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21:41 01.09.2009
Von Klaus von der Brelie
Quelle: Nancy Heusel (Archiv)
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Der Bauingenieur und Geschäftsführer der Grünen in der Region Hannover ist von Lennartz beauftragt worden, „Akten querzulesen und die entsprechenden Notizen anzufertigen“ – bevor entschieden wird, ob sie dem Asse-Untersuchungsausschuss des Landtages in Hannover zur Verfügung gestellt werden. Weil es sich um besonders sensible Dokumente über den Betrieb des einstigen Versuchsendlagers Asse II handelt, müssten die Akten „von besonders qualifiziertem Personal durchgesehen werden, damit die wichtigen Aussagen erfasst und richtig wiedergegeben werden“, heißt es im Vergabevermerk der Asse GmbH, der von Lennartz in Auftrag gegeben wurde.

Schütz ist nicht der einzige, der sich neun Wochen lang durch den Aktenberg in Remlingen kämpfen soll. Auch Lukasz Batruch, Rechtsassessor und ehemaliger Mitarbeiter der Grünen-Landtagsabgeordneten Ina Korter, ist von Lennartz angeworben worden. Auch in seinem Fall wurde der Auftrag nicht ausgeschrieben, sondern freihändig an den Grünen aus Hannover vergeben.

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Die Frage, warum niemand vom Stammpersonal der Asse GmbH – etwa 230 Personen – mit dem Sonderauftrag betraut wurde, ist in den Vergabevermerken beantwortet. Die dafür infrage kommenden Mitarbeiter seien voll ausgelastet und stünden für diese Tätigkeiten nicht zur Verfügung.

Der kaufmännische Asse-Geschäftsführer hat als Rechtsanwalt im vergangenen Jahr dazu beigetragen, dass das Helmholtzzentrum als Betreiber des einsturzgefährdeten Endlagers bei Wolfenbüttel abgelöst und diese Aufgabe dem Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter übertragen wurde. Präsident des BfS ist seit 1999 Wolfram König, ein Diplomingenieur für Stadtentwicklung, der vom damaligen Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) berufen wurde.

Lennartz und König sind alte Bekannte. Anfang der neunziger Jahre, als Lennartz Regierungspräsident in Hannover war, diente ihm König als Pressesprecher und Leiter der Stabsstelle.

Ob König die Personalentscheidung zu gunsten von Lennartz beeinflusst hat, ist nicht bekannt. Offiziell verkündet wurde die Berufung des neuen Asse-Chefs durch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der den kaufmännischen Geschäftsführer Lennartz dabei als „ausgewiesenen Experten“ würdigte. Dass der Jurist Lennartz diesem Lob gerecht wird, steht inzwischen infrage: Die Asse GmbH sucht mithilfe der Unternehmensberatung Kienbaum unter dem Stichwort „Verantwortung für Mensch und Umwelt“ einen kaufmännischen Leiter, eine „erfahrene Persönlichkeit“, mit einem erfolgreich abgeschlossenen Studium der Wirtschaftswissenschaften. Sie solle zur „ergebnisorientierten Führung des Betriebes“ beitragen. Dass der neue Mitarbeiter ein Grüner und ausgewiesener Kernkraftgegner sein sollte, ist der Stellenanzeige nicht zu entnehmen.