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Politik Algerischer Ministerpräsident äußert sich zu Geiseldrama
Mehr Welt Politik Algerischer Ministerpräsident äußert sich zu Geiseldrama
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10:58 21.01.2013
Der algerische Ministerpäsident Abdelmalek Sellal will am Montag etwas mehr Klarheit zur blutigen Geiselnahme in der Wüste schaffen. Quelle: dpa
Algier

Der algerische Ministerpräsident Abdelmalek Sellal wird sich Montag vor Journalisten zum blutigen Geiseldrama in der Wüste äußern. Dies teilte die Pressestelle des Regierungschefs am Sonntag in Algier in einem Kommuniqué mit. Die Pressekonferenz, deren einziges Thema der Terroranschlag auf die Gasanlage im Osten des Landes sein werde, beginne um 14.00 Uhr.

Nach dem blutigen Ende des Geiseldramas mit mindestens 80 Toten werden immer noch Menschen vermisst. Kommunikationsminister Mohamed Said zeigte sich am Sonntag „sehr besorgt“, dass die Zahl der Opfer weiter nach oben korrigiert werden müsse. Am Tag nach dem Ende der Terroraktion fanden algerische Spezialeinheiten am Sonntag weitere 25 Tote in der Gasförderanlage In Amenas. Das berichtete der algerische Sender Ennahar unter Berufung auf Sicherheitskreise. Fünf Terroristen seien festgenommen worden, drei weitere Islamisten sollen geflohen sein.

Der Terrorüberfall löste international Bestürzung aus. Die USA, Großbritannien, Frankreich, Norwegen und Deutschland machten die Terroristen, die ein Gasfeld tagelang besetzt und Hunderte Geiseln genommen hatten, für das Blutbad verantwortlich. Die Geiselnahme war seit Monaten für den Fall vorbereitet, dass Algerien dem Drängen Frankreichs nach militärischer Unterstützung im Mali-Krieg nachgibt.

Mit der Erstürmung der Industrieanlage hatte die algerische Armee am Samstag die Geiselnahme beendet. Vor diesem Angriff sollen die Islamisten noch sieben ausländische Geiseln ermordet und das Gelände vermint haben. Teile der Anlage wollten sie in Brand setzen.

Deutsche waren nach offiziellen Angaben nicht unter den Gefangenen des Terror-Kommandos. Zwei deutsche Mitarbeiter einer Bohrfirma, die sich mehrere Kilometer von In Amenas entfernt an ihrem Einsatzort befanden, wurden aus Algerien ausgeflogen. Ein Norweger und mehrere andere Geiseln konnten mit einem 15-stündigen Fußmarsch durch die Wüste den Terroristen entkommen.

Nach einer ersten Bilanz der algerischen Regierung konnten 685 algerische Beschäftigte und 107 ausländische Mitarbeiter während des mehrtägigen Dramas befreit werden oder sich selbst retten. 32 Terroristen wurden nach diesen früheren Angaben „neutralisiert“ - die Zahl der toten Geiseln lag zu diesem Zeitpunkt bei 23.

Nach anfänglicher Kritik am Vorgehen der algerischen Armee gab es nach Abschluss der Aktion viel internationale Unterstützung. US-Präsident Barack Obama betonte in einer Erklärung: „Die Schuld an dieser Tragödie liegt bei den Terroristen, die sie verursacht haben.“ Auch der britische Regierungschef David Cameron sieht die Verantwortung für die Taten allein bei den Terroristen. „Dies ist eine globale Bedrohung und sie erfordert eine globale Reaktion“, sagte Cameron.

Frankreichs Präsident François Hollande verteidigte die Befreiungsaktion ebenso wie die Regierung in Oslo. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sprach den Familien aller Opfer sein Beileid aus. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, die Geiselnahme zeige die Grausamkeit der Islamisten.

Die Anlage In Amenas war am Mittwoch von schwer bewaffneten Islamisten besetzt worden. Am Donnerstag griff das Militär erstmals an. Beim Sturm am Samstag wurden alle verbliebenen elf Terroristen getötet. Die Geiselnehmer hatten unter anderem ein Ende des von Frankreich angeführten internationalen Militäreinsatzes im benachbarten Mali gefordert.

Die Bundesregierung will mehr Geld für den Kampf gegen islamistische Terroristen in Mali zur Verfügung stellen. Der Einsatz der deutschen Transall-Transportmaschinen zur logistischen Unterstützung französischer und afrikanischer Truppen soll aber zunächst auf die sichere Hauptstadt Bamako beschränkt bleiben.

Die beiden Transport-Flugzeuge der Bundeswehr waren am Sonnabend mit Sanitätsmaterial an Bord in Bamako gelandet. An Kampfeinsätzen gegen Rebellen beteiligt sich Deutschland nicht. Schweizer Diplomaten wollen direkte Verhandlungen zwischen Tuareg-Rebellen und der Regierung in Mali vermitteln.

Der Präsident der Elfenbeinküste und Vorsitzende der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas, Alassane Ouattara, forderte einen größeren deutschen Beitrag in der Mali-Krise. „Deutschland muss sich mehr engagieren. Ich meine, auch mit Truppen“, sagte er dem „Spiegel“.

dpa

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