freund“ und „Macher mit Herz“.

Auch Guttenberg warnte vor einer Koalition von Linke und SPD im Land. Der „Spuk von Rot-Rot“ dürfe nicht zugelassen werden, dies wäre ein Schlag ins Gesicht all jener, die in den vergangenen 20 Jahren Werte wiederbelebt und gefestigt hätten. 2004 hatte die CDU in Thüringen mit 43 Prozent erneut eine Alleinregierung bilden können. Nach jüngsten Umfragenwerten liegt die Union bei 36 Prozent, die Linke bei 25 Prozent und die SPD bei 20 Prozent. Indirekt deutete Althaus an, dass er sich eine Koalition mit der FDP vorstellen könnte.

Auf dem Parteitag verabschiedeten die Christdemokraten auch Leitlinien zu den Europa- und Kommunalwahlen am 7. Juni. Die personellen Weichen für das Supelwahljahr hatte die Thüringer CDU bereits Mitte März gestellt. Die Landesvertretersammlung wählte damals Althaus in dessen Abwesenheit mit großer Mehrheit zum Spitzenkandidaten der Union für die Landtagswahlen. Zeitgleich gab Althaus der „Bild“-Zeitung ein Exklusivinterview, das auch in eigenen Reihen Irritationen ausgelöst hatte. Die umstrittene Medienoffensive sprach Althaus nicht an.

ddp