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Politik Al Qaida schickte Bombenpaket über Deutschland
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22:51 31.10.2010
Von Michael Grüter
Bundesinnenminister Thomas de Maizière
Bundesinnenminister Thomas de Maizière Quelle: dpa
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Bundesinnenminister Thomas de Maizière bestätigte am Sonntag nach den vereitelten Paketbombenanschlägen, dass eines der für die USA bestimmten Sprengstoffpakete aus dem Jemen über den Flughafen Köln/Bonn nach Großbritannien ging. De Maizière trat eine für heute geplante Nahost-Reise nicht an. „Der Sicherheitschef muss an Deck bleiben“, erklärte am Sonntag ein Ministeriumssprecher.

„Wir nehmen den Vorgang ernst, auch wenn Deutschland nicht Anschlagsziel war“, betonte der Innenminister. Allerdings sei Deutschland im Fokus der Terroristen wie andere Länder auch. In der Nacht zu Freitag seien die deutschen Sicherheitsbehörden von einem befreundeten Geheimdienst über das Paket mit dem Ziel Großbritannien informiert worden. Allerdings habe die Sendung eine halbe Stunde zuvor Deutschland schon wieder verlassen, erläuterte de Maizière. Das Bundeskriminalamt informierte die britischen Behörden.

Dem Vernehmen nach kam die Warnung aus Saudi-Arabien. Das andere Sprengstoffpaket ist in Dubai entdeckt worden. Der Explosionsstoff hätte nach Angaben der britischen Innenministerin Theresa May ein Flugzeug zum Absturz bringen können. Offenbar handelt es sich um das in der Industrie verwandte Sprengmittel PETN, das auch bei einem gescheiterten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug 2009 verwandt worden war.

Das Luftfahrtbundesamt wies auf Anordnung von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer alle Frachtdienstleister an, den Transport von Fracht aus dem Jemen einzustellen und die lagernde Fracht zu kontrollieren. Das gelte auch für Sendungen, die mit Zügen oder über die Straße Deutschland erreicht hätten. Das Augenmerk richte sich insbesondere auf Sendungen, die Deutschland als Transitland nutzten.

Der Fall zeige, „welch überragende Bedeutung der internationale Informationsaustausch bei der Terrorabwehr“ habe, sagte der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses Wolfgang Bosbach (CDU) gegenüber dieser Zeitung. Bosbach warf die Frage auf: „Wer hat wann welche Informationen erhalten und wie ist darauf reagiert worden? Das ist der Punkt, der jetzt aufzuklären ist.“ Der Innenpolitiker erwartet, dass der Innen- und der Verkehrsausschuss beraten, „welche Maßnahmen sie veranlassen, um die Gefahrenabwehr zu verbessern.“ Bisher werde Fracht vor allem am Abflughafen durchleuchtet, nicht aber beim Umschlagen, erläuterte Bosbach. Es sei zu prüfen, ob es dabei bleiben könne. „Doppelt genäht, hält besser.“

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